Kingdom Come: Deliverance | Test

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Kingdom Come: Deliverance entführt uns auf eine fesselnde Reise quer durch eine authentische Spielwelt im schönen Mittelalter, steht sich dabei aber leider immer wieder selbst im Weg.

Egal ob man es beruflich macht oder nur als Hobby sieht, so ziemlich jeder Mensch gräbt gerne in der Vergangenheit und interessiert sich über den Verlauf der Menschheit. Von der Steinzeit über das alte Ägypten bis hin zur römischen Kaiserzeit, diese Epochen waren definitiv sehr pompös, aber auch das Mittelalter hatte so einiges zu bieten. Der Verlust der Technologien, die imposanten Burgen und Bauwerke, die Schlachten der Ritter und die  Gesellschafts- und Wirtschaftsform “Feudalismus” prägten dieses Zeitalter. Keine Frage, unsere Vergangenheit ist nicht nur sehr interessant, nein, auch immer mehr Spieleentwickler erkennen den Reiz. Auch das kleine tschechische Entwicklerstudio WarHorse, welches 2011 von Dan Vávra (Mafia und Mafia 2) gegründet wurde, möchte nun mit dem Rollenspiel Kingdom Come: Deliverance, einer riesigen Open World (angesiedelt in Böhmen) und einer authentischen Geschichte für Aufsehen sorgen. Gut 5 Jahre nach der Ankündigung und eine extrem erfolgreiche Kickstarter Kampagne später, steht Kingdom Come: Deliverance nun in unserer Redaktion und wartet darauf uns ins Jahr 1403 zu entführen. Ob sich eine Reise ins Mittelalter lohnt, lest Ihr wie immer hier bei uns.

Kingdom Come: Deliverance - Test

In Kingdom Come: Deliverance schlüpfen wir in die Rolle eines gewöhnlichen Jungen, der sich im Laufe der Zeit durch verschiedene Heldentaten einen Namen macht.

 

Eine atemberaubende Welt ganz ohne Drachen

Böhmen – Im Herzen Europas gelegen, ist das Gebiet reich an Kultur, Silber und imposanten Burgen. Der Tod seines geliebten Herrschers Karl des IV, stürzte das Königreich in dunkle Zeiten: Krieg, Korruption und Zwietracht zerklüften dieses Juwel des Heiligen Römischen Reiches. Wenzel, einer von Karls Söhnen, wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Im Gegensatz zu seinem Vater ist er ein naiver, maßloser und wenig ambitiöser Monarch. Sigismund der Rote Fuchs – Wenzels Halbbruder und König von Ungarn – wittert dessen Schwäche. Gute Absichten vortäuschend reist Sigismund nach Böhmen und entführt seinen Halbbruder. Ohne König ist Böhmen Sigismund ausgeliefert, der das Reich auf seinen Raubzügen plündert und sich dessen Schätzen bemächtigt. Inmitten dieses Chaos schlüpfen wir in die Rolle von Heinrich, den Sohn eines Schmieds. Unser friedliches Leben nimmt ein jähes Ende als eine Horde Söldner – angeheuert von König Sigismund selbst – unser geliebtes Dorf niederbrennt. Durch glückliche Umstände sind wir einer der wenigen Überlebenden dieses Massakers. Unseres Zuhause, unserer Familie und unserer Zukunft beraubt, enden wir im Dienste von Herrn Radzig Kobyla, der einen Widerstand gegen die Invasoren formiert. Vom Schicksal in diesen blutigen Bürgerkrieg hineingezogen, kämpfen wir um die Zukunft Böhmens.

