Red Dead Redemption 2 | Test

Yeeehaaw! Da ist es nun, das meisterwartete Spiel der letzten Jahre – und verdammt nochmal Partner, das teil rockt und bietet die beste Open World, die wir je gesehen haben.

Rockstar Games ist und bleibt der Rockstar unter den Spieleentwicklern. Kaum ein Spiel wie GTA V oder eben nun Read Dead Redemption 2 wurde im Vorfeld so gehyped – und wurde nebenbei auch noch seinem Ruf gerecht. Dass sich die Herren und Damen, die großteils auf der Insel trotzdem ganze fünf Jahre für ein neues Spiel Zeit lassen dürfen und können beweist ja schon das 2013 erschienene GTA V, das erst zwei Jahre später für den PC nachgeschoben wurde und auch für die nächste Konsolengeneration mit aufpolierter Optik sowie dem umfangreichen Multiplayer Modus für Milliarden Umsätze sorgte und damit sogar das komplette Star Wars Franchise in den Schatten stellt. Red Dead Redemption 2 möchte nun an diesem Erfolg anknüpfen, erste Umsatzzahlen sprechen für sich, doch wie sieht es im Langzeittest aus? Das klären wir jetzt…

Red Dead Redemption 2: Test

Red Dead Redemption 2 bietet nicht nur eine grandiose Open World, sondern auch noch eine spannende Story!

 

Der Hypetrain fährt ein

Ganze acht Jahre soll es bereits in Entwicklung gewesen sein und sämtliche Rockstar-Teams dieser Welt (das gar nicht so wenige sind) sollen involviert gewesen sein und teilweise an die 100 Stunden in der Woche gearbeitet haben. Letztere Info sorgte für einen kleinen Shitstorm, tat aber weder Qualität noch den Verkaufszahlen weh, denn nehmen wir es gleich vorne Weg: Red Dead Redemption ist ein “kleines” Meisterwerk. Es gibt zwar bereits negative Stimmen zu Details zu denen wir später noch kommen, aber Kritiker und Fans überschlagen sich vor Euphorie und zücken teilweise sogar Höchstwertungen.

Once Upon A Time In The West

Wer RDR I noch nicht kennt, sollte vielleicht diesen Absatz überspringen, denn RDR II ist quasi ein Prequell und startet elf Jahre vor den Geschehnissen rund um Revolverheld wider Willen John Marsten.

Wir schlüpfen in die Rolle des Gang-Mitglieds Arthur Morgen, der alles andere als ein netter Cowboy ist, denn auch wenn es wieder das Moral-System gibt und man oft entscheiden kann, wie eine Situation behandelt wird, Arthur säuft, spuckt, raucht, pöbelt und prügelt sich am liebsten durch sein Leben. Dennoch kommt einem sofort vieles bekannt vor, denn die Truppe, die seit gewissen Geschehnissen in Blackwater (kennen wir doch woher?) auf der Flucht ist und sich zunächst in den Bergen verschanzt, ist keine Geringere als die Van der Linde Gang, rund um Anführer Dutch, samt Bill Williamson und Javier Escuella, die man bekannter Weise und ebenso gewzwungener Weise als John Marsten aufsuchen und erledigen musste. Somit erfahren wir nun womöglich endlich, warum die Regierung von John das verlangte und wieso die Bande überhaupt in alle Winde zerstreut wurde. Doch das wollen wir hier an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Es sei nur so viel gesagt, dass es Spaß macht John in seinen noch viel jüngeren Jahren indirekt zu begleiten und seine Vergangenheit, wenn auch aus anderer Perspektive, genauer kennen zu lernen. Zunächst plätschert die Story zwar noch so dahin, was vielleicht auch daran liegen mag, dass man doch immer wieder verleitet wird, andere Dinge zu tun, doch bald nimmt die Geschichte echt Fahrt auf und geht teilweise auch tief unter die Haut.

Zunächst lernt man die Bande und dessen aktuell eher schlechtes Schicksal etwas genauer kennen und läuft, bzw. reitet und schießt sich viel mehr durch erste Story-Missionen, die in den ersten 2-3 Stunden etwas schlauchig erscheinen, dem Spieler aber die Grundmechaniken bestens beibringt. Erst dann erschließt sich die riesige Open-World, die die Freiheit des Wilden Westens bestens wiedergibt. Schnell startet Arthur seine Erkundung und pfeift auf zunächst etwas auf die Gang, denn wer will schon eine Lösung für deren Probleme finden, wenn mann doch viel lieber….

