Mutant Year Zero: Road to Eden | Test

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XCOM-Kampfsystem in einer Diablo-Spielmechanik verpackt in einer Welt von The Last of Us! Grandios!

Eine düstere, post-apokalyptische Welt lädt zum Entdecken ein. Stinkende oder mechanisierte Gegner wollen uns daran hindern? HA! Das wir da nicht lachen! Ab an die Nadelpistole und eingepackt die Granaten. Noch den Glückshut auf und auf geht’s! Mutant Year Zero: Road the Eden bietet den Strategen an den Konsolen und PC’s wieder neuen Wind und Spielbrett-Action. Ob der Titel genauso wie die größeren Brüder begeistern kann lest ihr im nachfolgenden Review.

Mutant Year Zero: Road to Eden - Test

XCOM meets The Last of Us meets Diablo. Ein Hop- oder Drop-Rezept der Superlative für Abenteuerlustige und digitale Strategen.

 

Ente-Schwein süß-sauer

Was wie ein komisch-leckeres Gericht auf der chinesischen Speisekarte wirkt, ist in Wahrheit der neue Strategie-Ableger von Publisher Funcom. Jedoch passt die Wortwahl zu Beginn sehr gut als Ersteindruck des Story-Setups in Mutant Year Zero: Road to Eden. Wir schlüpfen in die post-apokalyptische Welt von Dux und Bormin, einer mutierten Ente und einem mutierten Warzenschwein. Was nun jedoch bereits absurd klingt ist allerdings nicht das Absurdeste daran, denn die beiden scheinen (zumindest soweit ich in der Story fortgeschritten bin) die beiden einzigen mutierten Tiere zu sein, die sprechen können. Die restlichen Bewohner des blau-grün verstrahlten Planeten sind nämlich heruntergekommene Menschen, die lediglich versuchen zu überleben. Wieso also genau die Hauptprotagonisten eine menschengroße Ente und ein Warzenschwein sind ist rätselhaft. Meiner Meinung nach hätten zwei menschliche Helden das Spiel um Ecken ernsterer wirken lassen. Nun ja … mir muss nicht alles zugänglich gemacht werden. Akzeptiert und weiter in der Story.

Wir befinden uns nämlich auf einer wichtigen Mission. Wir sollen für eine der letzten Bastionen der Menschheit, die sogenannte Arche, einen oder besser gesagt DEN verschwundenen Wissenschaftler Hammon finden. Dieser ist für den Betrieb der Arche und dessen Stromversorgung unerlässlich und vor geraumer Zeit mit einigen Mitstreitern aus der Arche aufgebrochen und nicht mehr retour gekommen. Also packen wir unsere sieben Sachen und machen uns ins Ödland auf diesen zu suchen. An dessen Haus, an abgestürzten Metallvögel und schwimmenden Engel suchen wir nach Hinweisen und finden immer wieder einen Brotkrumen von Hammon … Dieser scheint energisch auf der Suche zu sein … nach der Erlösung … nach einem sicheren Ort … namens Eden.

Leider wird uns dieser Weg durch diverse Ödlandbewohner verstellt, welche uns nach dem (Schweine-) Leder und den Federn trachten. Da hilft nur hochvolumiges Blei und andere Hilfsmittel zur Bekämpfung!

 

Wo ist nur dieser Hammon?

Mutant Year Zero: Road to Eden hat für mich die Erscheinung eines Dreiergemischs: Diablo, The Last of Us und XCOM. Wieso diese Rezeptur absurd und genial zugleich wirkt verrate ich euch in den aufkommenden Absätzen:

*Nostalgieflash 1* Diablo-Verehrer kennen das Phänomen sicherlich. Man betritt einen neuen Kartenabschnitt und das erste was man macht? Richtig! Man weicht vom offensichtlichen Weg vor einem ab und läuft am Rand des Abschnittes entlang um dessen Grenzen, Ein- und Ausgänge aufzudecken! Gerade in Teil 2 der namhaften Spieleserie wurde diese Strategie von mir (und hoffentlich nicht nur von mir) gerne ausgeführt um schnell einen Überblick über das Bevorstehende zu haben. Exakt die gleiche Strategie habe ich mir in Mutant Year Zero: Road to Eden angewöhnt. Ähnlich wie in berühmten Hack’n’Slay-Spielen steuern wir unsere Protagonisten von der Schrägoben-Ansicht frei über den Kartenabschnitt. Dabei gilt es möglich schnell den Überblick zu bekommen. Wo lauern Gegner, wo ist der nächste Ein-/Ausgang und wie ist die Map aufgebaut. Dies ist wichtig, wie es im nächsten Absatz näher erklärt wird … oh guck mal! Eine Truhe am Rande der Map gefunden! Jichaaa!

