A Way Out | Test

Der Splitscreen ist zurück! A Way Out macht vieles anders und das teilweise auch richtig gut, scheitert aber an der Entscheidung ob es nun ein Film oder doch lieber ein Spiel sein möchte.

Als ich mit dem Zocken angefangen habe, war das zusammen spielen noch weit persönlicher, denn man brauchte kein Internet und man kannte die Person die mit einem vor der Konsole huckt – hoffe ich zumindest 🙂 Mit Beginn des Online-Multiplayer-Spielmodus wurde das Ganze dann sukzessive unpersönlicher, denn ein Knopfdruckt reicht und man bekommt wie von Geisterhand einen neuen besten Freund, der mit uns das Spiel bestreitet. Vor die Haustüre gehen um Freunde zu finden? Oldschool… bis jetzt… denn Josef Fares (libanesisch-schwedischer Regisseur) ist nicht nur begeistert von Videospielen, sondern er bringt uns mit seinem neuesten Streich “A Way Out” den klassischen Splitscreen zurück ins Wohnzimmer. Das Koop-Abenteuer erzählt eine Geschichte von zwei Straftätern, die sich im Laufe eines Gefängnisausbruchs und darüber hinaus zusammenraufen müssen. Das Josef Fares was drauf hat, konnte er mit “Brothers: A Tale of Two Sons” bereits zeigen, doch kann A Way Out an den vergangenen Erfolg anknüpfen? Das und mehr lest Ihr wie immer in unserem Test.

A Way Out: Test

Durch den gemeinsamen Gefägnisausbruch, finden die 2 Protagonisten mehr und mehr zusammen

 

Natürlich unschuldig hinter Gittern…

Wie bereits in der Einleitung geschrieben, erzählt A Way Out eine Geschichte zweier Gefängnisinsassen (Vincent und Leo), die sich im Laufe des Spiels beim gemeinsamen Vorhaben “Gefängnissusbruch” mehr und mehr zusammenraufen. Dabei startet das Spiel mit Zwischensequenzen aus einem Flugzeug, wo die beiden auf die vergangenen Geschehnisse zurückblicken. Vincent kommt zu Beginn des Spiels frisch in das Gefängnis und wird zu 14 Jahren verurteilt, während Leo bereits seit sechs Monaten in dem Gefängnis sitzt und zu acht Jahren verurteilt wurde. Beide sind natürlich, nach eigenen Angaben, unschuldig verknackt worden, wie soll es denn auch anders sein, haben aber beide dieselben Ambitionen so schnell wie möglich aus dem Knast zu entkommen. Denn den Platz hinter den schwedischen Gardinen haben die beiden einen gewissen Harvey zu verdanken und so entscheiden sich die beiden für einen gemeinsamen Rachefeldzug. Doch dazu muss man erst mal irgendwie aus dem Gefängnis rauskommen….

Splitscreen – Fluch und Segen zugleich

Wie wir bereits wissen ist A Way Out ein reines Koop-Spiel. Das Koop-Abenteuer können wir entweder gemeinsam auf derselben Konsole oder per Internet mit einem Freund (Zufällige Spieler können wir jedoch nicht einladen) erleben. Durch den sogenannten Freundespass muss nur ein Spieler A Way Out kaufen. Der andere kann dann von ihm via Freundesliste eingeladen werden und das komplette Spiel kostenlos herunterladen. Allerdings ist der Nicht-Käufer beim Zocken an seinen Kumpel gebunden. Echt coole Sache!

Hat man nun seinen Mitspieler gefunden können wir uns ins “Getümmel” stürzen. Das Spiel wird dabei per Splitscreen gespielt, so können wir jederzeit nachsehen wo sich der andere Spieler gerade befindet oder was dieser gerade macht. Bei wichtigen Ereignissen des jeweiligen Protagonisten verschiebt sich der Splitscreen zu Gunsten des Geschehens, bleibt aber sonst immer schön brav genau in der Mitte. Dies sorgt für eine außerordentliche Immersion, da wir ständig mit der Geschichte beider Charaktere konfrontiert werden. Aber genau an dieser Stelle stellt sich das Spiel das eigene Bein, denn so verliert der Titel enorm an Wiederspielwert, da man beide Seiten bereits beim ersten Durchgang mitbekommt und ein erneutes Durchspielen überflüssig macht. Dennoch finden wir die Entscheidung genau richtig, da der Splitscreen ein grandioses Spielgefühl vermittelt.

 

Mehr Film als Spiel

Das filmartige Spiele mehr als erfolgreich sein können, haben wir bereits bei “Heavy Rain”, “Beyond: Two Souls”, “Until Dawn” und L.A. Noire gesehen. Diese Art von Spielen gelingt ein gesunder Mix aus Zwischensequenzen mit Quicktime Events und spielerischen Passagen. Auch “A Way Out” probiert sich in diese Nische einzunisten, scheitert aber an der einen oder anderen Ecke. Die Zwischensequenzen sind zwar absolut gut umgesetzt und vermitteln eine dichte Atmosphäre, benötigen aber nur sehr selten das Eingreifen des Spielers, da Quicktime Events eher spärlich gesät wurden. Auch die Spiel-Passagen verlangen nur sehr wenig von den Spielern ab, da diese so gut wie keine freien Entscheidungen zulassen. Der Weg wie wir aus dem Gefängnis entkommen ist klar vorgegeben. Schade eigentlich, denn das Spiel mit dem erstklassigen Grundgerüst hätte alles, wirklich alles um selbst den Ausbruch planen zu können.

