Assassin’s Creed: Origins | Test

Assassin´s Creed: Origins erkämpft sich dank der kompletten Überarbeitung und den erweiterten Rollenspiel-Elementen den Titel "Bester Teil der Serie"

Oh, welch ein Wunder. Die Assassin’s Creed Reihe geht in eine neue Runde und sendet uns mit Hilfe des Animus wieder zurück in die Vergangenheit, um dort in die Rolle eines längst verstorbenen Assassinen zu schlüpfen und dessen Geschichte zu erleben. So weit so gut, doch diesmal ist etwas anders. Nicht nur das zwischen dem Vorgänger und dem neuesten Ableger Assassin’s Creed: Origins nun gut zwei Jahre Pause liegen, nein, es spielt sich auch komplett anders. Warum? Vielleicht wollen die Entwickler passend zum Namen zurück zum Ursprung oder sie haben auf die zahlreichen Kritikpunkte von der Community gehört um eine kreative Wiedergeburt der beliebten Serie auf unsere Bildschirme zu knallen. In unserem Test klären wir warum der Relaunch außerordentlich gut funktioniert und warum sich eine Reise ins alte Ägypten definitiv lohnt.

Assassins Creed: Origins - Test

Bekannte Serie aber absolut neues Spielgefühl!

 

Das alte Ägypten lädt zum Entdecken ein

Die Assassin’s Creed Reihe erblickte 2007 zum ersten mal das Licht der Welt. Dann ging es Schlag auf Schlag und jedes Jahr erschien ein neuer Teil und dieser sendete uns immer wieder an neue Orte unserer Vergangenheit. Klar, die Story hinter den Assassins Creed Teilen ist frei erfunden, aber mal erfuhren wir mehr mal weniger über das dortige Leben und das eine oder andere Detail blieb in unseren Köpfen hängen. In Assassin’s Creed: Origins schlüpfen wir in die Rolle von Medjai (einem Hüter Ägyptens, dessen persönliche Geschichte zur Gründung der Assassinen-Bruderschaft führen wird) Bayek der im alten Ägypten, genauer gesagt im Zeitalter von Cleopatra, lebt. Doch wie zu erwarten sehen wir uns nicht nur die Kultur und Sehenswürdigkeiten an, sondern werden direkt zu Beginn des Spiels mit einem Schicksalsschlag konfrontiert.

Bayeks geliebter Sohn wurde nämlich von abtrünnigen Priestern eiskalt getötet und kurzerhand entwickelt sich die Story in einen blutrünstigen Rachefeldzug quer durch das alte Ägypten. Von Alexandria über das Nil-Delta bis hin zu Gizeh & Memphis, kein Ort ist mehr vor uns sicher und die Bewohner erzittern vor unserem Anblick. Apropos Schauplätze, was uns Assassin’s Creed: Origins hier auf den Latz knallt ist ein absolutes Meisterwerk und dabei noch eine wahre Kunst. Man erkennt die Liebe zum Detail in jedem Winkel der zahlreichen Orte und in jedem Gebäude, sei es ein Palast oder nur eine einfache Lehmhütte, hier drin steckt die historische Arbeit von zwei Jahrhunderten Forschung. Ein Lob an die Entwickler, das ist virtuelle Archäologie auf höchstem Niveau. Um die teils großen Entfernungen elegant und sicher zurücklegen zu können, reisen wir entweder zu Fuss, per Boot oder auf den Rücken eines Pferdes oder Kamels.

Fluch und Segen

Abseits unseres Rachefeldzuges dürfen bzw. müssen wir in gewohnter Manier zahlreiche Nebenaufgaben erledigen. Diese reichen von klassischen Mordaufträgen bis zu spektakuläre Befreiungsaktionen. Leider sind diese Missionen mal mehr oder weniger aufregend und das Spiel wird dadurch künstlich in die Länge gezogen. Wo ein Fluch da auch ein Segen, das trifft bei Assassin’s Creed: Origins wohl am besten zu. Denn das Levelsystem ist absolut motivierend, bringt aber den lästigen Nebeneffekt mit, dass wir die Hauptstory nicht in einem Zug durchspielen können, da die aufeinanderfolgenden Quests häufig unser aktuelles Level überschreiten. Eine kleine Info vorweg, versucht es nicht einmal mit Level 7 in ein Level 15 Gebiet einzudringen, Ihr werdet es schnell bereuen 🙂

So sind wir gezwungen die zahlreichen Nebenaufgaben zu erledigen, nur um das nötige Level für die nächste Hauptstory-Quest zu erreichen, um später zu erkennen dass diese schnell zum lästigen Anhängsel werden. Doch durch das Leveln werden wir nicht nur Stärker und geübter, nein wir schalten zudem auch noch zahlreiche Fähigkeiten frei, die uns die nächste Aufgabe erleichtern. Unsere Fähigkeiten sind dabei in verschiedene Talentbäume (Jäger, Krieger, Seher) mit jeweils 18 verschieden Skills aufgeteilt. Der Jäger-Talentbaum verbessert vorrangig den Umgang mit dem Bogen, der Krieger-Talentbaum den Umgang mit der Nahkampfwaffe und der Seher-Talentbaum lässt uns Fähigkeiten erlernen, welche uns länger unter Wasser bleiben lassen oder die Gesundheitsregeneration im Kampf erhöhen.

