Super Mario Odyssey | Test

Nach 20 Jahren kommt nun der geistige Nachfolger von Mario 64 und vermischt altbewährtes mit innovativen Ideen!

Der berühmteste – und in seinem Beruf eigentlich wahrscheinlich faulste – Klempner der Welt ist zurück – die Rede ist natürlich nicht vom Röhrich – sondern Super Mario. Sein Debüt gab der kleine, bärtige Italiener zwar schon in Mario Kart auf der Switch, als Solo-Abenteuer ist Mario: Odyssey nun das erste Jum´n´Run für die neueste Nintendo-Konsole… Handheld… Tablet… ähm. Ihr wisst, was ich meine. Auch für mich ist Mario: Odyssey meine erste Begegnung mit dem Multifunktionskind Switch. Dennoch will ich nicht zu sehr auf die Konsole eingehen, sondern viel mehr auf Mario, seinen neuen Freund und Begleiter Cappy und deren Weltreise bzw. Jagd nach Bowser eingehen.

Super Mario Odyssey: Test

Super Mario kehrt zurück… und das bunter und verdrehter denn je!

 

Ein alter Hut…

Tja, wie sollte es auch anders sein. Die böse Riesenschildkröte ist mal wieder sauer und entführt Marios liebste Peach (dass der arme Italiener gefriendzoned ist, weiß er anscheinend noch immer nicht). Mario konfrontiert ihn, verliert mal gleiche seine ebenso heißgeliebte Mütze, wird jedoch von einem Hut-Wesen namens Cappy gefunden und so beginnt auch schon das Abenteuer. Mario und Cappy, der ebenfalls ein Hühnchen mit dem Möchtegern-Ninja Turtle Bowser zu rupfen hat, jagen diesen mit Hilfe ihres Flugschiffes namens Odyssey, Bowser und seine Handlanger, die nicht mehr seine Sprösslinge, die Cooperlinge, sondern hässliche Hasen sind, quer über den Globus und sogar bis zum Mond. Aber dazu später mehr. Kreativ ist das alles natürlich nicht, aber dient wie eh und je als Mittel zum Zweck. Eine komplexe Final Fantasy Story wäre da ja sowieso fehl am Platz, aber ein paar mehr Hintergründe und Charakterentwicklung wäre auch bei Nintendo im Jahr 2017 einen Versuch wert gewesen. Mario bleibt sowieso erneut stumm, abgesehen von ein paar „Wiiihiii´s“, „Oho´s“ und diverse andere Laute. Alle anderen Charaktere sprechen mit einer sinnfreien Fake-Sprache, anstatt endlich echte Dialoge zu verwenden, die man dann mühsam mitlesen muss.

Mit 80 Mützen um die Welt

Hat man die Odyssey gekapert geht es auch schon in die erste große Welt – die Bruzelwüste – eine Wüstenlandschaft, die in Eis (!?) getaucht ist. Gründe dafür und auch eine Lösung dazu findet man im späteren Verlauf, jedoch will zunächst Bowser, der hier seinen Ehering sucht aufgehalten werden. Dass das an diesem Punkt reichlich schief geht, ist nun kein Spoiler, darum muss die Odyssey mit Monden aufgetankt werden. Diese gibt es reichlich zu entdecken. Wie in Mario 64 (da waren es noch Sterne) und anderen Ablegern sammeln wir uns also mit verschiedenen Aufträgen durch die Welt um die Planet-Trabanten zu erlangen. Multimonde gibt es sogar für besiegte End- bzw. Zwischenbosse. Manche findet man einfach in einer Ecke versteckt, andere gibt es via Rätsel und wieder andere kann man kaufen oder bekommt man von NPC einfach so, oder für eine Gegenleistung geschenkt.

