Anthem | Test

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Anthem sorgt dank einer atmosphärischen Spielwelt, brachialer Kämpfe und einer leichtgängigen Flugsteuerung des Javelins für zahlreiche Stunden Spielspaß. Dennoch muss sich BioWare schleunigst um die teils gravierenden Bugs kümmern!

Seien wir uns einmal ehrlich, in jedem von uns schlummert doch ein versteckter Held, der nur darauf wartet endlich einmal freigelassen zu werden. Manche helfen älteren Leuten über die Straße, andere riskieren im Job täglich für andere ihr Leben und dann gibt es auch noch diese Helden, die gerade mit Tastatur/Maus oder Controller bewaffnet fremde Planeten vor dem Untergang bewahren. Atemberaubende Schluchten, idyllische Wasserfälle, ein Dschungel der seinesgleichen sucht und zahlreiche gefährliche Wesen die dort ihr unwesen treiben – willkommen auf dem Planeten Bastion – willkommen bei Anthem!

Anthem: Test

Bis an die Zähne bewaffnet treten wir unseren Widersachern mit unserem Javelin entgegen – kommt nur her!

 

Ruhm und Ehre

In einer Welt, die von den Göttern unvollendet hinterlassen wurde, bringt eine finstere Fraktion die gesamte Menschheit in Gefahr. Es ist nur wenige Jahrhunderte her, dass die Legion der Dämmerung die tödlichen Mächte dieser grausamen Welt zurückschlug und einen Ort schuf, an dem ihre Gesellschaft in Sicherheit leben konnte. Doch die Gefahren außerhalb der befestigten Städte der Menschen verschwinden niemals endgültig. Ein alter Feind, das Dominion, erhebt sich erneut und bedroht den hart erkämpften Frieden.

Soweit so gut, die Story bietet also genügend Grundlage für etliche Stunden Spielspaß und dabei beginnt alles auch noch extrem vielversprechend. Anthem wirft uns nämlich zu Beginn des Spiels in einen fliegender Kampfanzug (Javelin) mit ordentlich Feuerpower direkt in eine Schlacht mitten im Herzen eines kataklysmischen Sturms, wo dem Planeten Bastion eine Zerstörung droht. Doch der Kampf endet alles andere als erfolgreich und genau an dieser Stelle machen die Entwickler einen Break, denn nach dem groß inszenierten Tutorial versetzt uns Anthem satte zwei Jahre in die Zukunft, wo wir nicht nur mit der Niederlage zu kämpfen haben, sondern auch noch mit dem Ruf der Freelancer im allgemeinen. Doch wir wären kein Held, wenn wir mit dieser Situation nicht irgendwie umgehen könnten und so schlüpfen wir erneut in einen Javelin um den Frieden zu bewahren und den Ruf der Freelancer wieder herzustellen.

 

Interessante Story, öde Umsetzung

Anthem kommt zwar aus dem Hause BioWare, wer aber jetzt mit einem Rollenspiel ala Mass Effect rechnet, der wird definitiv enttäuscht werden. Die Story ist zwar interessant, wirkt aber an allen Ecken und Kanten nur als Lückenfüller und schnell verliert man die Lust die belanglosen Dialoge zu Ende zu hören. Dies liegt vor allem daran, dass wir immer und immer wieder dem selben Ablauf nachgehen müssen. Wir schlendern (im wahrsten Sinne des Wortes) durch die Gassen von Fort Tarsis – unsere Heimat (eine der wenigen befestigten Siedlungen der Menschheit) um zu unseren Questgebern zu gelangen. Hat man diese erreicht, hören wir uns dessen Geschichten an, nehmen Aufträge an, laufen wieder zurück zu unserem Javelin, starten die Mission im Privaten oder Multiplayermodus, kehren zurück und laufen wieder durch die ganze “Stadt” um uns den nächsten Auftrag abzuholen. Auf dem Weg quer durch Tarsis können wir zusätzlich mit verschiedenen Personen Dialoge führen, doch diese sind in der Regel genauso stupide wie der zuvor beschriebene Spielablauf, bringen aber Ruf bei der jeweiligen Fraktion. Bei den Dialogen selbst, stehen uns immer “nur” zwei Antwortmöglichkeiten zur Verfügung, doch direkten Einfluss auf das Gespräch oder sonstiges nehmen diese nicht. Wenigstens ist aber unser Protagonist nicht stumm wie wir es von anderen Spielen her kennen.

Schade eigentlich, denn BioWare hätte eigentlich ein Händchen dafür, spannende Geschichten auf den Bildschirm zu zaubern. Doch Anthem ist ja auch kein Rollenspiel sondern ein Loot-Multiplayer-Shooter, welchem zwar eine tiefgreifende Story gut getan hätte, aber meiner Meinung nach nicht zwingend braucht.