 

Unbegrenztes Land, unbegrenzte Möglichkeiten

… pokert, Black-Jack spielt, hilfebedürftigen Passanten hilft (oder auch nicht), Kopfgelder kassiert, Bürger ausraubt, auf die Jagd geht, die Seen leerfischt, sich prügelt oder einfach stundenlang durch die Prärie reitet.

RDR 2 bietet bekannte Mechaniken aus dem ersten Teil und auch GTA V wie die „Fremden Personen“, die einem kleinere oder größere Quests geben. Zufällige Ereignisse peppen die oft sehr langen Erkundungstouren bestens auf und bieten sowohl Möglichkeiten der Geldbeschaffung als auch wirklich lustige Momente, oder wie soll es auch anders sein, Möglichkeiten des Ablebens. So kann es sein, dass eine hilfsbedürftige Dame eigentlich Lockvogel für einen Überfall spielt oder man einem vermeintlich Toten Cowboy sein Geld doch nicht so einfach abnehmen kann. Man kann auch mit so ziemlich jedem Bürger interagieren, diesen einfach Grüßen oder auch Verärgern, was verschiedenste Reaktionen hervorruft und die Welt glaubwürdiger als jede andere macht. Aber Vorsicht, treibt man es zu bunt und lässt sich auch noch erwischen, kann ein Kopfgeld auf dich ausgesetzt werden und je nach Höhe sogar Städte für Arthur vorrübergehend unzugänglich sein und auch Gesetzesvertreter und Kopfgeldjäger Jagd auf hin machen. So kann Arthur auch verhaftet werden, oder man zahlt sein Kopfgeld selber, was gerade zu Beginn verdammt weh tun kann.

Verschiedenste Spiele wie Poker oder Five-Finger Filet fressen auch viel Zeit, motivieren aber ziemlich. Begibt man sich dann doch wieder mal ins Camp zu den 23 Bandmitgliedern, kann man auch in Nebenquests diese besser kennen lernen, ihnen dabei helfen Probleme zu lösen oder einfach Zeit mit ihnen am Lagerfeuer verbringen und ihren Geschichten lauschen. Mit dem verrückten Micah, dem aggressiven Bill oder dem smarten Halb-Indianer Charles, sowie einigen Damen in der Gang, entstehen da interessante Dynamiken, Freundschaften aber auch Auseinandersetzungen.

Reitet man so durch die abwechslungsreiche, detaillierte und wunderschöne Welt von RDR 2 fühlt man sich fast wie in einem Western-Simulator, denn von A nach B zu kommen kann schon viel Zeit in Anspruch nehmen und mit den erwähnten Aktivitäten fühlt man sich oft wirklich wie ein echter Cowboy, denn mir fällt nur wenig ein, was man auch aus Filmen und Geschichten von damals kennt, das man in RDR 2 nicht machen kann.

Details: Fluch oder Segen?

Diese Detailverliebtheit bringt aber auch gewisse „Nachteile“ mit, wenn man diese so sehen will. Bestes Beispiel dafür ist das looten von erledigten Gegnern. Arthur hebt den Toten an und durchsucht seine Taschen. Was beim ersten Mal Jubelrufe im Oberstübchen hervorruft, ist nach einigen Spielstunden dann vielleicht etwas Nervenzerrend. Hat man mal eine ganze Band von 30 Kerlen erledigt, kann das schon einiges an Zeit fressen. Gleiches gilt für das Looten von Gebäuden, die händisch durchsucht werden wollen und dann wird eben alles in die gute alte Westentasche gepackt. Will man Munition, Pfeile oder anderes Zeug craften wird auch das realistisch von Hand am Lagerfeuer gemacht.