Ein Held muss Kämpfen

Wer sich im alten Ägypten behaupten möchte, der muss also mit Schwert, Schild und Bogen umgehen können. Assassin’s Creed: Origins nimmt sich dieser Thematik an und das Kampfsystem wurde nicht nur verbessert, sondern von Grund auf neu entwickelt. Leichte oder harte Schläge, Ausweichen, Blocken oder Parieren, Bayek hat so ziemlich alle Tricks auf Lager und dank der Entfernung der automatischen Konter, sind die Kämpfe nun endlich authentisch und teilweise richtig fordernd. Ein wildes rumgehüpfe ist somit Geschichte und die angelegte Ausrüstung wirkt sich grundlegend auf das Kampfverhalten aus. Schilde sind nun wirklich Schilde, Zweihandwaffen machen richtig Schaden, brauchen aber elends lange zum Schwingen und kleine Dolche hauen nur so rein, dass der Gegner nicht mal mehr zum Blocken kommt! Klingt perfekt, ist es aber leider nicht. Speziell dann wenn man mehreren Gegnern gegenüber steht, wird das hin und her wechseln des anvisierten Gegners zur Aufgabe und das Kampfsystem stellt sich selber ein Bein in die Quere. Auch wenn das Kampfsystem nicht perfekt ist, ist es dennoch ein Schritt in die richtige Richtung und macht zudem auch tierisch Spaß!

Aber wie entdecken wir eigentlich unsere Gegner. Auf der einen Seite können wir uns natürlich lautlos ins Zielgebiet schleichen und hoch oben von den Dächern Ausschau nach unserem Zielobjekt halten, aber komfortabler ist die Hilfe von unserem Adler Senu. Senu ersetzt das aus den Vorgängern bekannte Adlerauge und kann jederzeit in jedem Gebiet eingesetzt werden. Mit Hilfe des stattlichen Vogels markieren wir nicht nur unsere Ziele, sondern auch wertvolle Rohstoffe die wir für die Verbesserung unserer Ausrüstung benötigen. Doch dabei bleibt es nicht, selbst den Adler dürfen wir neue Fähigkeiten beibringen und schnell entpuppt sich Senu als treuer Begleiter der nicht nur unser Auge von oben ist, sondern auch Gegner angreifen kann. Apropos Rohstoffe. Um an die wertvollen Gegenstände zu gelangen, jagen wir entweder klassisch ein paar Tierchen (Krokos, Löwen, etc.) überfallen Nachschubtransporte oder zerlegen nicht gebrauchte Gegenstände in unserem Inventar.

Endlich mehr Rollenspiel

Die ganzen Neuerungen sind zwar ganz nett aber die NEUERUNG welche dem Spiel am meisten gut tut, sind die erweiterten Rollenspielelemente. Das Levelsystem haben wir ja bereits beschrieben, doch wie bereits bei zahlreichen Genre-Kollegen bekannt, dürfen wir uns zusätzlich endlich auf Gegenstände freuen, die über individuelle Werte und teilweise auch Spezialfähigkeiten verfügen, welche man aufleveln und verbessern kann. Diese Gegenstände reichen dabei von gewöhnlich, über selten, episch bis legendär und können neben den besiegten Gegnern auch in verborgenen Schätzen gefunden werden.

 

Loot vs. Mikrotransaktionen

Wie ihr bereits wisst, müssen wir unseren Namen gerecht werden und auch Assassin’s Creed: Origins kritisch unter die Lupe nehmen. Leider finden sich auch bei dem neuesten Ableger einige Kritikpunkte die wir nicht unkommentiert lassen können. Speziell die PC Version hat stets mit technischen Problemen zu kämpfen. Surround-Headsets führen zu starken Soundproblemen, welche nur durch das komplette deaktivieren und erneutes aktivieren der Wiedergabegeräte unter Windows behoben werden können. Nebenbei gesellen sich auch hin und wieder ein paar Frameraten-Einbrüche und kleinere Grafikfehler hinzu. Doch diese “Problemchen” wurden bereits adressiert und ein Patch wurde bereits nachgeliefert und ein weiterer soll in kürze folgen. Dennoch bleibt ein weiterer Kritikpunkt übrig, bei dem auch kein Patch helfen kann. Die implementierten Mikrotransaktionen!

