The Occupation | Test

Ein angespannter, fantasievoller Thriller, der sich unter dem Gewicht seines eigenen Ehrgeizes erdrückt.

Hobby-Enthüllungsjournalisten aufgepasst! White Paper Games haben am 05. März 2019 das Indie Spiel The Occupation veröffentlicht. Die Entwickler möchten den Spieler durch ein gewaltfreies Spielsetting für rund 4 bis 5 Stunden vor die Monitore binden. Doch nicht nur der Verzicht auf jegliche Gewalt machen das Indie-Spiel so interessant, sondern auch die Story bringt seine Reize mit sich und als Spieler hat man eine fest vorgegeben Zeit zur Verfügung, um Hinweise, Rätsel und sonstige Geheimnisse lüften zu können. Neugierig? Wir haben für euch einen Spoiler-freien Testbericht verfasst, welcher die wichtigsten Aspekte des Games behandelt und zeitgleich eine Entscheidungshilfe darstellen soll, ob 29,99 EUR für dieses Spiel gerechtfertigt sind oder nicht. Viel Spaß beim Lesen.

The Occupation: Test

The Occupation ist ein First-Person-Fixed-Time-Investigativ-Thriller mit fester Zeitvorgabe, der am 24. Oktober 1987 in Nordwestengland spielt.

 

Wir schreiben das Jahr 1987 in Nord West England. Es ist die wilde und turbulente Zeit der 80er. Unstimmigkeiten unter der Bevölkerung, der Aufstieg der Pop-Musik und schräge Outfits zählen zur Tagesordnung. In The Occupation schlüpfen wir als Spieler in die Rolle des Journalisten Harvey Miller und wir sollen die Hintergründe über einen schrecklichen Terroranschlag aufdecken, welcher auf die Firma Bowman Carson verübt wurde, bei dem 23 Menschen ihr Leben verloren. Die Medien haben natürlich bereits einen Schuldigen gefunden: Alex Dubois, ein Angestellter bei Bowman Carson. Kurzer Hand darauf wird ein schlecht durchdachter Gesetzesentwurf der Öffentlichkeit präsentiert, der sogenannte „Union Act“. Dieser soll für Ordnung und Sicherheit sorgen – doch was steckt wirklich dahinter?

Auf geht’s mit dem herumschnüffeln …

… oder doch noch nicht. Bevor man sich Kopfüber in journalistische Ermittlungsarbeiten stürzen darf, muss man zuerst eine Art „Tutorial-Level“ absolvieren. Hier übernehmen wir als Spieler die Rolle einer jungen Frau und lernen in einer sehr kurzen und knappen Weise die wichtigsten Mechaniken kennen. Das interagieren mit Objekten stellt sich bereits zu Beginn als mühselig und knifflig heraus und uns sind einige kleinere Bugs aufgefallen. Einen detaillierten Einblick in den technischen Aspekt von The Occupation geben wir in einem Kapitel weiter unten.

 

Nach dem Tutorial-Level, welches wir hier nicht weiter beschreiben wollen, denn dieses bringt bereits seine eigenen Spannungsmacher mit sich und ist sehr wichtig für den Storyverlauf, dürfen wir endlich den Protagonisten Harvey Miller übernehmen. Dieser tippt noch alle wichtigen Fakten auf seinem Retro-Computer (auch bekannt als Schreibmaschine) ab, Aktenkoffer eingepackt und los gehts. Falsch gedacht: plötzlich wird lautstark an die Tür gehämmert und ein Brief darunter hindurch geschoben. Darin befindet sich eine Floppy-Disk, welche wir sofort in unseren Computer einlegen und diese uns mit einem Chatroom verbindet. Ein anonymer Informant möchte uns davon überzeugen, dass Alex Dubois nichts mit dem Anschlag zu tun hatte und wir alles in unserer Macht stehende tun sollen, um die Wahrheit über den „Union Act“ herauszufinden. Offensichtlich ist die Absicht der Regierung eine andere, als sich vermuten lässt.

Jetzt aber – Recherchieren auf eine besondere Art und Weise

Unsere Firma hat uns Interview-Termine mit hohen Tieren von Bowman Carson besorgt. Wie es sich für einen guten Journalisten gehört, befinden wir uns schon eine Stunde vor dem ersten Termin in dem Firmengebäude. Ab diesem Zeitpunkt heißt es: Hinweise finden, in Büros einbrechen und durch Lüftungsschächte kriechen. Man merkt bereits: Harvey Miller ist alles andere als ein normaler Journalist. Für diese Art von Recherche gibt uns das Spiel genau vier Stunden Zeit. Dafür stehen dem Spieler unterschiedliche Level zur Verfügung, in welchen man zwischen 30 und 60 Minuten verbringen darf. Die Sicherheit bei Bowman Carson wird eher klein geschrieben. Durch die Unachtsamkeit der anderen Mitarbeiter, kann sich der Spieler teilweise sehr leicht durch den Gebäudekomplex bewegen. Markierungen oder Hinweise gibt einem das Spiel nicht vor. Wir sind also auf uns alleine gestellt, das Gute daran: es gibt mehr als einen Weg zum Ziel.