 

Im Gegensatz zum erwähnten Mario 64, wo quasi jeder Stern eine Herausforderung war, bekommt man in Mario: Odyssey die Monde förmlich nachgeschmissen. Da kann es auch passieren, dass man in einer der Welten bis zu 70 Monde erlangen kann. Das wirkt leider oftmals etwas faul von den Entwicklern, wenn man einfach mal einen Mond im Gras versteckt und diesen durch ein Leuchten andeutet. Da fühle ich mich eigentlich nicht für etwas, das ich geleistet habe, belohnt, sondern denke mir nur „ach, schon wieder einer“. Knifflig bis nervig wird es dann aber wenn man gut 90% in einer Welt schon hat, denn dann läuft man wie ein Irrer in der Gegend rum und hofft über den nächsten Mond oder das dazugehörige Rätsel zu stolpern. Abhilfe verschafft Nintendo hierbei mit einem Toad, der einem gegen ein paar Münzchen auf der Karte markiert, wo er denn einen Mond vermutet. Ist jetzt eigentlich auch nicht Ziel der Übung, da man ja wieder nicht für eine Leistung belohnt wird, aber nach Stunden des erfolglosen Herumirrens, ist man schon versucht diese Möglichkeit wahr zu nehmen.

Hat man in einer der Welten dann eine vorgegebene Menge (meist 8-15) gefunden, so kann man seine Odyssey auftanken und in die nächste Welt reisen, wo der ganze Spaß wieder von vorne los geht. Zusätzlich zu den bekannten Münzen, die dieses Mal nicht ein Extraleben bei 100 geben, gibt es in jeder Welt eine begrenzte Eigenwährung, die wir gegen neue Outfits und Sammelgegenstände, die dann im Schiff platziert werden, eintauschen. Mikrotransaktionen bleiben dabei zum Glück aus, Nintendo hat da aber mit Amiibo sowieso schon länger sein eigenes System für zusätzliche Real-Life Münzen und Scheine.

Hut ab!

Jetzt kommt der große Clou – Mario hat zum einen sein Move- und Sprung Repertoire erweitert und kann jetzt nicht nur zum Beispiel wie Kollegin Samus über Hänge und in Löcher rollen, sondern kann auch seinen neuen Begleiter vielseitig nutzen. Cappy kann in verschiedensten Variationen auf Gegner, Blöcke und andere Dinge geworfen werden und kehrt dann wie Captain Amerikas Schild von Zauberhand wieder zurück. Verliert man den Kerl mal, was durchaus öfter vorkommt, so ist Mario auf Old-School Techniken eingeschränkt. Draufhüpfen ist dann die Devise, denn Schlagen wie in Mario Galaxy und 64 ist bei Odyssey nicht.

Aber nicht nur das – das größte Feature in diesem Spiel ist das übernehmen von Gegner. Die meisten Gegner können nämlich über die Mütze mit einer sogenannten Caperung heimgesucht werden. So schlüpfen wir zum Beispiel in die „Haut“ eines Kettenhundes um Mauern einzureissen, oder in einen Gumba, um auf höhere Ebenen zu gelangen oder sogar über Schluchten zu fliegen. Mit übernommenen Raketen bekannt als Kugelwilli, lassen sich Barrieren aus dem Weg räumen, mit einem Drachenvieh kann man weit gleiten oder mit einem Panzer mit Hut kann man dann munter rumballern. Der Wechsel geht flüssig und man kann auch jederzeit wieder „aussteigen“ wenn nötig. Die Möglichkeiten dazu sind zahlreich und es ist immer wieder spannend, was man denn nun im Körper des neuen Feindes alles machen kann. Lustig ist das oftmals auch, denn Mario darf auch mal die Rolle eines Reißverschlusses, eines sprichwörtlichen Pfosten und anderen verrückten Dingen einnehmen.

 

