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Landwirtschafts-Simulator 22 | Test

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Der Landwirtschafts Simulator 22 überzeugt mit einer breiten Palette an Inhalten, hinkt technisch aber anderen Titel hinterher.

Endlich können wir uns wieder auf schwere Traktoren schwingen, Felder bestellen und das Ergebnis der Ernte gegen unseren wohlverdienten Lohn verkaufen. Der Landwirtschafts-Simulator 22 von Giants Software ist seit 22. November verfügbar und Fans der Serie wissen, dass man in dieser Sim nicht nur den Ackerbau betreiben, sondern auch Tierzucht oder die Forstwirtschaft erkunden kann. Neu dieses Jahr sind auch die im Spiel umgesetzten Jahreszeiten und die damit verknüpften Herausforderungen wie der Wintereinbruch. Das Spiel hat sehr vieles gut gemacht, vor allem in Punkto Umfang konnte der LS22 einige Punkte abräumen. Leider hinkt das Game immer noch bei einigen wichtigen Faktoren nach. Ob Giants Software mit dem neuesten Ableger der Reihe ein Hit gelungen ist oder ob es am Ende dann doch an den kleinen Kinderkrankheiten scheitert, klären wir jetzt. 

Landwirtschafts-Simulator 22: Test

Mehr als 400 Maschinen und Geräte von über 100 realen landwirtschaftlichen Herstellern

 

Gleich vorweg, wer ein actiongeladenes Spiel mit einer Menge Quests und Aufgaben, welche euch das Game vorgibt, sucht, ist hier leider fehl am Platz. LS22 ist durch und durch eine Landwirtschafts-Simulation, welche auch genau das liefern möchte. Punkt. Dieses Jahr fahren die Entwickler natürlich wieder schwere Geschütze auf, um das Spiel für alteingesessene Veteranen und natürlich auch für Neulinge interessant zu gestalten. Dies versuchen die Entwickler zu erreichen, indem sie eine Menge neuer Lizenzen für Fahrzeuge auf den Tisch legen, neue Früchte und Tiere implementieren und drei wunderschöne Karten geformt haben. Die Maps hören auf den Namen Elm Creek, welches sich in einem US-Staat befindet, Beyleron, einer Stadt in Frankreich und Erlengrad, welches sich in einem uns bekannten Gebiet befindet: den Alpen. An was die Entwickler jedoch nicht gedacht haben, ist ein vernünftiges Tutorial zu implementieren. 

NEU BEI LS22? VIEL GLÜCK

Möchte man den Einsteig in den LS22 wagen, ist man so gut wie auf sich alleine gestellt. Offiziell gibt es zwar ein Tutorial, welches aber nicht mehr als eine kurze Einführung in das Spiel darstellt. Dazu kommt, dass man das Tutorial nur auf den ersten beiden Karten spielen kann, also Beyleron und Elm Creek und auch nur dann, wenn man die einfachste Schwierigkeit wählt. Sollte man diese Kriterien nicht erfüllen, bekommt man lediglich eine lieblose Systemnachricht präsentiert, wie man zu dem eigentlichen Tutorial kommt. Also über einen Neustart. Das Tutorial selbst besteht dann aus dem Ernten von Weizen, Grubbern und eine neue Saat in den Acker streuen. Das wars. Es gibt keine Information über die Vielfalt der Früchte, wie man am besten seine Finanzen auf Vordermann bringt, keine Info über Fahrzeuge, wie man zu diesen kommt, welche Geräte man für welche Art von Anbau benötigt und auch keinerlei Anleitung zur Viehzucht. 

Ich habe das letzte mal den Landwirtschafts-Simulator 17 gespielt und musste mich daher ständig zwischen YouTube, Google und dem Spiel hin- und herbewegen, da ich oft vor Fragen gestanden bin, auf welche mir der LS22 keine Antwort geben konnte. Es kam auch nicht zu selten vor, dass ich Geld ausgegeben habe für eine falsche Maschine, die dann entweder mit meinem Traktor nicht kompatibel war, ich die Maschine dann gar nicht benötigte oder man sich für das falsche Düngemittel entschieden hat und der Düngewagen damit nicht beladen werden konnte. Ingame findet sich zwar ein kleines Tutorial-Menü, welches aber nur ein paar ausgewählte Geräte unter einer bestimmten Kategorie anzeigt. So bekommt man zum Beispiel unter dem Reiter “Pakete” (Erreichbar mit dem Druck auf die Taste P) die Information präsentiert, dass man für Zuckerrohre einen Traktor, eine Zuckerrohrpflanzmaschine, eine Erntemaschine, etwas zum transportieren und natürlich eine Kiste Zuckerrohr selbst für die Sähmaschine benötigt. Wie man nun aber Felder bestellt, diese vorbereitet oder was es sonst noch alles zu tun gibt, verrät das Spiel nicht. Ebenso wenig erhalten wir Informationen darüber, wie die Geräte zu bedienen sind und wie man sie am effektivsten einsetzt. Sehr schade.