 

Apropos Ziele, was gibt es zu erreichen? Die Entwickler möchten, dass der Spieler Beweise sammelt und diese dann den Personen, mit welchen wir die Interviews haben, vorlegen. Dies klingt auf den ersten Blick sehr spannend, da sich hier die Konversation oder die Art wie diese Menschen auf uns reagieren ändern könnte – jedoch haben bei diesem Punkt White Paper Games sehr weit danebengegriffen. Egal wie schwer es war ein Teil des Puzzles zu beschaffen und wie erdrückend die Beweislast auch sein mag, die gegenüberstehende Person lässt dies kalt. Die Gespräche verlaufen sehr monoton, ohne Gefühle und mit kaum Abwechslung – unabhängig von den gefundenen Hinweisen. Sehr schade!

Über diese Monotonie könnte man hinwegsehen, wären da nicht …

… eine Menge an Spielfehlern und die klobige Steuerung. Die Mechanik des Herumschleichens und der Aufbau der Story würden die stumpfen Gespräche mit Leichtigkeit ausstechen und haben uns den Spielspaß nicht gravierend zerstört. Doch wenn Spielfehler solche Probleme machen, dass man das Spiel neustarten muss – ist dies eine andere Geschichte. Man muss auch erwähnen, dass man in diesen 30 bis 60-minütigen Levelabschnitten nicht speichern kann. Sprich, wenn man gerade die erste Hälfte der 60 Minuten bewältigt hat, einen gravierenden Spielfehler auslöst, dass Spiel neustarten muss, ist der gesamt Fortschritt verloren. Die Klassiker sind: hängen bleiben in Objekten, fehlerhaftes NPC (Non Player Charakter) Verhalten, verschwinden von Items aus dem Inventar oder das Ausbleiben eines Interviews, obwohl wir uns zur richtigen Zeit am richtigen Ort befinden. Weiteres machen die unrunde Steuerung auf der Playstation das Spielerlebnis auch nicht besser. Auch durch Anpassen der Sensibilität des Joysticks, ist es teilweise sehr mühsame Objekte auszuwählen oder mit diesen zu interagieren.

White Paper Games haben eine wirklich nette Idee umgesetzt und das gewaltfreie Recherche-Spiel bringt eine erfreuliche Abwechslung in den Spielealltag. Das Setting in den 80er ist 1-A integriert und die Unreal Engine verleiht dem Ganzen einen netten Indie-Look, an welchen man sich nicht zu schnell satt sieht. Die Story lässt beim Spielen durchgehend Spannung aufkommen und man ist dazu verleitet, dass eher kurze Spiel (4-5 Stunden) in einem Sitz durchzuspielen, wären da nicht die Spaßbremsen in Form von Bugs. Diese lassen Unmengen an Frust aufkommen, wenn man unnötiger Weise Levelabschnitte mehrfach wiederholen muss. Man muss zugeben, dass das erneute Spielen eines Levels mit dem Vorwissen des ersten Durchgangs auch seine Reize mit sich bringt. Doch Bugs bleiben nun mal Bugs und haben nichts in einem Spiel verloren – davon abgesehen sollte der Spieler entscheiden, wenn er einen zweiten Durchlauf starten möchte und nicht das Spiel. Die unrunde Steuerung ist nicht optimal umgesetzt, man gewöhnt sich aber relativ schnell daran. Unter dem Strich betrachtet haben wir ein echt gut gelungenes Spiel in unserer Redaktion liegen, wären da nicht die soeben genannten Downsides. Wir hoffen auf einen Patch der diese Probleme löst und erst danach könnten wir alle Ampeln auf Grün stellen und eine Kaufempfehlung aussprechen.

PRO

  • 80er-Jahre-Charme
  • Gewaltfrei
  • Tolle Ansätze
  • Spannendes Politik-Drama

KONTRA

  • Schwerwiegende Bugs
  • Kein freies Speichern
6.8

Ausbaufähig

Gameplay - 3.5
Grafik - 6.8
Sound - 6.8
Inhalt - 8.9
Atmosphäre - 8
Ich bin ein Nerd aus Leidenschaft, spiele von Shooter bis hin zu Jump & Run Games und habe ein Herz für schönes Story-Telling. Kann den Hype um Spiele wie Battlefield und Co. nicht verstehen, konnte über ein ganzes Jahr Spielzeit in World of Warcraft erreichen bevor es seinen Reiz verlor. Momentan bin ich auf der Suche nach spannenden und herausfordernden Spielen welche es zu bezwingen gilt!

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