Wie wir sehen, basiert Kingdom Come: Deliverance auf einer absolut glaubhaften Geschichte, welche durchaus ohne Monster, Drachen oder andere fiktive Wesen auskommt. Auch die Charaktere haben dabei keine speziellen Fähigkeiten. Es gibt keine Zauberer, keine Hexenmeister, keine Paladine auch keine Werwölfe oder andere Klassen und Rassen, nein, in Kingdom Come: Deliverance schlüpfen wir in die Rolle eines einfachen Jungen, der nach den Tod seiner Eltern nicht nur mit den Tränen, sondern auch mit Allfälliges aus dem Mittelalter zu kämpfen hat. In Egoperspektive durchstreifen wir einen ca. 16 Quadratkilometer großen Landstrich südöstlich von Prag. Das Landschaftsbild: Malerische Hügellandschaften, dichte Wälder, kleine Dörfer, größere Städte und atemberaubende Burgen. Genretypisch erledigen wir auf unserer Reise zahlreiche Haupt und Nebenquests. So müssen wir auf die Jagd gehen um dem Gerber neue Felle zu besorgen, arbeiten als Stadtwache, treiben Handel und vertiefen unsere Beziehung mit den grandiosen Nebenfiguren. Speziell bei der ca. 40 stündigen Hauptstory gelingt den Entwicklern eine absolut dichte Atmosphäre, da wir das feudale Leben des Mittelalters in sämtlichen Bereichen erkunden dürfen. Kein Bereich bleibt dabei unerschlossen, wir lernen einzelne Berufsgruppen (Bäcker, Jäger, Wirte, etc.) kennen, erkunden Steinbrüche und Minen oder Duellieren uns im Hinterhof. Dabei immer im Blick unsere Sattheitsanzeige, Ausdauer und Energie. Richtig gelesen, in Kingdom Come: Deliverance müssen wir Schlafen, Rasten und Essen um erfolgreich ans Ziel zu kommen. Auch wenn das alles sehr umfangreich ist und einen für zahlreiche Stunden vor dem Bildschirm fesselt, fehlt es der Story dennoch an Tiefgang. Diese fesselt zwar und holt einen emotional ab, aber wir hätten uns etwas mehr gewünscht. Speziell aus diesem Grund, da Kingdom Come: Deliverance ein Story-getriebenes Rollenspiel ist und abseits der Story und Hauptquests eher weniger zu bieten hat.

 

Das feudale Leben

In Kingdom Come: Deliverance ist die Welt nicht nur wunderschön, sie steckt auch voller Leben. An allen Ecken treffen wir NPC´s welche ihren Alltag nachgehen, Kühe, Schweine und Schafe schmücken die Bauernhöfe und Hunde bewachen das Hab und Gut von deren Besitzer. Aber nicht nur das, denn die Entwickler gehen einen Schritt weiter und simulieren anhand von optischen Eindrücken den Umgang mit der Spielwelt. Sind wir mal Schmutzig oder kommen wir in Lumpen, wollen einige Leute nichts mit uns zu tun haben, tragen wir jedoch eine aufpolierte Plattenrüstung so werden wir von unserem Gegenüber mit Respekt behandelt. Das System geht aber noch einen Schritt weiter, haben wir zb. nach einem Kampf auch noch Blutspritzer auf unseren Gewändern schüchtern wir manche NPC´s gewaltig ein, da wir eine gewisse Gefahr ausstrahlen. Wollen wir das nicht, waschen wir unsere Kleidung und der Effekt macht sich auf einer anderen Seite bemerkbar, denn die NPC´s würdigen die saubere Kleidung. Absolut großartig, denn das ganze funktioniert grundsätzlich ganz gut und es ist auch unglaublich immersiv.

Apropos Kleidung, der Realismus zieht sich auch in dieser Kategorie wie eine roter Faden durch das Spiel, denn uns stehen nicht nur zahlreiche einzelne Rüstungsteile zur Verfügung, nein, wir dürfen diese auch noch in mehreren Schichten kombinieren. So tragen wir zb. über dem Kettenhelm noch einen Schal der etwas Farbe ins Spiel bringt. Auch unsere Loot-Freunde kommen bei Kingdom Come: Deliverance voll auf Ihre Kosten, denn die Entwickler spendieren uns eine unglaubliche Anzahl an sammelbaren Items die wir zb. zu Essen oder Tränke verarbeiten. Wer genügend Proviant hat, der verkauft die Materialien, alte Rüstungen, Waffen oder Sonstiges einfach beim Händler seines Vertrauens um an das “wichtige” Kleingeld zu kommen. Das hart erwirtschaftete Kleingeld investieren wir entweder in neue Ausrüstung, bestechen diverse NPC´s oder zahlen unsere Strafen, wenn wir mal den kleinen Strolch in uns rausgelassen haben. Können wir die Strafe mal nicht bezahlen bleibt nur noch der Kerker oder Kampf und genau hier kommen wir zu einem weiteren Highlight – das Kampfsystem.