DER FUHRPARK

Ich habe für diesen Test die LS22 Version auf dem PC erhalten. Natürlich war ich sehr begierig darauf, die verfügbaren Fahrzeuge zu durchforsten. Aber Moment einmal, wo bekomme ich diese eigentlich her? Natürlich – beim Fahrzeughändler. Also auf einen Traktor geschwungen und hingefahren. Dort angekommen plopt dann aber keine Info auf was man tun soll. Am Ende musste ich fast die gesamte Tastatur einmal durchklicken, bis ich die vorher genannte Taste P gefunden habe. Anfangs dachte ich, man kann nur beim Händler das Kaufmenü aufrufen. Korrekt ist jedoch, dass das Menü mittels P jederzeit geöffnet werden und man von überall aus seine Fahrzeuge und Utensilien erwerben kann. Mit Druck auf die Tabulator-Taste erspart man sich sogar den Marschweg zum neuen Gefährt, denn man kann seinen digitalen Farmer von Fahrzeug zu Fahrzeug warpen lassen. 

Die Auswahl ist dann aber tatsächlich gigantisch. Die Hauptkategorien werden unterteilt in Fahrzeuge, Geräte und Objekte. Seinen eigenen Fuhrpark wiederum kann man über den Reiter gekaufte Gerätschaften begutachten bzw. sollte man sich für die neue Mietoption entschieden haben, findet man die Maschinen unter gemietete Geräte. Die drei Hauptkategorien werden noch einmal unterteilt in Kompakttraktoren, mittelgroße Traktoren, Großtraktoren, LKWs, usw. Man findet sich auch als Neuling sehr schnell mit dem Menü zurecht und weiß mit wenigen Klicks wie das System funktioniert. Die Geräte sehen allesamt interessant aus und können auch schon einmal über 500.000 EUR teuer sein. Kauft man sich dann eine Gerätschaft seiner Wahl, kann man diesen beim erwähnten Händler abholen und in Richtung Acker bewegen. 

Die Liebe zum Detail wurde bei der Landwirtschaft-Simulator Reihe immer schon groß geschrieben. Da wird auch bei LS22 keine Ausnahme gemacht. Sowohl außen als auch innen kann man viel Zeit damit verbringen, sich die riesigen Maschinen anzusehen und zu begutachten. Für wirkliche Sim Fans gibt es natürlich nur die Innenansicht beim Spielen, man kann aber mittels der C-Taste zwischen Innen- und Außenansicht hin- und herwechseln. Dies ist insofern praktisch, sollte man das Spiel nicht zu ernst nehmen, beim Bestellen der Felder, da man sonst sehr schnell einmal Gefahr läuft Stellen zu übersehen. Was aber leider auch beim LS22 wieder furchtbar umgesetzt wurde, obwohl offensichtlich daran gearbeitet wurde, ist die Fahrphysik. 

FURCHTBARE FAHRPHYSIK

Die Fahrzeuge fühlen sich jetzt etwas rumpliger an. Dieses Phänomen merkt man vor allem beim Überfahren der eigenen Felder. Das war es dann aber auch. Die Traktoren und Mähdrescher fahren sich wie Miniatur-Spielzeuge, aber auf keinen Fall wie riesige und schwerfällige Landmaschinen. Das Handling der Fahrzeuge ist zu arcade-lastig und auch die Kollisionsphysik ist furchtbar. Ab und zu findet man mal ein Straßenschild welches tatsächlich umgefahren werden kann, aber im Normalfall gewinnt immer die dünne Straßenlaterne gegen die tonnenschwere Landmaschine und man bleibt einfach stecken. Super ärgerlich wird es dann, wie es mir auch passiert ist, wenn man mit dem vollgeladenen Anhänger in Richtung Verkaufsplatz unterwegs ist, plötzlich bei einer Dachkante hängen bleibt und das Gerät nicht mehr auf die Straße bekommt. Natürlich haben die Entwickler eine Option für das zurücksetzten der Fahrzeuge implementiert, aber ratet mal was mit dem schwer erarbeitet Inhalt passiert – richtig, er wird auch zurückgesetzt. 