Das Thema Lootboxen ist nicht neu und wird weltweit bei den unterschiedlichsten Spielen mehr oder weniger gut aufgenommen. Während man bei den meisten Vollpreisspielen “nur” optische Veränderungen per Echtgeld erwerben kann, gibt es dennoch immer wieder “Ausreißer” die durch die Investition hart verdienter Euroleins einen entscheidenden Vorteil gegenüber andere bieten. Bei Multiplayer-Games ein Frustfaktor hoch 10! Assassin’s Creed: Origins bietet diese Vorteile zwar auch, aber da es ein Singleplayerspiel ist, wirkt sich das ganze nicht fatal aus. Was wer mit seinem Geld macht, das bleibt einem ganz alleine über, wenn es nicht auf Kosten anderer passiert und das tut es bei Origins definitiv nicht. Dennoch bleibt der bittere Nachgeschmack “Mikrotransaktionen” übrig. Wir können aber an dieser Stelle Entwarnung geben, denn es hört sich im Endeffekt schlimmer an als es schlussendlich dann ist. Die sogenannten Lootboxen (Hekta-Truhen) können ausschließlich mit der InGame-Währung den Drachmen erworben werden. Diese Truhen kosten 3000 Drachmen und enthalten jeweils ein geheimes Item. 3000 Drachmen klingt zunächst viel, ist es eigentlich auch, wenn man bedenkt von einem überwältigten Gegner lootet man in der Regel nur wenige Drachmen, aber wer sein Hab und Gut gezielt verkauft, kommt dem Traum Hekta Truhe mit großen Schritten entgegen. Wer eher weniger sparsam und auch noch ungeduldig ist, der kann sich Drachmen gegen Echtgeld eintauschen. Mehr ist es nicht, ganz einfach!

Optisches Meisterwerk

Wie bereits erwähnt, sehen die Schauplätze von Origins absolut bombastisch aus. Doch nicht nur das alte Ägypten spielt auf höchstem Niveau, sondern auch die Haupt-Charaktere, die lebendige Tierwelt, Waffen und Ausrüstungsgegenstände sehen absolut grandios aus. Leider zieht sich dieser Faden nicht komplett durch das ganze Spiel, denn speziell bei den Passanten finden wir die Detailverliebtheit teilweise nicht wieder. Doch seien wir uns mal ehrlich, wer sieht sich schon die Passanten an, wenn ein riesiger Palast in voller Pracht nur darauf wartet erkundet zu werden? Dennoch hätten sich die Entwickler eventuell noch ein paar Monate mehr Zeit lassen sollen, denn Assassin’s Creed: Origins kämpft leider doch sehr häufig mit mehr oder wenig starken Grafikfehlern. Mal schweben Ratten oder Spinnen in der Gegend rum, mal ist es der Loot der in nicht greifbarer Höhe schwebt oder wir laufen einfach durch Passanten hindurch ohne eine Kollision wahrzunehmen. Diese Fehler trüben zwar nicht zwingend den Spielspaß, dennoch sind sie Grund genug um aus der grandiosen Atmosphäre kurzzeitig herausgerissen zu werden. Schade!

Assassin’s Creed: Origins kehrt zum Ursprung zurück und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die überdurchschnittliche Pause und die Überarbeitung der Serie macht sich an allen Ecken und Kanten bemerkbar und ermöglicht dem Spiel dadurch die lang ersehnte Abwechslung. Gekoppelt mit einem absolut fantastischem alten Ägypten, glaubwürdigen Charakteren, mehr oder weniger fesselnder Story und erweiterten Rollenspiel-Elementen, machen Assassin’s Creed: Origins zum absolut besten Teil der Serie. Dennoch hätten dem Spiel ein paar zusätzliche Monate Feinschliff gut getan, um die doch häufigen Grafik und Kollisions-Fehler zu bereinigen. Trotzdem bleibt schlussendlich nur eines zu sagen: Fans der Serie müssen definitiv zugreifen und alle anderen Spieler sollten einen Blick ins alte Ägypten auf jeden Fall wagen.

PRO

  • Virtuelles archäologisches Meisterwerk
  • Rollenspiel-Elemente
  • Zahlreiche Aufgaben
  • Große Open World
  • Grandiose Optik
  • Kampfsystem

KONTRA

  • Zahlreiche kleinere Grafikfehler
  • Gravierende Soundbugs
  • Kampfsystem
  • Nebenaufgaben etwas lasch
8.5

Grandios

Gameplay - 8.5
Grafik - 9.1
Sound - 7.6
Inhalt - 8.3
Atmosphäre - 9.2
Das Thema Gaming begeistert mich schon seit meiner Kindheit. Als Gründer von AustriaGaming habe ich die Möglichkeit mein Hobby zu vertiefen und eine Gaming-Community in Österreich aufzubauen. Neben Steak und Pommes habe ich auch gerne knackige Games auf dem Tablett serviert, die mich bis tief in die Nacht vor dem Bildschirm fesseln.

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