Rare, das Studio hinter GoldenEye 007, Banjo-Kazooie und Sea of Thieves, steht offenbar auf der Abschussliste. Der Chefredakteur des renommierten EDGE Industry Newsletters, Patrick Garratt, schrieb auf Bluesky: „Mir wurde gestern Abend gesagt, dass Rare on the block ist.“ Das ist kein Leak aus dem Reddit-Keller, das ist die Spitze der britischen Spielepresse. In zwei Tagen, am 6. Juli, sollen die größten Entlassungen der Gaming-Geschichte bei Xbox losbrechen – und Rare, 40 Jahre alt, seit 2002 im Microsoft-Besitz, könnte eines der prominentesten Opfer werden.
Rare’s on the block – was EDGEs Chefredakteur wirklich gehört hat
Der EDGE-Newsletter Knowledge, der über Gamingbolt zitiert wird, berichtet, dass Rare von den Kürzungen „betroffen“ sein könnte – Teil einer Welle, die „mehr als 1.000 Stellen“ kosten soll. Garratt wurde später auf Bluesky noch deutlicher: „Rare’s on the block.“ Auf den Kommentar, die Lage sei „düster“, antwortete er knapp: „Es ist alles schrecklich, ja.“
Das allein wäre schon Nachricht genug. Aber Rare ist kein beliebiges Xbox-Studio. Die Entlassungswelle, die am 6. Juli beginnen soll, wurde von Insider George Broussard als „größte einzelne Entlassungswelle in der Geschichte der Spielebranche“ bezeichnet. 435 Jobs allein bei den direkt betroffenen Studios. Wenn Rare auf dieser Liste steht, ist das kein Betriebsunfall – es ist eine strategische Entscheidung.
Everwild gestrichen, Führung weg, Sea of Thieves ausgedünnt – die Vorgeschichte
Dass Rare überhaupt in dieser Lage steckt, hat eine lange Vorgeschichte. Im Juli 2025, vor ziemlich genau einem Jahr, strich Microsoft Everwild – ein Spiel, an dem Rare über ein Jahrzehnt gearbeitet hatte. Gregg Mayles, der Designer hinter Donkey Kong Country und Banjo-Kazooie, verließ das Studio nach 35 Jahren. Laut VGC war Everwild mehrfach komplett neugestartet worden, ohne je eine klare Richtung zu finden.
Louise O’Connor, deren erstes Projekt Conker’s Bad Fur Day war, ging ebenfalls. Wenig später verließ Craig Duncan – ehemaliger Rare-Studioleiter, dann Chef von Xbox Game Studios – das Unternehmen. Wer bei Rare heute noch das Sagen hat, ist eine gute Frage. Sea of Thieves läuft zwar weiter, aber die Content-Updates sind laut dem Gamingbolt-Bericht „längst nicht mehr das, was sie in den ersten Jahren waren.“ Ein Studio ohne Führung, ohne nächstes Spiel, mit einem ausgedünnten Live-Service-Titel – das ist die perfekte Vorlage für den Rotstift.
Obsidian fast verkauft, Meinungswechsel in 24 Stunden, 1.000+ Stellen – das Chaos-Bild
Rares Schicksal hängt auch davon ab, wie chaotisch die Entscheidungsfindung bei Xbox gerade wirklich ist. Jeff Grubb von Giant Bomb berichtete in unserem Artikel zu Marvel’s Blade, dass Obsidian Entertainment an einem Punkt „geschlossen oder verkauft werden sollte“ – bevor die Führung innerhalb von 24 Stunden die Meinung änderte. Ein Studio, das bei Tageslicht gerettet wird, während ein anderes bei Nacht auf die Liste kommt.
Dieses Hin und Her passt zu einem breiteren Bild. Wie unsere Recherche zur Vergeltungskultur zeigt, warnt der ehemalige Halo Art-Director Glenn Israel aktuelle Mitarbeiter davor, irgendetwas zu unterschreiben, bevor sie einen Anwalt konsultiert haben. Xbox-CEO Asha Sharma hat öffentlich von einer „überdehnten“ Studio-Struktur gesprochen, die „neu bewertet werden muss“. Und Bloombergs Jason Schreier fasste es so zusammen: Microsoft bestrafe Studios im Grunde dafür, dass sie frühere Anweisungen des Konzerns befolgt haben.