*Nostalgieflash 2* The Last of Us war und ist immer noch ein großartiges Spiel, wegen dessen atem(-be-)raubender Atmosphäre und Umgebungsgestaltung. Natürlich übertrifft Mutant Year Zero: Road to Eden dieses Meisterwerk nicht (wütender Mob beruhigt). Es kommt aber verdammt nahe ran und es fängt den Geist der post-apokalyptischen Atmosphäre bestens ein! Zerstörte Ruinen alter Gebäude, überwucherte Autowracks, Leichenpaare die auf traurige Geschichten vermuten lassen und schaurig-schöne Schauplätze welche die ganze Vielfalt der Apokalypse einfängt, in der wir uns virtuell befinden. Toll gemacht! Wir sammeln auf der Map hier und da entsprechende Schrottgegenstände, Artefakte oder Notizen ein, welche uns helfen unser Inventar aufzubessern, uns neue Gegenstände und Fertigkeiten bescheren oder einfach nur klasse am Kopf aussehen. Dem Sucherinstinkt ist ordentlich Nahrung geboten. Grafisch lässt der Titel ebenfalls nichts zu wünschen übrig! Detailreiche Welt und verspielt-verliebte Ideen sind hier mit eingeflossen. Einzig und allein die Flüssigkeit ist manchmal nicht die beste (PS4). Klasse was die Jungs und Mädels aus der Unreal-Engine rausgeholt haben!

*Nostalgieflash 3* XCOM war eines der meistgespielten Spiele meines Leben. Selten hat mich ein Spiel dermaßen mit Spielstunden in dessen Bann gezogen. Im kleineren Umfang passiert mir dies auch in Mutant Year Zero: Road to Eden. Nachdem man sich nämlich in der Schrägansicht frei bewegen konnte, kann man jederzeit durch Knopfdruck in den Strategiemodus springen und kurzerhand befinden man sich ähnlich/gleich wie in XCOM in der taktischen Spielbrett-Variante … GENIAL GEMACHT! Dieses Feature hätte XCOM definitiv aufgewertet. Man erkundet die Welt, postiert seine Spielfiguren nahe zum Gegner-Gelage und springt danach in den Spielbrettmodus um dieses auszunehmen. Gerät man in den Sichtbereich der Gegner, welcher in der freien Welt andauernd angezeigt wird, wird der Kampfmodus erzwungen. Schleicht man sich lautlos und ungesehen heran, kann man sich weiterhin ungesehen im Taktikmodus annähern oder gar umpostieren um eine andere Strategie zu verfolgen. Idealerweise warten man zu bis sich Gegnergruppen zerstreuen oder einzelne Feinde von der Gruppe abseilen, um diese getrennt und lautlos ranzunehmen. Klasse, oder?

Vor den Toren zu Eden … oder doch nicht?

Die oben beschriebenen Absätze erläutern grob die Spielmechanik von Mutant Year Zero: Road to Eden. Der Titel bietet jedoch neben dem bereits überragenden Konzept sehr viel Tiefe. So können zum Beispiel die gefundenen Schrottteile in Eden gegen neue Waffen, Rüstungen oder Mods an den Waffen eingetauscht werden. Wir können Waffen verschrotten oder zwischen den Charakteren hin und her wechseln. Jeder Charakter kann insgesamt zwei Waffen aufnehmen und diverse Rüstungsteile tragen, die verschiedene Boni, Stärken und Schwächen aufweisen können. Zugegebenermaßen könnte es etwas mehr sein aber so werden einem noch mehr taktische Möglichkeiten geboten.

Besondere Artefakte wie z.B. ein Fernseher oder ein Defibrillator können wir am Schwarzmarkt gegen einmalige Perks eintauschen. So laufen wir weiter, leiser oder erlangen speziell einsetzbare Fertigkeiten. Apropos Fertigkeiten: Diese sogenannten Mutationen können durch Erfahrung und Level-Up der einzelnen Charakter ebenfalls im Kampf helfen. Jeder Charakter besitzt eigene für Ihn besondere Fertigkeiten. So kann Bormin durch Wände auf Gegner zustürmen und diese ausschalten und Dux wachsen Flügel, mit denen er kurzzeitig fliegen kann. Die Idee die Fertigkeiten als Mutation zu tarnen gefällt mir ausgesprochen gut und passt ins Gesamtbild.