 

Helden wollen Kämpfen

Die wichtigsten Kern-Features im Kampfsystem von Kingdom Come: Deliverance sind die Trefferzonen und die Auswahl der Schlagrichtung: Du kannst dabei auf den Kopf, die Schultern und Arme sowie auf die Beine zielen. Jedes Körperteil ist einzeln verwundbar. Die Richtung selbst bestimmen wir anhand des Sternsymbols, welches beim Anvisieren eines Gegners erscheint. Aber wer angreift muss sich auch verteidigen! Um nicht frühzeitig das Zeitliche zu segnen, blocken wir die Schläge unserer Widersacher mit der Waffe oder unserem Schild, oder weichen per getimten Seitwärtsschritt ganz einfach aus. Hört sich jetzt einfach an, aber das Ganze kostet wertvolle Ausdauer und man sollte nicht wie wild auf der Tastatur oder am Controller herumdrücken. Wir müssen den Gegner ständig beobachten und auf dessen Bewegungen reagieren um Treffer auf eine eventuelle Schwachstelle zu landen. Eine wichtige Rolle beim effektiven Angreifen spielt außerdem der Rüstungstyp, den der Gegner trägt: Körperstellen mit leichter oder ganz ohne Rüstung verwundet man mit scharfen Waffen am besten. Gegen Ketten- und Plattenrüstungen richten sie aber gar nichts aus – hier benötigt man schwere stumpfe Waffen wie Hämmer, Äxte oder Streitkolben.

Von Nichts kommt Nichts!

Kein Meister ist bis jetzt vom Himmel gefallen. Genau das spiegelt Kingdom Come auf eine charmante Art und Weise wieder. Denn man kann zwar vieles machen, aber eben von Beginn an nichts perfekt. Skills erlernen wir per Ausführung der jeweiligen Aktion. Das Sammeln von Pflanzen verbessert die Pflanzenkunde, durch Kämpfe wird man stärker und durch viele Gespräche verbessert man die Redekunst. Besser Skills vereinfachen natürlich das Leben! So sind wir zb. geschickter im Umgang mit dem Bogen, schalten zusätzliche Kombos im Nahkampf frei oder überreden NPC´s durch geschickten Einsatz unserer Stimme. Einfach grandios…

Ein ambitioniertes Projekt

Wer sich bis jetzt alles im Detail durchgelesen hat, erkennt relativ schnell, dass Kingdom Come: Deliverance groß ist, wenn nicht sogar sehr groß. Und genau hier schleicht sich auch das große Aber ein! WarHorse ist ein verhältnismäßig kleines Studio und auch nach 5 Jahren Entwicklungszeit hat wohl die Zeit nicht wirklich dazu gereicht dem ambitionierten Projekt “Herr” zu werden, denn das Spiel hat an allen Ecken und Kanten mit zahlreichen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Diese Fehler sind teilweise so grob, dass sie nicht nur nach einiger Zeit frusten, sondern auch noch das komplette Spielerlebnis zerstören. Speziell die zahlreichen Questbugs die teilweise das weiterkommen verhindern, sind sehr sehr ärgerlich. An der anderen Stelle betreten wir zb. einen Raum und können diesen nicht mehr verlassen, da wir die Tür durch die wir reingekommen sind, in Gegenrichtung nicht mehr passieren können. Da hilft nur noch ein Laden des letzten Spielstandes!

