Batman: The Enemy Within | Test

Auch das zweite Telltale-Adventure des Dark Knight ist spannend, gelungen inszeniert und treibt den Helden einmal mehr an seine Grenzen.

Die Adventures von Telltale braucht man wohl nicht lange vorstellen. Vor allem PS Plus Mitglieder sollten zumindest einen der zahlreichen Teile bereits als Gratis-Titel gespielt haben. Mittlerweile ist die Palette riesig. Von adaptierten Klassikern wie Sam & Max und Monkey Island über Comic-Adaptionen wie The Walking Dead und The Wolf Among Us bis hin zu Kino-Schlagern der Marke Guardians Of The Galaxy oder Back To The Future, hat die Schmiede der modernen Adventures schon so manch Franchise mit spannender Story versehen. Nun bekommt auch der Dark Knight mit Batman: The Enemy Within schon seinen zweiten Auftritt im Telltale Universum. Wie sich der Superheld in unserem Test schlägt, lest Ihr wie immer hier im Anschluss.

Batman: The Enemy Within - Test

In diesem letzten Kapitel von dem preisgekrönten Studio hinter Batman – The Telltale Series werden sowohl Bruce Wayne als auch Batman in prekäre neue Rollen gezwungen.

 

Das etwas andere Point & Click Adventure

Wer in Monkey Island, Day Of The Tentacle, Baphomets Fluch und wie sie nicht alle heißen stundenlang gerätselt hat und nun ein Telltale Adventure antesten will, der muss sich schon stark umorientieren. Rätsel sind hier minimal, die Spiellänge meist auf gut 8-10 Stunden reduziert und im Vordergrund steht eine spannende Story, in der man selbst Entscheidungen treffen darf und somit den Fortschritt beeinflussen kann. Dabei ist alles eher Story-getrieben und weniger nach dem Gameplay orientiert, denn wie auch schon bei Heavy Rain oder Beyond: Two Souls handelt es sich primär um einen interaktiven Film, oder besser Serie, da die Spiele stets mit Abständen in fünf Episoden erscheinen. Grafisch ist alles beim alten, im schicken und für die Story passenden, sehr düsteren Cel-Shading Look.

The greatest Detective in the World

Grundsätzlich spielen sich die Adventures stets ähnlich. Man steuert einen oder mehrere Charaktere – im Falle von Batman nur den dunklen Rächer selbst, bzw. dessen Alter Ego Bruce Wayne (in manchen Situationen darf man auch entscheiden ob man als Superheld oder als Millionär eine Lösung angeht) und bestreitet diverse interaktive Dialoge, trifft Entscheidungen, besteht in Action-Sequenzen – Quick-Time Events oder löst kleinere Rätsel. Als Superhelden-Detektiv gibt es hier eine kleine Änderung zu den anderen Adventures. Tatorte werden gescannt und Hinweise können gefunden und kombiniert werden, um herauszufinden was vorgefallen ist. Mehr gibt es auch nicht zu tun. Ein kleiner Wiederspielwert ist dadurch gegeben, dass man diverse Parts durch Entscheidungen gar nicht sieht, bzw. andere Lösungswege geht.

Kampf an mehreren Fronten

Nun zur Geschichte. Einmal mehr muss Batman an mehreren Fronten für Gotham kämpfen. Kaum hat Bruce Wayne seine Reputation aus dem ersten Teil wiederhergestellt und sich von den Kämpfen gegen Two-Face, Lady Arkahm und dem Pinguin erholt, droht neues Unheil. Gemeinsam mit Commissioner Gordon wirft sich Batman nun in den Kampf gegen den Riddler, der einst noch vor der Zeit von Batman in Gotham als erster maskierter Verbrecher sein Unwesen trieb. Doch bald wird klar, dass der verrückte Rätselmeister, der Batman sogleich schwere Verluste, sowohl physisch als auch psychisch zufügt, nicht allein operiert. Auch die Superschurken Bane, Freezer und Harley Quinn stecken hier unter einer Decke. Die einzige Chance für Batman, der auch noch von der sogenannten Agency unter Druck gesetzt wird, sich als Wayne bei den Bösewichten über seinen in Arkahm kennengelernten „Freund“ John Doe, der niemand geringeres als der Joker ist, einzuschleusen. Und das alles passiert bereits in den ersten beiden Episoden. Aber auch weitere alte Feinde und Verbündete treten später auf den Plan und verlangen vom dunklen Rächer alles ab, aber dazu will ich natürlich nichts spoilern.