Bunte, große Welt

Die ersten Welten wirken leider etwas karg. Auch wenn es recht kreativ erscheint, eine Sandwüste einzufrieren, so wirkt die Welt doch etwas kantig, leer und leicht enttäuschend. Doch mit der Zeit zeigen sich immer mehr coole Welten. Egal ob eine karibische Inselwelt, ein Dschungel, eine Unterwasserwelt oder die umstrittene Großstadt in der echte Menschen rumlaufen. Eigentlich zeigt sich Nintendo über weite Strecken stark auf diesem Gebiet, da ist es aber dann wieder verwunderlich, dass manche Ecken doch etwas lieblos erscheinen. Das ist aber meckern auf höchstem Niveau, denn wie immer steht bei Mario natürlich der Spielspaß im Vordergrund und der passt auch. Das Suchtpotential ist nämlich groß, denn das „das eine mach ich noch“ Syndrom ist hier allgegenwärtig und so wird aus einer kurzen Session plötzlich eine abendfüllende Zockpartie, in der die Zeit wie im Fluge vergeht. Nett auch die Idee der 2D/8Bit-Passagen, die nicht nur optisch, sondern auch von den Sounds her 1:1 aus Mario vom NES übernommen sind und zusätzlich Abwechslung ins Geschehen bringen. Ansonsten hat man alte Sounds und Themes neu verarbeitet und zu den jeweiligen Abschnitten ganz neue Hintergrund-Musik erschaffen, so dass hier und da Retro-Feeling und Nostalige aufkommt, man aber immer was zu entdecken hat.

Die Switch

Am TV spielt sich Mario wie eh und je, als Handheld- oder Tischfunktion ist der Bildschirm aber schon arg klein und somit gewaltig unübersichtlich für einen doch oftmals recht hektischen 3D-Titel. Ganz nett ist jedoch die Idee, dass man auch hier eine Art Koop hat, bei dem ein Spieler Mario und der andere die Mütze steuert. Apropos steuern: Mario lässt sich in allen der Switch verfügbaren Varianten spielen, jedoch empfiehlt das Spiel die beiden Joy-Con einzeln in die Hand zu nehmen um die verschiedenen Würfe mit Cappy über die Bewegungs-Sensoren zu verwenden. Ich selbst bevorzuge aber den Controller-Adapter/Halterung.

Super Mario Odyssey ist zwar zu einem gewissen Grad der geistige Nachfolger vom genialen und mittlerweile 20 Jahre alten Mario 64. Die Welten sind im Gegensatz zu Sunshine und Galaxy abwechslungsreicher und wieder als offene Spielwelt angelegt. Ein Spiel, das einen stundenlang in den Bann zieht, Spaß macht und das Mario-Feeling wunderbar präsentiert. Leider wirkte Galaxy beispielsweise eine Spur flotter und lebendiger, während Mario 64 wenigstens noch fordernd und stets belohnend war, wo Odyssey den Spielern die meiste Zeit das Mond-Suchen zu einfach macht, und nur hier und da Passagen einbaut, die von knifflig schnell zu frustrierend werden können, dann aber beim Erfolg, diesen auch ausnahmsweise einen auch richtig spüren lassen. Auch wenn Mario: Odyssey ein starkes Spiel ist, kann ich den uneingeschränkten Lob von den man überall hört nicht verstehen, denn der erste Switch-Ableger von Mario hat einige Ecken, Kanten und Verbesserungsbedarf. Dennoch: Mario macht Spaß wie lange nicht mehr, überzeugt durch seinen enormen Umfang und Abwechslung und nimmt einen für viele Stunden gefangen. Neben Zelda aktuell auf jeden Fall der beste Grund um sich die innovative Switch nach Hause zu holen.

PRO

  • Keine Microtransaktionen (nur Ingame-Währung)
  • Abwechslungsreiche Welten
  • Offene Welt (Erkundbar)
  • Kreatives Cappy-Feature
  • Mario 64 Feeling
  • Verschiedene Kostüme und Mützen
  • Großes Suchtpotential
  • Koop (2. Spieler als Mütze)

KONTRA

  • Viele Monde zu plump zu erhalten
  • Zu leicht
  • Manche Welten wirken leer und leblos
  • Seichte Story
  • Switch in Handheld-Funktion sehr unübersichtlich
  • Offene Welt (kein klarer Auftrag außer „Such!“)
8.8

Grandios

Gameplay - 10
Grafik - 7.6
Sound - 9
Inhalt - 9.5
Atmosphäre - 8
Heavy Music, schnelle Bikes und Sport sowieso – da ich auch im Jahre des Herren 1986 geboren wurde und da auch der NES in Europa das Licht erblickte, war die Konsequenz des Zockens logisch. Da ich auch an verbaler Inkontinenz leide, sind PixelCritics sowie earshot.at perfekte Orte um mein Interesse am Journalismus auszuleben.

Gib deinen Senf dazu!

Passwort vergessen