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Dragon Quest Heroes 2 | Test

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Schlecht ausgearbeitete Kombination aus RPG, Taktik und 90er-Jahre-Anime mit grauenhaften Super Mario Sound!

Super Mario meets Anime meets Final Fantasy? Diese irrwitzige Kombination wurde im dem Titel Dragon Quest Heroes 2 gebündelt und für euch aktuell auf Disc für die Konsolenwelt freigegeben. Metzelt euch durch riesige Areale und Scharren von Gegnern, um die Welt vor einem drohenden Krieg zu bewahren. Ob sich die Ausnahmekombination auf der Spieleplattform behaupten kann, erfahrt ihr im nachfolgenden Review. 

Dragon Quest Heroes 2 Review Header

Dragon Quest Heroes 2 bietet alles was das Anime- und RPG-Herz begehrt, birgt jedoch ein großes ABER in sich.

 

2 Schwerter, 6 Protagonisten und 1 lahme Geschichte

Kurzum stürzen wir uns in das vermeintlich nächste Superhelden-Epos auf der Konsole. Controller in die Hand, Lüfter auf Maximum und Energydrink in Reichweite – schon kann es losgehen. Ohne den Vorgänger zu kennen, hatte ich zunächst hohe und innovative Erwartungen an Dragon Quest Heroes 2. Endlich mal eine Abwechslung des bisher altbekannten RPG-Genres, welches sich bereits seit mehreren Jahren in einer digitalen Einbahnstraße mit wenig Kurven und in den seltensten Fällen mit Holpersteinen (im positiven Sinne) befindet. Zunächst beginnt Dragon Quest Heroes 2 altbekannt – man bekommt ein wenig der Geschichte zu spüren und wählt (jedoch nur prophylaktisch) aus zwei verschiedenen Charakteren aus: Rafael und Resa. Mal zur Abwechslung nicht Geschwister, sondern Cousin und Cousine. Ja, werte Square Enix, ich sehe was ihr da getan habt! Endlich mal eine andere Familienkonstellation als bisher … Vielen Dank! Die anfängliche Auswahl ist jedoch nur zum Schein, da man im späteren Spielverlauf ohnehin alle spielbaren Charaktere steuern kann, worunter auch die Cousine bzw. Cousin fallen. Die Charakterauswahl zu Beginn ist somit obsolet.

Als männlicher Vertreter der Familie stürzen wir uns gleich mit zwei Schwertern bewaffnet in den Kampf. Geschichtlich wird dies dadurch begründet, dass mehrere Reiche einer Welt wieder einmal überraschend im Clinch stehen. Werte Square Enix: Dafür bekommt ihr sogar fünf statt der üblichen drei kommentarlosen Punkte: ….. Eine andere Art der Story-Einleitung wäre einmal schön gewesen. Nichtsdestotrotz stellen wir uns erhobenen Hauptes der ersten Gegnermasse. Und wenn ich Gegnermasse schreibe, dann meine ich das auch so. Die Entwickler werfen euch die Gegner regelrecht hinterher in diesem Spiel. Von der ersten Schlacht bis zur letzten sind die Gegnermassen massiv in der Überzahl, was auch schwach wirkende Gegner im Verbund durchaus gefährlich macht.

Nach den ersten niedergemetzelten Heerscharen wird uns bewusst, dass es mit dem Frieden wohl nichts mehr wird. Prompt werden wir von unserem König gebeten in der Nachbarortschaft nachzuforschen, warum denn plötzlich kein Interesse mehr an einem fröhlichen Nebeneinander besteht. Innerhalb einer kleinen Gruppe machen wir uns daher auf, um dem Nachbar-König Rede und Antwort abzuverlangen. Nichts Neues. Kennen wir schon aus unseren unruhigen RPG-Schläfchen.