 

Entscheidungen, Entscheidungen, Entscheidungen

Immer wieder steht man vor schwierigen Entscheidungen, doch nie ist eine wirklich richtig oder falsch, denn alles hat Konsequenzen. Ruft man in einer brenzligen Situation die Agency und nicht Gordon an, ist dieser angepisst und zweifelt an eurem Vertrauen, meldet man sich hingegen bei ihm, setzt einem Waller, Cheffin der Agency weiter unter Druck und droht sogar Batmans Geheimnisse Publik zu machen. Wie sich die Allgemeinheit der anderen Spieler entschieden hat, sieht man jeweils an einer interessanten Statistik am Ende einer Episode. Oft hängen sogar Leben von den Entscheidungen des Spielers ab. Gewisse Ausgänge kann man aber natürlich nicht beeinflussen. Oftmals wirkt es halt dann doch wie eine kleine Mogelpackung. Kann man in einer Situation das Leben eines Charakters retten und muss dafür ein anderes opfern, so ist klar, dass der zweite oftmals auch bald das zeitliche Segnet oder nicht mehr großartig vorkommt, weil man sonst die Geschichte mit zwei kompletten Storysträngen schreiben müsste und je mehr solcher Situationen kommen, umso komplexe würde es werden und die Entwickler bald vor der Aufgabe stehen gleich 20 oder mehr Geschichten zu erzählen.

Dazu kommt bei Batman, dass man hier nicht wirklich frei entschieden kann, da ein gewisser John Doe, den Wayne/Batman im ersten Teil kennenlernt sofort für den Spieler als Joker erkennbar ist, oder der Spieler als Kinofan von The Dark Knight natürlich auch schon weiß, was unweigerlich aus Bürgermeister-Kandidaten und Freund Harvey Dent wird, egal wie man mit ihm umgeht. Das ließe sich mit neuen und bisher unbekannten Schurken natürlich vermeiden, gefährdet aber den Fanservice. Mit Lady Arkham hat das im ersten Teil aber wunderbar funktioniert. Da es die Helden und Schurken mittlerweile in den Comics in zahlreichen Reinkarnationen gibt, ist es auch nicht immer leicht die Fans zufrieden zu stellen. Warum Bane, der eigentlich Batman physisch und auch mental weit voraus sein sollte, hier als stupider Prügler, der sich quasi unter die verrückte Quinn stellt, dargestellt wird, ist mir zum Beispiel schleierhaft.

Ein nettes Feature, ist die Möglichkeit mit Freunden das Adventure zu erleben und via Handy die Antworten und Entscheidungen kollektiv abzustimmen.

Die Telltale Adventures haben nicht viel Anspruch, machen aber auch heute noch Spaß. Die Vielseitigkeit, die eingangs erwähnt wurde, lässt auch zu, dass hier eigentlich fast jeder etwas für sich finden wird. Nach Game Of Thrones und dem ersten Walking Dead gehören die Batman-Teile bisher zu meinen Favoriten und ich bin gespannt worauf sich die Adventure-Schmiede in Zukunft stürtzt und eventuell noch ein paar Innovationen ins leicht angestaubte Gameplay bringt. Fans von Telltale werden nicht enttäuscht werden. Wer eine weitere spannende Story des berühmtesten DC-Helden erleben möchte, ist hier auch an der richtigen Adresse.

PRO

  • Spannende Story
  • Gut gezeichnete Charaktere
  • Fanservice
  • Zahlreiche Superschurken
  • Starker Soundtrack

KONTRA

  • Altbekanntes Gameplay
  • Kaum Neuerungen
  • Wenig fordernd
7.4

Spielenswert

Gameplay - 7.7
Grafik - 8
Sound - 7.2
Inhalt - 8.1
Atmosphäre - 6.2
Heavy Music, schnelle Bikes und Sport sowieso – da ich auch im Jahre des Herren 1986 geboren wurde und da auch der NES in Europa das Licht erblickte, war die Konsequenz des Zockens logisch. Da ich auch an verbaler Inkontinenz leide, sind PixelCritics sowie earshot.at perfekte Orte um mein Interesse am Journalismus auszuleben.