Loot, Loot und nochmals Loot

Wie bei einem Loot-Shooter üblich, müssen wir auch in Anthem unseren Javelin mit zahlreichen Upgrades, Waffen und optischen Teilen verbessern. Diese Teile erhalten wir von Monstern, Bossen oder Belohnungstruhen. Dabei unterscheiden sich diese in Waffen (Scharfschützengewehre, Shotgun usw.), Stärkungsausrüstung (Schildboost, Kampfschrei, etc.), Komponenten (mehr Explosivschaden, mehr Munition, etc.) Abschussvorrichtungen (Granatwerfer, Raketenwerfer, etc.) und natürlich dem Crafting-Material. Letzteres Sammeln wir am besten im Freien Spiel, wo wir ganz ohne Zwang in der Spielwelt herumfliegen dürfen. Auch wenn ihr es bereits womöglich vermutet hattet, geht auch Anthem relativ schnell ins endlose grinden über, dies liegt aber am Genre und nicht zwingend am Titel selbst.

Hat man einmal eine bessere Ausrüstung gefunden, dürfen wir diese in einen von den vier unterschiedlichen Javelins in der Schmied einbauen. Doch das ist noch nicht alles, denn neben den Verbesserungen dürfen wir den Javelin auch mit anderen Farben, Ausrüstungsteilen, Emotes und Sticker optisch anpassen. Einfach Klasse!

 

Jedem das Seine!

Mein persönliches Highlight von Anthem sind die verschiedenen Javelins und deren unterschiedliche Spielweise. Insgesamt stehen uns vier Javelins zur Verfügung, die wir sukzessive freischalten können. Anders als in Destiny, sind wir in Anthem nicht gezwungen für jeden Javelin einen eigenen Charakter zu erstellen, denn diese dürfen wir in der Schmiede per Knopfdruck wechseln. Grandios, denn so kann ich jederzeit entscheiden ob ich heute der Tank bin, oder doch lieber ordentlich Schaden raushauen möchte.

Folgende Javelins stehen zur Auswahl:

  • Ranger: Dieser ikonische Anzug ist durch seine Vielseitigkeit besonders tödlich. Mit starken Angriffseigenschaften, einer respektablen Verteidigung und für jede Situation ein Ass im Ärmel ist der Ranger der Allrounder, den euer Team braucht.
  • Colossus: Der klassische Tank. Dieser Anzug hält nicht nur am meisten aus, sondern besitzt auch Fähigkeiten um Angriffe auf sich zu lenken. Bewaffnet mit einem Schild dürfte dies auch kein allzu großes Problem darstellen.
  • Interceptor: Der Interceptor ist besonders gut darin, Gegnern aus der Nähe Schaden zuzufügen und anschließend wegzusprinten, bevor diese reagieren können. Indem er mit seiner blitzschnellen Manövrierfähigkeit mächtige offensive Fähigkeiten einsetzt, macht der Interceptor das Unmögliche zum Möglichen.
  • Storm: Der Storm kanalisiert die rohe Energie der Hymne durch seine Siegel, um über das Schlachtfeld zu schweben und Schaden auszuteilen. Mit seinen mächtigen Siegeln und der minimalen Panzerung ist der Storm ein stürmischer Javelin, der selbst die Fähigkeiten eines erfahrenen Lancers auf die Probe stellt.

Egal für welchen Javelin ihr euch entscheidet, eines kann ich vorweg sagen, alle spielen sich großartig. Es macht einfach tierisch Bock, mit den Anzügen durch die wunderschöne Welt zu sausen und den Widersachern mit Raketen, Granaten und sonstiges ordentlich einzuschenken.

 

Starkes Gameplay trifft auf dynamischen Schwierigkeitsgrad

Die größte Stärke in Anthem liegt definitiv im Gameplay. Sei es das Fliegen in der Gruppe oder die bombastischen Kämpfe gegen die riesigen Endbosse, hier spielt der Shooter brachial seine Stärke aus. Um Frustmomente zu vermeiden, spendieren die Entwickler dem Spiel einem dynamischen Schwierigkeitsgrad. Doch genau dieses Feature macht dem Spiel einen großen Strich durch die Rechnung, denn dies regelt leider nicht die KI sondern nur die Hitpoints und den ausgeteilten Schaden unserer Gegner. In einer eingespielten Truppe wirkt die KI oftmals überfordert und die teilweise unlogischen Spawnpunkte trüben das sonst so grandiose Spektakel.