 

Taktik & Buttonmashen

Der tatsächlich innovative Kern des Spiels besteht in der Mischung aus Taktik und Buttonmashen oder zumindest dem Wunsch danach. Diesen Spagat haben nämlich in der Vergangenheit bereits andere Spiele à la Destiny Warrior versucht. Die vermeintliche Kombination von Taktikgeschick und klassischen Rollenspielelementen könnte schwerer nicht sein und hat bereits viele Spieleentwickler neben Nerven auch bares Geld gekostet. Dragon Quest Heroes 2 versucht diese Schere über das wohlbekannte Prinzip des Buttonmashens zu schließen. Seid gewiss, dass die jeweilige Angriffstaste eures Controllers ernsthaft Leid erfahren wird, denn in den gewaltigen Schlachten gibt es nur eine Devise: Mashed was das Zeug und das Material hergibt! Es besteht die Möglichkeit zu Beginn des Spiels zwischen einer einfachen und einer taktischen Steuerung auszuwählen: Bei der einfachen Steuerung werden euch die Kombos quasi auf den Daumen gelegt. Im taktischen Stil müsst ihr hingegen die Kombinationen aus zwei unterschiedlichen Tasten selbst kreieren. Macht das Heilkraut zwar nicht fett, aber immerhin.

Neben den offenen Schlachten in den Wildnis-Zonen, wo kaum bis gar keine Taktik einfließen muss, existieren auch noch Boss-Kämpfe und Schlachten welche durchaus euer Strategie-Bewusstsein aktivieren. In einigen Endkämpfen kommen nämlich die Gegner Welle für Welle aus mehreren Portalen gehüpft und wollen auch ans wohlgeformte Rüstungsleder. Die Gegner sind witzig abwechslungsreich bis hin zu absurd und verleihen dem ganzen Gegner-Getümmel einen abwechslungsreichen Charakter. Je nach Karte können die riesigen Gegnermassen ein strategisches Vorgehen erzwingen, da man sonst den üblicherweise stoßweisen Gegnern nicht Herr wird. Humpelt dazu noch ein König auf der Map herum, welcher vor den Gegnern geschützt werden muss, wird die Sache umso spannender. Um die Portale zu schließen muss man den kleinen aber doch zähen Wächter niederringen. Ob man nun das besagte Portal schließt oder doch dem rufenden König am anderen Ende der Karte zur Hilfe eilt, wird in diesem Spiel als taktische Entscheidung verstanden.

Eine für mich interessante Idee ist die Einbringung von Monstermedaillen, welche vom jeweiligen Monster nach Besiegung wahlweise hinterlassen werden. Sammelt man diese auf, kann man sie zu jedem beliebigen Kampfzeitpunkt aktivieren. Dazu gibt es drei unterschiedliche Kategorien: Befindet sich das Monster in der Kategorie Wachposten ruft man nach Aktivierung das besagt Monster auf den Schirm, welches euch tatkräftig unterstützt. Nach Ableben des Monsters ist es nun tatsächlich begraben. Die Hilfeleister-Kategorie beschwört das Monster, welches einen bestimmten Angriff oder Aktion durchführt und anschließend wieder verschwindet. Das Prinzip kennen wir bereits aus der Final Fantasy Reihe. Sogenannte Modellmonster können als Gestalt angenommen werden. Sprich ihr verwandelt euch für eine gewisse Zeit in das ausgewählte Monster und kämpft mit dessen Fähigkeiten. Allerdings habt ihr im Inventar nur Platz für eine gewisse Anzahl an derartigen Medaillen. Diese können leider nicht gesammelt werden und müssen nach Aufnahme im gleichen Areal verbraucht werden. Hier hätte man eine witzige Sammelkomponente einbauen können. So ist es leider nur ein kleiner Gimmick.

Was nun? Dragon Ball oder doch Final Fantasy?

Stilistisch fühle ich mich in die guten alten 90er Jahre Animes, wie zum Beispiel Dragon Ball, zurückversetzt. Der schwere Anime-Stil ist kaum zu übersehen. Sogar die Frisuren und die Gesichtsformen sind annähernd abgekupfert. Square Enix hat hier kein Blatt vor das Gesicht gehalten um den Stil von damals zu kopieren. Wer bereits damals stilistisch hochbegeistert war, wird es auch bei Dragon Quest Heroes 2 sein. Charakteristisch für derartige Animes ist auch der übereifrige Hauptheld, welcher selbst vor dem obersten König sein Herz auf der Zunge hat und immer gut gelaunt ist. Da gibt es noch die brave Anverwandte, das immer hungrige Kind, der etwas dickliche ältere Herr und eine beinharte Kämpferin. Alle Klischees aus allzeitbekannten Animes, die es jemals gab und geben wird, sind bedient. Das ist zwar nichts Neues, muss aber (wenn es gefällt) nicht schlecht sein. Ich habe für mich erkannt, dass ich definitiv aus der Dragon Ball Ära herausgewachsen bin.