Will man mal 20 Steaks braten, na dann bräten man jedes einzeln. Und so geht es weiter. Vor allem in der Jagd wirkt sich das aus, denn während Marsten noch in 2-3 Sekunden ein Tier Off-Screen häutete, nimmt sich Arthur Zeit und schält das Tier in einer gut 10-sekündigen Animation. Sieht geil aus, aber auch verständlich dass dies nach 30 Stunden Spielzeit etwas nervt, vor allem weil das Fell auch noch in der Qualität schlecht sein kann, wenn man das falsche Tier auswählt oder die falsche Waffe verwendet. Außerdem will das Fell noch aufs Pferd gelegt, und dann noch zum Metzger gebracht werden. Und da es Sage und Schreibe 128 verschiedene Tierarten gibt, kann es schon eine Weile dauern, wenn von allen ein perfektes Fell will. Dies ist aber reine Ansichtssache, wer auf Realismus steht, wird diese Spielmechaniken lieben, wer unter Zeitdruck steht, der wohl eher weniger.

Herausforderungen über Herausforderungen

Da kommen wir zum nächsten Zeitvertreib. Es gibt zahlreiche, optionale Herausforderungen wie einige Sammelaufgaben (Zigarettenbilder, Dinosaurierknochen(!?), Traumfänger,… ), gegnerische Bandenverstecke, die ausgeräumt werden wollen, Überfälle, oder einfache Aufgaben wie „Reite von A nach B in gewisser Zeit“, töte 20 Hirsche und so weiter und so fort. Leider kann man diese aber nur mühsam im Menü einsehen und in verschiedenen Kategorien der Reihe nach abarbeiten, was das Ganze etwas mühsam macht, aber durchaus motiviert.

 

Ballern, raufen und reiten

Nun zum eigentlichen Gameplay, denn da hat sich kaum was zum Vorgänger geändert. In 3 verschiedenen Third-Person Ansichten oder der First-Person Ansicht erkunden wir die Welt und ballern uns durch Gegnerscharen zu Fuß, von der Kutsche, vom Pferd, oder auch vom Zug – an Abwechslung mangelt es sowieso nicht, da sämtliche Missionen durchdacht und variantenreich angelegt sind – und wir dürfen wieder das Dead-Eye (eine Art Bullet-Time) verwenden, Duelle bestreiten und eben looten, looten, looten.

Leben, Ausdauer und Dead-Eye haben eine etwas eigenwillige Eigenschaft. Es gibt die aktuelle Anzeige und den Kern. Anhand der Ausdauer: die können wir nutzen bis der normale Balken leer ist, sinkt danach aber auch der Kern, geht es Arthur schlechter so lädt sich die Ausdauer selbst langsamer auf und schränkt ihn generell in seinem Tun ein. Dafür gibt es aber dann Medizin oder Speisen, doch Vorsicht, will man beispielsweise Dead-Eye aufladen, dann kann man natürlich eine Zigarre rauchen, die aber dem Kern der Ausdauer schadet. Und isst man zu viel oder zu wenig wird der Held Unter- oder Übergewichtig was sich auch auf Ausdauer und Leben auswirkt. Außerdem steigert man die Werte mit der Zeit. Läuft man viel, steigt der Grundwert der Ausdauer, beim Schwimmen noch schneller, erzielt man viele Headshots oder geht Jagen, gibt´s Dead-Eye und so weiter. Zudem muss Arthur sich auch weiter um seine Gesundheit sorgen, sich rasieren, zum Friseur und auch oft dringend mal in die Badewanne, denn sonst kann es sein, dass die stinkende Penner-Version des Revolverhelden schnurstracks aus dem Saloon fliegt. Noch dazu gibt es zahlreiche Outfits und Kleidung, die man sich vom Trapper aus erlegten Tierfellen basteln lassen kann.

Seine Missionen bekommt man hauptsächlich von Bandenkollegen, die meist auch gleich mitmischen. An das Missionsziel führt einen ein Kollege oder es wird mit einem Punkt auf der Karte markiert, die Entwickler empfehlen aber sogar die Karte auszublenden und nur einen Kompass zu verwenden. Dann hat man aber dennoch die Möglichkeit, entweder die große Weltkarte oder die Mini-Map kurz einzublenden. Sollte das mal weiter weg liegen bringt euch ein kleine Cut-Scene manchmal etwas schneller dort hin. Abseits der Missionen kann man gerne auch die Kutsche verwenden, sein Pferd, das man stundenlang zum besten Freund aufgepäppelt, gefüttert, gestriegelt und gestreichelt hat, folgt einem dann aber auch so. Dafür gibts dann auch gerne mal eine Möhre oder einen neuen, schicken Sattel. Aber Vorsicht, scheidet euer Jolly-Jumper dahin, ist und bleibt er auch weg und man darf sich ein neues Pferd einfangen, ein neues Kaufen oder eventuell aus dem Stall ein Reservepferd holen, sofern man dieses besitzt. Später kann man das aber auch bequem über das Banden-Camp machen. Dort gilt es nämlich sein Geld zu spenden, damit verschiedenste Upgrades daran gemacht werden können.