 

Genau bei diesem Punkt kommen wir zum nächsten Manko, denn Kingdom Come: Deliverance verzichtet gänzlich auf eine Schnellspeicher-Funktion und ein Speichern ist nur durch Schlafen (Bett) oder durch das trinken eines sogenannten Retterschnaps möglich. Letzterer ist aber sehr teuer und nicht jeder Händler hat diesen im Sortiment. Da sind die ständig aufpoppenden Texturen und die extrem fehlerhafte Lippensynchro eher ein geringeres Problem. Gruselig wird es aber auf den Konsolen, wenn es im Inneren eines Hauses regnet, obwohl draußen die Sonne scheint. Des Weiteren ist speziell die PS4 Version von zahlreichen Abstürzen betroffen. Aber das Ganze bekommt in Form eines Day-One noch einen weiteren bitteren Nachgeschmack! Dieser Patch umfasst satte 21GB und behebt gerade einmal das nötigste um das Spiel grundsätzlich bis zum Ende spielen zu können. Weitere Punkte möchte das Entwicklerteam erst in 2 Wochen mit einem weiteren Patch in Angriff nehmen. Klar verstehen wir das WarHorse das Spiel in den Handel bringen wollte, da Zeit gleich Geld ist, aber in diesem Stadium wäre eine Releaseverschiebung mit Sicherheit die besser Variante gewesen.

Als ich vor 5 Jahren die Ankündigung von Kingdom Come: Deliverance gelesen und eine erfolgreiche Kickstarter Kampagne gesehen habe, war ich Feuer und Flamme. Das Spiel traf mit dem Setting, den Features und der Story genau meinen Geschmack und selten habe ich mich so extrem auf ein Spiel gefreut. Weitere Gameplay-Videos ließen meine Vorfreude ins unermessliche steigen. Am 13.02.2018 war es dann endlich so weit und Kingdom Come: Deliverance traf in unserer Redaktion ein. Nachdem ich den üppigen Day-One-Patch heruntergeladen und installiert hatte, stürzte ich mich sofort ins Abenteuer und war kurz darauf begeistert. Speziell der Beginn der Story mit den grandiosen Zwischensequenzen fesselt einem vor den Bildschirm wie kein anderes Spiel. Hinzu kommt die wundervolle Landschaft voll mit NPC´s, Burgen, Dörfer und absolut grandiosen Wäldern.

Doch leider stellte sich schon nach kurzer Zeit die Ernüchterung ein, denn das Spiel kämpft grundsätzlich am meisten mit sich selbst. Grobe Fehler führen nicht nur zu Frust, sondern zerstören auf brachiale Art und Weise die sonst gelungene Immersion. Am härtesten trifft es dabei die Konsolen, denn diese hätten in dem derzeitigen Zustand wohl nicht erscheinen dürfen und speziell die PS4 Version hat ständig mit Abstürzen zu kämpfen. Dennoch ist ein Lichtblick in Sicht, da die Entwickler bereits einen weiteren großen Patch angekündigt haben. Wer aber über die Fehler hinwegsehen kann, der erlebt in Kingdom Come: Deliverance eine Reise durch ein glaubwürdiges Mittelalter, welche es bis Dato noch nie gegeben hatte.

PRO

  • Gute Story
  • Grandioses Setting
  • Viele Items
  • Wunderschöne, authentische Welt
  • Tolle Charaktere
  • Ausrüstungssystem

KONTRA

  • Sehr viele Grafikfehler
  • Speichersystem
  • Schlösser knacken sehr mühsam
  • Schwankender Schwierigkeitsgrad
8.2

Grandios

Gameplay - 7.2
Grafik - 7.7
Sound - 8.4
Inhalt - 8.5
Atmosphäre - 9
Das Thema Gaming begeistert mich schon seit meiner Kindheit. Als Gründer von AustriaGaming habe ich die Möglichkeit mein Hobby zu vertiefen und eine Gaming-Community in Österreich aufzubauen. Neben Steak und Pommes habe ich auch gerne knackige Games auf dem Tablett serviert, die mich bis tief in die Nacht vor dem Bildschirm fesseln.

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