 

Nun zum Negativen Part. Mutant Year Zero: Road to Eden hat sich nicht nur die Kampfmechanik von XCOM abgeschaut, sondern auch dessen Schwierigkeitsgrad. Stellenweise ist man wirklich am Verzweifeln. Gerade zu Beginn, wo Ausrüstung, Charaktere und Gruppengröße in den Kinderschuhen steckt ist das Spiel verdammt hart. Hohe Gegnerzahlen und dessen Fertigkeiten wirken zu Beginn sehr fordern. So kämpft man zu zweit gegen eine Dreiergruppe, wobei ein Gegner jede zweite Runde (!) einen gefallenen Kontrahenten wiederbeleben, einen bis drei Gegner hinzurufen kann und es uns nebenbei noch ein Scharfschütze aus der Ferne besorgt. Gerade zu Beginn ist man durch die fehlenden Alternativen relativ machtlos. Digitale Backen zusammen und auf einen glücklichen Treffer hoffen. Erst im mittleren Spielverlauf, wenn die Ausrüstung aufgestockt ist, 1-2 Teammitglieder mehr zu Verfügung stehen und man bereits Strategien entwickelt hat wird das Spiel annehmbar vom Schwierigkeitsgrad. Jeder der sich noch nicht ausreichend gefordert fühlt kann auch den Extrem – Eisenmutant – Modus wählen. Darin ist der Schwierigkeitsgrad erheblich erhöht, die Charaktere erholen sich nach Kämpfen nicht automatisch und man kann nicht manuell Speichern … Oh Boy!

Leider wirkt auch das mathematische Konzept hinter dem Kampfsystem noch nicht ganz ausgereift! So basiert die Trefferquote und der kritische Schaden auf einem Wahrscheinlichkeitsprinzip. Bei XCOM war dieses recht ausgefeilt und halbwegs ausbalanciert, bei Mutant Year Zero: Road to Eden ist dies leider scheinbar in der Entwicklung zu schnell als fertig deklariert worden. Es gibt beim Treffen leider nur die Chancen 25%, 50%, 75% und 100%. Und selbst bei 75% sieht man (meiner Meinung nach) zu oft den Stinkefinger der Programmierer (oder ich hatte einfach nur Pech). Eine kleinere Abstufung in den Wahrscheinlichkeitssprüngen täte dem Spiel außerordentlich gut! So ist man in der Strategie doch deutlich eingeschränkt. Für 75% muss man quasi offen hinter oder neben dem Gegner oder erhöht auf einem Vorsprung stehen. Ansonsten ist das Treffen fast immer eine 50-50-Chance.

Weiters könnten die Charaktere etwas tiefgründiger sein und deren Geschichte … wie soll ich sagen … etwas tragischer. Oder bin ich noch von The Last of Us „verwöhnt“? Auch egal. Wie zu Beginn erwähnt, passt es mir persönlich auch wenig in den Kragen, dass wir Schwein und Ente durch die Post-Apokalypse bewegen … in einer doch sehr realistischen Welt … Scheinbar hatten die Entwickler zu oft Ente Sezuan oder Schwein süß-sauer bei der Entwicklung. Und damit schließt sich der Kreis und dieses Review.

Bis auf kleinere Macken machen die Entwickler alles richtig! Glückwunsch zu diesem gelungen Titel. Es handelt sich bei Mutant Year Zero: Road to Eden um einen „Nichts-Neues-Neu-Kombiniert“-Titel (Copyright eingetragen) der eine tolle Mischung aus Strategie und Abenteuer ist welcher mit einer düsteren aber schönen Geschichte umwickelt wurde. Langzeitiger Spielspaß durch das Spielkonzept und immer wieder neu angewendeten Strategien zeichnen diesen Titel aus. Heranschleichen, einzeln ausschalten, Kisten suchen, Geschichte aufdecken – so simpel können die Zutaten für ein gelungenes Spiel sein. Mutant Year Zero: Road to Eden enthält alles davon! Wer hätte gedacht, dass die Mischung aus Diablo, The Last of Us und XCOM derartig absurd wie gut passt? Ich nicht. Für mich sollte Mutant Year Zero: Road To Eden in keiner gelungenen Strategie-Spielbibliothek fehlen. Einen größeren, tiefer gehenden und vor allem ausgereifteren zweiten Teil setze ich definitiv dieses Jahr auf meine Weihnachtswunschliste!

PRO

  • Fordernde Strategieaction
  • Toll inszenierte Grafik
  • Durchdachte Geschichte
  • Packende Atmosphäre
  • Langanhaltende Spielmotivation

KONTRA

  • Kleinere Steuerungsmacken
  • Unausgereifte Kampfmechanik
8.6

Grandios

Gameplay - 7.7
Grafik - 8.5
Sound - 8.5
Inhalt - 9.2
Atmosphäre - 9.2
Seitdem ich zum ersten Mal einen Controller in der Hand hielt wusste ich, dass dies eine Freundschaft fürs Leben wird. Bis heute ist der digitale Sport für mich fixer Bestandteil meiner Freizeit. Mit AustriaGaming ist er sogar zum Teil zur Berufung geworden. Favorisierte Spiele sind für mich aus dem Genre Horror, SciFi und RPG mit viel geschichtlichem Tiefgang. Gerade innovative und alternative Games ziehen mich öfters in den Bann.

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