So schlimm wie das jetzt klingen mag, darf man diese Kritik nicht zu vernichtend betrachten. Spielt man den Sim nämlich so wie es sich gehört, also auf Realismus, fallen diese Problemchen gar nicht auf. Jede Kollision mit einem Objekt hätte ich vermeiden können, hätte ich mich auf den Verkehr konzentriert bzw. hätte ich Kurven achtsamer genommen. Ich habe mir vor dem Verfassen des Berichts auch einige Hardcore-LS22-Spieler auf Twitch angesehen und man kann definitiv diese Spiel auf einem sehr hohen Niveau zocken. So muss man mit LKWs Kurven sehr langsam nehmen, die Seitenspiegel verwenden, um Kollisionen zu vermeiden und die Länge der Gerätschaften miteinkalkulieren. Am Ende ist die Engine zwar nicht die Beste, was zumindest die Fahrphysik betrifft, man kann aber eine Menge Spaß mit den Maschinen haben. Und das für sehr viele Stunden. 

JETZT FAHREN WIR DIE PRODUKTION AN

Wie bereits eingangs erwähnt, gibt einem der LS22 nicht vor, was zu tun ist. Diese Entscheidung muss du für dich selbst treffen. Was gibt es nun aber alles zu tun? Den klassischen Ackerbau kennt man ja bereits von den vorherigen Teilen, darum werde ich hier nicht besonders viel darauf eingehen. Zu wissen gibt es nur, dass mit der Einführung der Jahreszeiten nun auch zu beachten ist, wann man welches Saatgut ansetzt. Keine Sorge, man kann nicht den Fehler begehen und eine Saat auswählen, welche dann im Verlauf des Wachstums zerstört wird. Das Spiel lässt euch von vornherein schon nicht die falsche Saat ansetzten bzw. kann man saisonales Wachstum in dein Einstellungen deaktivieren. Es gibt dann noch die Möglichkeit des Anbaus von Trauben, Oliven, Kartoffeln, Zuckerrüben, Baumwolle und Zuckerrohr. Sollte man mit dem Ackerbau nichts am Hut haben wollen, kann man sich immer noch für das Abholzen von Wäldern entscheiden und entweder direkt den Stamm verkaufen oder aber Hackschnitzel daraus erstellen. Bei vielen Getreidesorten gibt es dann natürlich auch noch die Nebenerzeugnisse aus welchen dann Gras, Heu und Silage erstellt werden kann.

Sehr spannend war für mich die Viehzucht. Um damit zu beginnen muss man als aller erstes die richtigen Bauwerke dafür errichten. Diese findet man ebenso unter jenem Menü, welches man mit dem Tastendruck P erreicht. Hier kann man sich dann durch die Hauptkategorien Gebäude, Produktion, Tiere, Dekoration und Landschaftsbau navigieren. Unter Gebäude findet man allgemeine Bauwerke welche für den hauseigenen Hof benötigt werden. So können Farmhäuser und Garagen errichtet, Silos zum Speichern der Erzeugnisse erworben oder andere Tools wie Container für Diesel und Wasser oder natürlich ein Kercher zum Reinigen der Fahrzeuge gekauft werden. 

Der Produktionsreiter dient vor allem für Gebäude, welche die Erzeugnisse zum Endprodukt umwandeln. Entweder findet man diese bereits vorplatziert in der Welt oder man kann sie selbst errichten. Das Weiterverarbeiten führt natürlich meist zu einem erhöhten Ertrag. Mann kann im Menü jederzeit die Kurse und auch die Saison abhängigen Preisentwicklungen studieren, um immer den maximalen Erlös zu erzielen. 

