Trials Rising | Test

Trials Rising besinnt sich auf alte Stärken, ein grandioses Setting, sowie starke Inszenierung, weshalb Profis und Neueinsteiger hier das perfekte Paket bekommen.

Endlich liefert RedLynx neues Futter für Fans des gepflegten „auf die Schnauze Fallens“, denn Trials Rising ist gut fünf Jahre nach Trials Fusion für PS4, Xbox One und Windows erschienen und sorgt einmal mehr für Frust, Wut, Trauer, aber auch Erfolgserlebnisse, Freude und Erlösung.

Trials Rising: Test

In Trials Rising treffen fordernde Strecken auf explosive Action!

 

Das Grundprinzip

Für Neueinsteiger noch einmal kurz eine Einführung in Trials, das 2000 zum ersten Mal erschien und mit einem Mix aus realistischer Physik und aberwitzigen Strecken Motocross Fans begeisterte. Mittlerweile ist Rising, neben einigen Spin-offs, Erweiterungen und Remakes, der sechste Ableger der Hauptreihe und legt in vielen Belangen noch eine Schippe drauf, ohne das Grundprinzip zu verändern. Es geht nämlich nach wie vor in einer Art 2,5D durch meist recht kurze Levels, die möglichst fehlerfrei bestanden werden wollen. Als Fahrer eines Motocross Bikes bekommt man zahlreiche und unterschiedlichste Hindernisse in den Weg gestellt, die entweder durch Technik oder Geschwindigkeit bewältigt werden wollen. Wer auf die Schnauze fliegt, sich das Genick bricht, das Bike verlässt oder – ja auch – explodiert, der wird an den letzten Checkpoint zurückkatapultiert und startet seinen nächsten Versuch. Dafür gibt es Gas, Bremse und den Analog-Stick. Somit geht man die Strecken eigentlich nur mit der richtigen Dosierung des Gases, sowie dem Vor- und Zurücklehnen des Oberkörpers an. Mehr braucht man dafür echt nicht, außer vielleicht eine Menge Geduld.

Zurück auf die Erde – Eine Karriere rund um den Globus

Trials Fusion war in vielen Belangen schon ziemlich vorne dabei, vor allem was das Setting betraf, denn dort raste man durch Strecken in ferner Zukunft, sprich Raumschiffe, futuristische Städte und Gebäude, und noch weitere verrückte Areale. Trials Rising holt uns da jetzt aber zurück auf die Erde, was aber nicht bedeutet, dass man es nicht geschafft hat, noch abgefahrener zu werden. So fährt man dieses Mal rund um den Globus, bereist verschiedenste Staaten der USA, Mutter Russland, das ferne China, den Mittleren Osten oder ganz einfach Deutschland, Griechenland, Holland, Spanien und Paris, die allesamt optima inszeniert und dem Land angepasst sind. So hangelt man sich auch auf, durch oder über berühmte Gegenden oder Sehenswürdigkeiten, wie den Eiffelturm, das Kolosseum oder Alcatraz, wenn man nicht gerade durch Venice Beach, über nordische Fjorde oder durch ein spanisches Tomaten-Fest rast.

Aber die Weltkarte gibt es nicht ohne Grund. Dieses Mal werden die Levels nicht nach und nach abgearbeitet. Stattdessen gibt es eine Karriere und man spielt sich durch verschiedene Tourniere, Herausforderungen, und tritt gegen andere Biker an. Dazu schaltet man verschiedene Sponsoren frei, die euch dann unterstützen, darunter auch Ubisoft selbst, KTM und weitere bekannte Marken. Zunächst beginnt man in den Staaten mit einigen leichteren Levels, schaltet dann aber nach und nach auch weitere Kontinente und Länder frei, kommt aber für höhere Schwierigkeitsgrade auch wieder retour.

 

Technik vs. Geschwindigkeit

Während man die ersten Strecken noch recht einfach mit viel Speed erledigen kann und sich kaum Sorgen darum macht, sich zu verletzen, muss man sich im späteren Verlauf auf, hoffentlich bis dahin schon erlerntes Gefühl und auf die angeeigneten Techniken verlassen, um über diverse Hindernisse oder Abgründe zu kommen. Da auf die Lernkurve große Rücksicht genommen wurde, wird man nur langsam vor immer schwerere Levels gestellt und hat auch zahlreiche Möglichkeiten, seine Skills zu verbessern. So muss man, dank der Sponsoren, schon erledigte Levels, die man im besten Fall auch mit guter Zeit und somit einer Goldmedaille geschafft hat, nochmals bestehen, dazu aber auch diverse Herausforderungen meistern. Hier kann beispielsweise eine vorgegebene Zeit, ein schneller Gegner, ein Haufen Saltos, Wheelies, lange Sprünge, fehlerfreies Fahren, oder eine Kombination davon von einem verlangt werden. Das macht im späteren Verlauf auch die einfachsten Strecken zu kniffligen Brocken. Außerdem wird das erste Mal die Technik richtig schön vorgestellt, und man kann so seine Skills gemeinsam mit einem Trainer stets verbessern. In der Karriere levelt unser Fahrer selbst auch, und schaltet so mit vorangeschrittenen Level nicht nur weitere Strecken, und Bikes, die alle andere Eigenschaften besitzen, frei, sondern auch eben die verschiedenen Trainings-Parcours, die man nach mehreren Besuchen irgendwann dann doch meistert, auch wenn es zu Beginn oft so gar nicht danach aussieht. Da viele Hindernisse erst spät richtig sichtbar werden, wird ein Auswendiglernen der Strecke auch nicht ausbleiben, um zu verstehen, was man denn nun zu tun hat, wenn unvorhergesehene Leveleinflüsse einen Strich durch die Rechnung machen können.