 

Was für eine Pracht

Red Dead Redemption ist optisch ein Meisterwerk. Klar, die Charaktere und Details können mit einem durchgescripteten Schlauch-Level Spiel wie Uncharted nicht ganz mithalten, doch die lebendige Welt, die detaillierte Flora und Fauna, die vielen Charaktere und NPCs und einfach das komplette Westernflair sind einfach eine Augenweide. Seien es die Steine die den Abhängen hinunter kullern, die Fußabdrücke im Schnee, die Blutspuren, das Wasser, die Haare und Felle, die Jacke die sich im Wind bewegt, der Schlamm der auf Objekten haftet oder auch nur die grandiosen Details der Städte und Landschaften, Red Dead Redemption 2 ist ein wahrer Augenschmaus.

Die Synchro ist spitze (wenn auch nur auf Englisch) und die Musik sowie Soundeffekte erste Sahne. Hier gibt es absolut nichts zu bemängeln. Ein paar Clippingfehler sowie kleinere und anscheinend auch größere Bugs (Pferde gehen in Flammen auf? und einige Charaktere verschwinden aus dem Camp manchmal spurlos) werden hoffentlich noch gefixt, doch vor größeren Problemen sind wir beim Testen auf jeden Fall verschont geblieben. So konnten wir das abwechslungsreiche Terrain von Western-Dörfchen, verschneiten Bergen über Wälder, Seen bis hin zu Sumpfgebieten und industriellen Städten in vollen Zügen genießen und uns kaum sattsehen.

Red Dead Redemption 2 wird seinem Ruf in jeder Hinsicht gerecht und liefert 40-100 oder sogar mehr Stunden Spielspaß vom Feinsten. Erkunden, Jagen, Kopfgelder eintreiben oder einfach mal ein paar Stunden Schabernack treiben ohne auch nur eine einzige Quest gemacht zu haben, gehören hier zur Tagesordnung und lassen keine Sekunde Langeweile aufkommen. Die zahlreichen Details sind für uns mehr Segen als Fluch und machen dieses Spiel nur noch glaubwürdiger. Durch perfekten Sound, Synchro und Musik ist das Westernflair gesichert, gepaart mit der wunderbaren Optik, ist die Atmosphäre mehr als gelungen und schlägt den Vorgänger und auch jedes andere Open-World Game bei weitem und setzt so, wenn man von kleineren Bugs, der etwas hakeligen Steuerung und leicht angestaubten Gunplay absieht, neue Maßstäbe in fast allen Belangen. Noch dazu kommen die vielen kleinen Story´s die jeder Spieler selbst erlebt und einzigartig sind, sodass sich Fans untereinander auch live beim Lagerfeuer austauschen können. Bleibt nur noch das Warten auf den Multiplayer um zu sehen, ob auch dieser das Versprechen halten kann, was wir aber zu keiner Sekunde bezweifeln.

PRO

  • Glaubwürdige, große Welt
  • Abwechslungsreiche Charaktere
  • Große Freiheiten
  • Realistische Ansätze
  • Variantenreiche Neben- und Storymissionen
  • Interessante Nebenaufgaben
  • Unglaubliche Details
  • Perfekter Western-Flair
  • MiniGames
  • Jagdsystem

KONTRA

  • Unnötige Sammelobjekte
  • Etwas hakelige Steuerung
  • Ehre-System zu stark in Richtung „Böse“ vorgegeben
  • (Eventuell) zu lange Animationen beim Craften, Jagen und Looten
9.6

Must Have

Gameplay - 9.1
Grafik - 9.5
Sound - 9.4
Inhalt - 9.9
Atmosphäre - 10
Heavy Music, schnelle Bikes und Sport sowieso – da ich auch im Jahre des Herren 1986 geboren wurde und da auch der NES in Europa das Licht erblickte, war die Konsequenz des Zockens logisch. Da ich auch an verbaler Inkontinenz leide, sind PixelCritics sowie earshot.at perfekte Orte um mein Interesse am Journalismus auszuleben.

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