Vampyr | Test

Vampyr bietet zwar eine spannende Story mit guten “neuen” Gameplayansätzen, scheitert aber an der konsequenten Umsetzung.

Vampire, die finsteren Nachtgestalten lösen bei uns Menschen nicht nur eine gewisse Ehrfurcht, sondern auch eine große Faszination aus. Mit übersinnlichen Fähigkeiten und einem ewigen Dasein, dienten die Blutsauger als Vorlage für zahlreiche mehr oder weniger erfolgreiche Filme. Selbst in der Spielebranche bekommen die Nachtgestalten hin und wieder einen Auftritt, aber das letzte richtig gute Vampirspiel “Vampire: Die Maskerade – Bloodlines” hat nun doch schon einige Jahre auf den Buckel.. Vampire: Die Maskerade – Bloodlines überzeugte damals mit guter Grafik, einer spannenden Story und einem erstklassigen Gameplay. Doch nun möchte das Entwicklerstudio Dontnod die “Durststrecke” unterbrechen und spendiert uns mit Vampyr ein Rollenspiel, indem wir in die Rolle eines frisch geschlüpften Vampires schlüpfen dürfen. Das Entwicklerstudio ist dafür bekannt, neues auszuprobieren und andere Wege einzuschlagen – das sie damit Erfolg haben können, beweisen Sie uns mit Life is Strange. Auch Vampyr bietet so einiges an neuen Spielelementen, ob dies funktioniert oder ob wir doch den Knoblauch auspacken müssen, lest Ihr wie immer in unserem Test.

Vampyr: Test

In Vampyr müssen wir ein Mittel gegen die Seuche finden, die schon so viele Bürger der Stadt heimgesucht hat.

 

Ich ein Vampir?!

In Vampyr schlüpfen wir in die Rolle des Chirurgen Dr. Jonathan Reid, der gerade erst den blutigen Fängen des 1. Weltkrieges entkommen ist und sich kurzerhand in einem Massengrab wiederfindet. Als wir munter werden, stellen wir schnell fest, dass irgendetwas anders ist, denn wir haben Durst und dieser muss so schnell wie möglich gestillt werden. Auf wackligen Beinen suchen wir also nach etwas flüssigen und werden auch schnell fündig, doch wir machen uns keine Coke auf sondern fallen über einen Menschen her und saugen Ihm das Blut aus den Adern. Übermannt von dem unerbittlichen Durst übersieht Jonathan leider, dass es sich bei dem Opfer um seine Schwester handelt. Doch keine Zeit für Trauer, denn wir wurden bei unserer Tat ertappt und müssen fliehen. Doch wohin? Keine Sorge, Vampyr bietet zwar eine Open World, zieht den Spieler aber durch verschlossene Türen, Barrikaden und sonstiges, schlauchartig durch die verwinkelten Gassen von London im Jahre 1918. Haben wir uns den Weg zu unserem ersten sicheren Unterschlupf durchgeprügelt, lässt uns Vampyr das erste Mal Zeit um die Geschehnisse zu verarbeiten.

Was haben wir nur getan und was zum Gottes Willen hat uns zu dieser Bestie gemacht?! Dieser und anderen Fragen müssen wir also auf den Grund gehen. So weit so gut, doch wie kommen wir nun zu unseren Antworten? Klar, durch das befragen der Einwohner. Hier kommen wir auch gleich zum Highlight von Vampyr, denn sämtliche Charakter mit denen wir sprechen können, haben nicht nur eine spannende Geschichte auf Lager sondern eventuell auch ein schmutziges Geheimnis, welches die Person in ein anderes Licht rücken lässt. Doch das ist nicht alles, umso mehr wir über eine Person erfahren, desto besser wird deren Blutqualität – bessere Blutqualität = mehr Erfahrungspunkte beim aussaugen. Richtig gelesen, wir dürfen die Einwohner aussaugen, doch nicht ohne Folgen, denn töten wir zu viele Personen in einem der insgesamt 4 Bezirke, stürzt dieser eventuell ins Chaos.

 

Auf unserer Reise erkennen wir aber relativ bald, dass unsere Verwandlung nicht das einzige Problem ist, denn in London herrscht neben den mehr und mehr auftauchenden Monstern auch eine Grippe-Epidemie und dank unserer medizinischen Ausbildung, finden wir trotz Vampiroptik beim ansässigen Krankenhaus Anschluss. Wir kämpfen uns also durch die engen Gassen, töten Vampire und Monster, heilen oder töten Menschen um den Bezirk stabil zu halten und suchen natürlich nach Antworten.