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Aber genug Blabla. Unter dem Reiter Tiere findet man verschiedenste Anlagen, welche von kleinen eingezäunten Hühnerställen bis zu hochmodernen und mit einem Fütterungsroboter ausgestatteten Kuhställen reicht. Leider gibt uns an dieser Stelle das Spiel wieder keine Tutorials und man muss sich wohl oder übel aufmachen und die weiten des Internets durchforsten. So musste ich erst recherchieren, was es alles benötigt wird um meine Kühe glücklich zu machen, damit sie viel Milch produzieren. Zuerst einmal muss man im neuesten Teil zwischen Milch- und Fleischkühen unterscheiden. Beim Händler sieht man sofort, welche Rasse für welchen Zweck geeignet sind. Für die Milch benötigen wir also entweder Brown-Swiss oder Holstein Kühe. Die Kühe kann man entweder direkt im Kaufmenü erwerben, dann werden die Tiere von selbst in den Stall geliefert mit einem Aufpreis von 40 EUR oder man schafft sich die doch sehr kostspieligen Fahrzeuge an, welche benötigt werden, um das Vieh selbst zu transportieren. Natürlich muss vorab noch ein Stall angeschafft werden. Hier hat man die Auswahl zwischen vier Anlagen: einer einfachen Weide, einem kleinen, mittleren und großen Stall. Die Kapazität der Weide umfasst 15 Kühe, die des kleinen Stall 45 Kühe und der mittlere als auch der große kann 80 Kühe beherbergen. Der Unterschied bei den letzten beiden ist nur jener, dass der Große den bereits angesprochenen Fütterungsroboter integriert bekommen hat. 

Damit unser Vieh dann auch richtig viel Milch produziert, benötigen sie natürlich Futter. Man kann wählen zwischen einer Mischration oder Gras und Heu. Nur bei der Mischration wird eine Effektivität von 100% bei der Produktion erzielt. Bei Heu 80% und bei Gras 40%. Wie bereits im LS19 benötigt man für das Mischen ein eigenes Fahrzeug und zwei Ballen Gras, zwei Ballen Heu und einen Ballen Silage. Der Rest des Inhalts muss mit Mineralfutter aufgefüllt werden. Der große Kuhstall erspart dir das Mischen mittels externen Gerät, hier muss man lediglich die Bestandteile in die dafür vorgesehenen Lager bringen, den Rest erledigt der Roboter. Als Nebenprodukt zur Milch erzeugt der Stall Gülle und sollte man Stroh einstreuen auch Mist. Das sind beides natürliche Dünger für die Felder. 

Der Verkauf gestaltet sich ziemlich einfach. Man muss zu jenen Händler fahren, die noch leere Lager haben und Milch ankaufen können. Sollten diese einmal gefüllt sein, kann passieren dass man seine Milch nicht verkaufen kann. Nun heißt es also selbst Lager anschaffen oder die Milch mit einer der vielen Möglichkeiten weiterverarbeiten. 

GRAFIK & SOUND

Die grafische Umsetzung vom LS22 ist vor allem bei den Fahrzeugen und den Feldern gelungen. Die Detailstufe ist bei den Kolossen sehr hochgehalten und sieht dementsprechend fantastisch aus. Auch das Interior der Landwirtschaftsgeräte lässt sich sehen und man ist fast dazu verleitet, hauptsächlich im First-Person-Modus zu spielen. Die Felder und die verschiedenen Getreidearten sind ebenso ausgezeichnet gestaltet worden. Vor allem wenn es schneit und die Straßen und Felder allesamt angezuckert sind, schaffen es die Entwickler eine wirklich idyllische Landschaft zu präsentieren. Die etwas weiter wegliegenden Berge sehen dafür eher matschig aus. Auch bei den Gebäuden und Straßen wurde gespart, diese weisen kaum Detailstufen auf und wirken teilweise lieblos platziert. Betrachtet man die Größe und den Fokus des Spiels, kann man es auf der einen Seite verstehen, da ich jedoch kaum eine Verbesserung zum LS19 erkennen kann, musste ich diesen Fakt dennoch in die Kritik negativ aufnehmen.

Der Sound wiederum glänzt an allen Ecken. Die mächtigen Geräte hören sich wunderbar an und wäre da nicht das lästige Problem mit der Fahrphysik, könnte man tatsächlich glauben, man sitzt in einem mehrere hundert PS starken Traktor.

FAZIT

PRO

  • Großer Fuhrpark
  • Neue Fruchtarten
  • Liebe zum Detail
  • Weiterverarbeitung von Erzeugnissen

KONTRA

  • Kaum Tutorials
  • Fahrphysik
  • Technik veraltet
7.8

Spielenswert

Gameplay - 8
Grafik - 7
Sound - 7.8
Inhalt - 8.4
Atmosphäre - 8
Ich bin ein Nerd aus Leidenschaft, spiele von Shooter bis hin zu Jump & Run Games und habe ein Herz für schönes Story-Telling. Kann den Hype um Spiele wie Battlefield und Co. nicht verstehen, konnte über ein ganzes Jahr Spielzeit in World of Warcraft erreichen bevor es seinen Reiz verlor. Momentan bin ich auf der Suche nach spannenden und herausfordernden Spielen welche es zu bezwingen gilt!

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