Während man zunächst Highscores jagt, und den Fehlerzähler niedrig oder sogar auf 0 hält, ist man irgendwann im späteren Verlauf froh, überhaupt mal die Ziellinie zu sehen, oder den Fehlerzähler unter 100 halten zu können. Apropos Fehlerzähler: pro Unfall gibt´s dieses Mal fünf Strafsekunden, die sofort aufs Zeitkonto gehen, anders als bei Fusion, wo diese zwei Werte noch separat gezählt wurden.

Einen großen Nachteil hat diese langsame Heranführung an schwere Herausforderungen natürlich schon. Das ist praktisch für Neueinsteiger und vermeidet eine Menge Frust, einen Frust, den ich selbst in Trials Fusion, meinem Einstieg in die Serie, erleben musste, und somit gegen Ende irgendwann das Handtuch warf. Das Ganze motiviert wie gesagt und hilft beim Besserwerden, jedoch müssen sich Profis, die einige Vorgänger bereits perfekt beherrschen, erst mal stundenlang durch die, für diese viel zu einfachen Levels, durcharbeiten.

Was zur Hölle geht hier ab?

Das habe ich mich öfter gefragt bei den abgefahrenen Levels, die nicht nur schick anzusehen sind, sondern auch allerlei Späßchen, Geheimnisse und Überraschungen parat haben. Schon mal durch eine Atomanlage in Russland, über einen fahrenden Zug, oder durch einen fliegenden Frachter gefahren? Nein? Na dann habt ihr jetzt die Chance, denn Trials wirft euch zwar in quasi realistische Gegenden, liefert aber stets übertriebene Strecken, die eine Augenweide sind, die man aber oftmals gar nicht so genießen kann, da man sich ja vor allem auf die Strecke konzentrieren und den nächsten Sprung, Salto, Bunnyhop oder die knifflige Landung lebend überstehen möchte. Haut es einen auf die Schnauze, sind die Checkpoints aber immer fair gesetzt, und schafft man ein Level nicht sofort, übt man einfach in anderen Strecken oder eben im Trainingslager. Das ist aber nicht genug, denn man kann auch mit der Welt, die zwar immer noch eine Art 2,5D ist, aber irgendwie noch 3-dimensionaler ausgerichtet ist, da die Strecken nun auch oft Kurven haben, interagieren. Oder besser gesagt, die Welt wird mit euch interagieren, denn explodierende Fässer, nachgebende Untergründe, Aufzüge, Katapulte oder weitere Späßchen können euch das Leben schwer machen. Außerdem wirkt alles nicht mehr so leer und poliert wie beim Vorgänger, was auch daran liegt, dass nun zahlreiche Fans am Rande der Strecke mitfiebern.

Noch verrückter wird es im Technik-Parcours. Hier bekommt man verschiedenste, schräge Herausforderungen serviert. Einmal muss man im rechten Moment vom Bike abspringen um mit dem Fahrer Sprengfässer zu treffen, die einen möglichst weit weg katapultieren. Ein anderes Level verlangt von dir, Basketball-Körbe auf eine sehr kreative Weise zu treffen, und eine weitere Herausforderung ist es beispielsweise, über zahlreiche Fässer zu hüpfen, ohne eines davon zu berühren. Macht Spaß, ist aber auch oft verdammt knifflig.

Zu zweit ist es am schönsten

Trials hatte ja schon (Online) Multiplayer Modi und auch dieses Mal kann man sich in bestimmten Strecken miteinander messen. Außerdem fahren stets Ghosts mit euch mit, die man aber zum Glück ziemlich durchsichtig oder komplett unsichtbar machen kann, da sowieso schon genug Action auf der Strecke abgeht, und diese eher ablenken als helfen. Neu ist aber der wirklich unterhaltsame Tandem-Modus, in dem man zu zweit auf einem Bike sitzt und sich Gas, Bremse und Neigung des Bikes fair aufteilt. Überraschenderweise ist das Ganze gar nicht so chaotisch wie erwartet, wenn beide wissen, was sie zu tun haben. Bei Saltos und so Späßen sollte man sich aber dennoch absprechen und Übung ist auch hier gefragt. Der Vorteil ist aber, dass beim Gas jeder nicht nur 50%, sondern sogar 60% spendiert bekommt, wodurch das Tandem deutlich mehr Schub hat als die anderen Bikes. Lustig ist dabei auch, dass ein Fahrer noch weiterfahren darf, auch wenn der zweite bereits ein gebrochenes Genick hat und nichts mehr tun kann.