Da ist der “Wurm” äh, sorry “Knoblauch” drinnen

Grundsätzlich macht Vampyr aufgrund des komplexen Sozialsystems wirklich Spaß, doch das Leveldesign und die Spielmechanik bremsen das Spiel immer wieder aus und hinterlassen einen knoblauchartigen Beigeschmack. Denn die Open World bietet eben nicht die Freiheiten die wir erwarten, auf der einen Seite stehen wir immer wieder vor Barrikaden die wir aus unerklärlichen Gründen nicht überwinden können und auf der anderen Seite überwinden wir dank Vampir-Teleportationen selbst Flüsse oder enorme Höhenunterschiede. Das ist wirklich schade, denn das eingefangene London sieht glaubwürdig aus und wird dank der Unreal Engine auch wirklich schön in Szene gesetzt.

Auch das Kampfsystem, welches eigentlich ein Kernelement von Vampyr darstellen soll, schwächelt an allen Ecken und Kanten. Gegnermechaniken wiederholen sich immer und immer wieder und durch Vampirfähigkeiten wie schnelles Ausweichen und Selbstheilung sind die Kämpfe “leider” absolut nicht fordernd und ziehen sich teilweise nur unnötig in die Länge. Apropos Fähigkeiten, wie bei jedem anderen Rollenspiel dürfen wir auch in Vampyr unsere gesammelten Erfahrungspunkte in neue Fähigkeiten investieren. Diese sind in Aktive und Passive unterteilt und bereits erworbene Fähigkeiten dürfen durch verschiedene Unterpunkte weiter verbessert werden. Als Waffen stehen uns diverse Nah-und Fernkampfwaffen zur Verfügung.

 

Vampyr hat zwar an vielen Punkten gute Ansätze, diese wurden aber leider nicht konsequent genug in die Tat umgesetzt. Warum öffnen die Leute in der Nacht extremst vorsichtig die Türen, wenn man nach dem Betreten ohne Kommentare die komplette Bude ausräumen kann? Das Spiel baut auf der einen Seite eine unglaubliche Atmosphäre auf, zerstört diese aber durch fehlende Details kurzerhand wieder. Das ist wirklich Schade, denn aus dem Spiel und der spannenden Story hätte man so viel mehr machen können.

Auch die Technik sorgt für gemischte Gefühle

Eines Vorweg, Vampyr sieht echt nicht schlecht aus! Speziell das “alte” London hat es mir echt angetan. Seien es die Gassen, die Häuser oder die Unterschlüpfe, in allem erkennt man die Liebe zum Detail. Doch warum steckt diese Liebe nicht auch in den Charakteren, wenn das Sozialsystem auch eines der Highlights sein soll? Nicht nur das diese teilweise hölzern aussehen, nein, sie wirken dank der stumpfen Mimik auch so. Leider gesellt sich speziell bei den Konsolenversionen ein weiterer Kritikpunkt hinzu. Denn diese haben mit aufploppende Texturen und zeitweise Performanceschwierigkeiten (selbst auf der Pro/One X) zu kämpfen.

Blut oder Knoblauch das ist hier die Frage? Dontnod bestreitet zwar mit Vampyr wieder neue Wege und macht dabei auch vieles richtig, nur leider wurden die guten Ansätze nicht konsequent genug umgesetzt. Das Spiel baut auf der einen Seite eine glaubwürdige Atmosphäre auf, nur um diese kurzerhand wieder zu zerstören. Das stört auf Dauer und zieht sich leider wie ein roter Faden durch sämtliche Bereiche des sonst spaßigen Spiels. Wer die Wahl hat, sollte sich den Blutsauger auf dem PC reinziehen, da die Konsolenversionen mal immer wieder ins Stocken kommen. Wer auch noch über die “kleinen” Schwächen hinwegsehen kann, der sollte den Knoblauch im Kühlschrank lassen und die rund 30 Stunden geniessen.

PRO

  • Spannende Story
  • Dialoge mit den NPC´s
  • London im Jahre 1918
  • Viele Nebenquests
  • Frei Handlungsentscheidung
  • Spielstil beeinflusst Schwierigkeitsgrad

KONTRA

  • Charakter oft hölzern
  • Bosskämpfe ziehen sich unnötig
  • Etwas zu leicht
  • Viele unerklärliche Barrikaden
  • Wird zu oft aus der Atmosphäre gerissen
  • Lange Ladezeiten bei neuen Gebieten/Gebäuden
7.6

Spielenswert

Gameplay - 7.2
Grafik - 7.5
Sound - 8.2
Inhalt - 7.9
Atmosphäre - 7.3

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