Koop-Gameplay par excellence

Verzeiht man dem Spiel die geringe Anzahl an spielerischen Passagen, erlebt man dafür umso mehr ein paar amüsante Stunden vor dem Bildschirm, denn in Sachen Koop-Gameplay zeigt A Way Out sein volles Potenzial. Mal müssen wir vor den Wachen Ausschau halten, während der andere versucht das Gitter hinter der Zellentoilette zu entfernen, oder man lenkt Insassen ab um nötige Werkzeuge stehlen zu können. Sämtliche Abschnitte des Spiels können wir also nur gemeinsam als Team erfolgreich abschliessen. Hört sich grundsätzlich spannend an, ist es aber leider nicht wirklich, denn A Way Out ist absolut nicht fordernd. Sämtliche Passagen gehen spielerisch mehr als locker von der Hand und auch das Gehirn läuft bei A Way Out absolut auf Sparflamme, da wir uns in keinster Weise Gedanken machen müssen, wie wir nun weiter vorankommen. Auch die wenigen Entscheidungen die wir treffen müssen, bieten zwar spielerisch einen anderen Ansatz, aber der Weg führt immer und immer wieder zum selben Ergebnis. Bei A Way Out bekommt der Spruch “Alle Wege führen nach Rom” eine besondere Bedeutung.

So wird der sonst so schwere Gefängnisausbruch zum Kinderspiel und trübt die grandiose Atmosphäre. Dennoch nimmt das Spiel gerade zum Schluss noch ein wenig Fahrt auf und bleibt dank der Action-Passagen sicherlich in Erinnerung. Genaueres möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, da Ihr die relativ “kurze” Geschichte selbst erleben sollt und wir es immer wieder versuchen nicht großartig zu Spoilern.

 

Ein Gefängnis ist doch wunderschön…

… zumindest auf dem Bildschirm! Denn die Entwickler zaubern uns in puncto Präsentation ein absolut solides Spiel auf den Bildschirm. Zwar ist die Technik nicht am aktuellen Stand der Technik, aber dank des geschickten Einsatzes des Splitscreens und der Kameraeinstellungen, gelingt es Hazelight teilweise kinoreife Momente in Szene zu setzen. Dennoch wirkt das Spiel gerade bei den Animationen und Mimiken der wichtigen Charakteren etwas hölzern. Die wahre Stärke liegt aber an den Emotionen, die das Spiel dank der großartigen Sprachausgabe transportiert. Auch in den anderen Belangen läuft das Spiel absolut solide und uns sind keine großartigen Fehler aufgefallen. Einzig allein die KI eines Insassens setzte mal komplett aus, als dieser ständig gegen das Gitter lief. Aber wer weiß was dieser arme Kerl von den Wachen verabreicht bekommen hat 🙂 Die Situation sah zwar lustig aus, störte aber nicht weiter, da dieser Häftling sowieso irrelevant für den Spielfortschritt war.

Yeah, der Splitscreen ist zurück! In A Way Out versuchen wir gemeinsam mit einem Freund aus einem Gefängnis auszubrechen, um sich später an einen Verbrecher, der für unsere Verhaftung verantwortlich ist, zu rächen. Klingt zunächst mehr als spannend, ist es teilweise auch, aber leider steht sich A Way Out bei der Grundsatzfrage selbst im Weg. Möchte ich nun ein Film sein, oder doch lieber ein Spiel? Wir wissen es nicht, denn es reicht weder für die eine noch für die andere Seite. Es sind zwar genügend Zwischensequenzen vorhanden, diese werden aber durch Spiel-Passagen unterbrochen. Die Spiel-Passagen selbst kommen aber leider viel zu kurz und sind vom Spiel auch noch klar vorgegeben und bieten keinen Handlungsspielraum um eventuelle andere Lösungsansätze “selbst” herausfinden zu können. Verzeiht man dem Spiel aber seine kleinen “Fehler”, hat man zumindest für ein bis zwei Abende gemeinsam mit einem Mitspieler großen Spaß daran, das ambitionierte Koop-Abenteuer gemeinsam zu durchleben. Bei einem Preis von gerade mal 30€ mit integrierten Freundespass sollte man sich das Abenteuer dennoch auf keinen Fall entgehen lassen.

PRO

  • Grandioser Koop
  • Erstklassige Synchro
  • Gelungene Atmosphäre
  • Gute Zwischensequenzen

KONTRA

  • Charaktere wirken hölzern
  • Wenig Spiel
  • Kaum fordernd
  • Etwas kurz
7.8

Spielenswert

Gameplay - 7.8
Grafik - 7.9
Sound - 8.1
Inhalt - 7
Atmosphäre - 8.2
Das Thema Gaming begeistert mich schon seit meiner Kindheit. Als Gründer von AustriaGaming habe ich die Möglichkeit mein Hobby zu vertiefen und eine Gaming-Community in Österreich aufzubauen. Neben Steak und Pommes habe ich auch gerne knackige Games auf dem Tablett serviert, die mich bis tief in die Nacht vor dem Bildschirm fesseln.

2
Gib deinen Senf dazu!

avatar
1 Kommentar-Threads
1 Thread-Antworten
0 Abonnenten
 
Aktivster Kommentar
Heißester Kommentar-Thread
2 Kommentatoren
Manuel SchmidtretroandyYT Aktuelle Kommentatoren
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
retroandyYT
Mitglied

Ich finde dieses Spiel als alter Gaming-Hase sehr interessant und werde es mit meiner Frau definitiv zocken. Und da es die Mache rvon Two Brothers sind, dürfte es ein gutes Spiel werden. Ich weiß nur noch nicht für welche Platform…