In dieser knallbunten und Alt-Anime-stilistischen Spielwelt sind die restlichen RPG-Komponenten ebenfalls altbekannt. Man levelt, vergibt Talentpunkte und sammelt was das Zeug hält. Gebiet für Gebiet, Bossgegner für Bossgegner und Stadt für Stadt. Wir rüsten unsere Charaktere aus und kaufen Ihnen schicke Klamotten am entsprechenden Geschäft in der Stadt. Ach, ihr kennt das ja schon. Nichts Neues hier im RPG-Westen. Lediglich der leichte Anhauch von Taktik in den Bossschlachten und die Tatsache, dass diese zumeist in mehreren darauffolgenden Schlachten stattfinden sind der einzige Unterschied zu bekannten RPG-Titanen im aktuellen Spieleregal.

Einzig und allein möchte ich noch die soundtechnische Untermalung von Dragon Quest Heroes 2 ansprechen. Ihr habt in der Einleitung sicherlich die Anspielung von Super Mario nicht überlesen. Diese Anspielung spiegelt sich exakt im Sound wieder. Als hätte Square Enix die Tonspur eines N64 Super Mario Titels ausgeschnitten und digital eingefügt. Kurz gesagt: grauenhaft! Auch wenn es in Ansätzen zum Optischen des Spiels passen könnte, erwarte ich jederzeit im Spiel, dass Mario aus dem Gebüsch hervorspringt drei Gegner per Kopfsprung vernichtet und in einer grünen Röhre verschwindet. Ich musste den Fernseher nach wenigen Minuten auf stumm stellen um dies zu ertragen. Schade, da die englische Sprachausgabe eigentlich sehr gelungen ist.

 

Das war wohl nichts! Dragon Quest Heroes 2 erschüttert mich leider ein wenig als alteingesessenen RPG-Fan. Als Abwechslung zu altbekannten und kaum innovativen Titel dient der Nachfolger des mäßig erfolgreichen Spieles allemal, begeistert jedoch kaum auf lange Zeit gesehen. Das Schlachtgetümmel ist anfänglich neuwertig, verliert jedoch durch einfaches Buttonmashen schnell an Belustigung. Zweifelsohne ist die Welt von Dragon Quest Heroes 2 sehr schön und liebevoll aufgesetzt. Jedoch muss man aufrichtiger Fan von älteren Animes sein, um den dargebotenen Stil auf Dauer durchzustehen. Ich habe für mich erkannt, dass ich aus der Dragon Ball Ära herausgewachsen bin und somit für diesen Titel leider keine Verwendung finde. Der taktische Anteil des Spiels hält sich bedingt in Grenzen und nervt eher als er Abwechslung bietet. Abgesehen von meiner persönlich Abneigung des gebotenen Stiles bietet Dragon Quest Heroes 2 alles was das Anime- und RPG-Herz begehrt. Die bewährten Zutaten sind vorhanden. Der abartig unpassende Super Mario Sound hätte jedoch nicht sein müssen. 

PRO

  • Massiv angelegte Schlachten
  • 90er-Jahre Anime-Stil
  • Kleinere Taktikkomponenten

KONTRA

  • Langweilige Geschichte
  • Eintöniges Buttonsmashen
  • Fehlender geschichtlicher Tiefgang
  • Unhandliche Steuerung
6.2

Ausbaufähig

Gameplay - 6
Grafik - 7
Sound - 5
Inhalt - 6
Atmosphäre - 7
Seitdem ich zum ersten Mal einen Controller in der Hand hielt wusste ich, dass dies eine Freundschaft fürs Leben wird. Bis heute ist der digitale Sport für mich fixer Bestandteil meiner Freizeit. Mit AustriaGaming ist er sogar zum Teil zur Berufung geworden. Favorisierte Spiele sind für mich aus dem Genre Horror, SciFi und RPG mit viel geschichtlichem Tiefgang. Gerade innovative und alternative Games ziehen mich öfters in den Bann.

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