 

Das ewige Thema mit den Lootboxen

Schon in neueren Ubisoft Releases wie Far Cry: New Dawn oder Watchdogs 2 gab es verrückte Outfits, und auch Trials Rising lässt den Spieler, seinen Fahrer und die Bikes optisch in abgefahrenster Weise verändern. So bekommt man dafür mit jedem Level-Up eine Lootbox, in der sich allerlei Schabernack befindet. Kleidungsstücke, Teile für die Bikes, aber auch Siegesposen und vor allem Sticker, Sticker, Sticker, die man sich aufs Bike oder auf die Kleidung knallen kann – alles natürlich nur kosmetischer Natur, denn am Fahrverhalten ändert sich nichts. Ziemlich sinnfrei dieses Lootboxen-System, aber naja, sieht halt witzig aus, wenn ein Motocross Fahrer einen Bierhelm, kombiniert mit dem Outfit von Spider-Man, gelbe Schuhe und ein knallpinkes Motorrad mitbringt. Die Krux dabei ist natürlich wieder, dass man zwar das Meiste durch die Boxen geschenkt bekommt, oder mit angesammeltem Ingame-Geld kaufen kann, doch wie Ubisoft auf die Idee kommt, dass hier jemand echtes Geld für bestimmte Artikel, die es eben nur über diese Währung gibt, ausgibt, frage ich mich schon. Aber ein paar Spielern ist halt oft wirklich nicht zu helfen.

Und sonst?

Die Lootboxen trüben den Spielspaß definitiv nicht, dafür aber die extrem langen Ladezeiten wenn man eine neue Strecke betritt, und die gelegentlichen Slow-Downs bzw. Ruckler, die auf der PS4 Pro doch hier und da vorgekommen sind, aber hoffentlich noch gepatcht werden. Dazu kommt eben das Problem für Profis, sich lange abrackern zu müssen, um echte Herausforderungen zu finden, und die erwähnten Ghosts nerven auch.

Dem entgegen steht aber ein genialer Soundtrack mit einem Mix aus Rock, Metal, Punk und einer Prise Hip-Hop sowie Drum N Bass, worunter sich große Namen wie IN FLAMES, TRIVIUM, ANTHRAX, BLACK STONE CHERRY oder MOTÖRHEAD befinden, eine wirklich schicke Optik, zahlreiche Level, die mit diversen DLCs noch ergänzt werden, und ein eigener Strecken-Editor, in dem sich die Community in den nächsten Monaten gewaltig austoben wird. Somit ist auch in Richtung Umfang, trotz des Zwangs, die Strecken immer mal wieder zu wiederholen, keine Angst nötig.

Trials Rising - Gold Edition - [Xbox One]
  • Trials Rising Gold enthält:
  • Das Hauptspiel Trials Rising
  • Digitales Erweiterungspaket inklusive weiterer Motorräder und vieles mehr
  • 16-seitiges Sticker-Artbook
Sieht man von den kleinen Kritikpunkten ab, ist RedLynx´ Trials Rising mit Abstand der beste Ableger der Serie. Optisch und inszenatorisch war man noch nie so gut und detailliert unterwegs, und die „realistischen“ Schauplätze machen auch einfach eine Ecke mehr Spaß, als die des sterilen Vorgängers. Was die Physik, Bikes und das generelle Gameplay betrifft hat sich wie gesagt eigentlich nichts geändert, aber warum auch – und der Suchtfaktor sowie das „einmal versuche ich es noch“ (auch wenn es schon 2 Uhr morgens ist) stellte sich auch sofort wieder ein. Für Fans ein Muss, für Neueinsteiger aber auch die beste Möglichkeit, sich in die Welt von Trials einzuleben, und sich selbst zum Pro hochzuarbeiten. Somit: fröhliches Auf-die-Schnauze-Fallen!

PRO

  • Am Grundprinzip wurde nichts geändert
  • Gut gewähltes Setting
  • Starker Soundtrack
  • Fette Inszenierung
  • Witzige Herausforderungen bzw Minispiele
  • Lustige Ragdoll-Physik
  • Strecken-Editor

KONTRA

  • Sinnloses Lootboxen-System
  • Gelegentliche Ruckler
  • Nur 30 Frames auf der Nintendo Switch
  • Lange Ladezeiten
7.9

Spielenswert

Gameplay - 8.5
Grafik - 7.8
Sound - 7.5
Inhalt - 8.2
Atmosphäre - 7.6
Heavy Music, schnelle Bikes und Sport sowieso – da ich auch im Jahre des Herren 1986 geboren wurde und da auch der NES in Europa das Licht erblickte, war die Konsequenz des Zockens logisch. Da ich auch an verbaler Inkontinenz leide, sind PixelCritics sowie earshot.at perfekte Orte um mein Interesse am Journalismus auszuleben.

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