Optischer Leckerbissen mit Aussetzer

Was uns BioWare mit der Frostbite Engine hier vor den Latz knallt ist schon aller erste Sahne, denn Anthem sieht atemberaubend aus. Eine dichte atmosphärische Welt die trotz fehlender schwebenden Felsen stark an Pandora erinnert, detaillierte Javelins und Monster, tolle Licht und Schatteneffekte und liebevoll gestaltete Charaktere runden das Gesamtpaket stimmig ab. Leider kommen wir nun auch zum größten Kritikpunkt von Anthem, die Rede ist von den teils schwerwiegenden Bugs.

Auf der einen Seite steht die zuvor erwähnte KI der Gegner und auf der anderen fehlerhafte Trigger die das Abschließen einer Mission einfach nicht möglich machen. Speziell bei der ersten Festungs-Mission haben wir satte 4 Anläufe gebraucht, bis das Spiel erkannt hat, dass wir sämtliche Aufgaben schon längst erledigt haben. Doch das war noch nicht alles, denn das haarsträubendste an Anthem sind die extremen Ladezeiten – und von denen gibt es mehr als der gesunde Menschenverstand aushält. Zwar sind diese auf dem PC mit einer M2 SSD halbwegs erträglich (Spitzenwert 35 Sekunden) aber auf den Konsolen können sie schon mehrere Minuten dauern. Ui ui ui…

Anthem spaltet die Community, das steht ausser Frage. Kaum ein anderes Spiel erzeugt in den sozialen Medien so eine gewaltige Kluft zwischen Lieben und Hassen wie der Loot-Shooter aus dem Hause EA/BioWare. Doch woran liegt das? Anthem ist ja grundsätzlich absolut kein schlechtes Spiel, dennoch gibt es einige Leute die sich von dem Spiel im vorhinein einfach mehr erwartet hatten. Wo BioWare drauf steht, muss wohl auch ein Rollenspiel drinnen sein, oder? Nun ja, das sehe ich anders, denn jedem Entwicklungsstudio steht es frei, den Kurs zu ändern und mal was Neues auszuprobieren. Das haben bereits dutzende Entwickler vorgemacht und ernteten weit weniger Kritik als in diesem Fall BioWare. Klar hätte man aus der Story mehr machen können, sicherlich hätte man die Missionsabläufe weniger stupide planen können, aber wenn man sich auf das wesentliche konzentriert, dass Anthem nun mal ist, erlebt man einen soliden Loot-Shooter der sich Dank einer vielversprechenden Roadmap definitiv im Markt etablieren kann. Wer also seine Erwartungshaltung vom Rollenspiel wegbewegen kann, der bekommt mit Anthem einen bombastischen Shooter serviert der trotz teils schwerwiegender Bugs für zahlreiche Stunden Spielspaß sorgen kann.

PRO

  • Schöne Spielwelt
  • Brachiale Kämpfe
  • Javelin Steuerung
  • Zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten
  • Astreine Präsentation
  • Multiplayer

KONTRA

  • Stupide Abläufe
  • Story nur Mittel zum Zweck
  • Dialog-Entscheidungen ohne Auswirkungen
  • Gravierende Bugs
8

Grandios

Gameplay - 7.7
Grafik - 8.7
Sound - 8.1
Inhalt - 7.5
Atmosphäre - 8.2
Das Thema Gaming begeistert mich schon seit meiner Kindheit. Als Gründer von AustriaGaming habe ich die Möglichkeit mein Hobby zu vertiefen und eine Gaming-Community in Österreich aufzubauen. Neben Steak und Pommes habe ich auch gerne knackige Games auf dem Tablett serviert, die mich bis tief in die Nacht vor dem Bildschirm fesseln.

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Manuel SchmidtThomasGodGamer Aktuelle Kommentatoren
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Also ich muss schon sagen, das Spiel gefällt mir sehr gut. Genau wie der Redakteur geschrieben hat, bin ich ohne großartige Erwartungen rein gegangen und siehe da – ich wurde positiv überrascht.

Thomas
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Thomas
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Da bin ich absolut deiner Meinung. Macht wirklich Spaß, aber die Bugs nerven mich ohne Ende! 🙂

GodGamer
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Ja stimmt, hatte heute wieder Probleme mit dem Server. Bin in eine Festung rein und kurz vor dem Endboss – Zack – Verbindung weg! Natürlich nichts kassiert 🙁

Thomas
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Thomas
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Das hoffe ich auch! Ist aber in der Zwischenzeit etwas besser geworden, gefühlt zumindest 🙂

Thomas
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Thomas
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Der heutige Patch hat bei mir zumindest einiges repariert 🙂 Ich kann jetzt zumindest einige Missionen abschließen, was vorher nicht ging.

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Bei mir läufts bis auf die nervigen Ruckler auch mittlerweile ganz gut. Aber die Perfomance…. 🙁

GodGamer
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Du bist der Beste, danke für die Info. Brachte bei mir +10 FPS. Irgendwelche anderen Tipps? 🙂