Xenoblade Chronicles 2 | Test

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Der neue Anwärter auf den JRPG-Thron exklusiv für die Switch!

Mit Xenoblade Chronicles II schickt Nintendo bzw. Monolith Soft, die schon mit Zelda: Breath of The Wild einen Megahit hinlegten, einen gewaltig potenten Anwärter für den JRPG Thron ins Rennen. Mit kreativem Kampfsystem, sympathischen Charakteren, epischer Story und einer lebendigen Welt, kann Xenoblade von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann ziehen und könnte die nächste große Reihe, die Final Fantasy mühelos Konkurrenz machen kann, werden.

Xenoblade Chronicles 2: Test

Eine wundervolle Welt lädt zum Erkunden ein!

 

Weltenbaum, Wolkenmeer, Elysium und das Leben auf Titanen

Wir starten als ein junger Wolkentaucher (Salvager) namens Rex, der unverhofft in ein Abenteuer geschmissen wird, das sein Leben und das aller anderen Bewohner dieser Welt auf den Kopf stellen soll. Einst lebten die Bewohner dieser Welt alle laut Legende in Elysium, wurden dort aber ins ewige Wolkenmeer verbannt, wo riesige und Ur-alte, aber bald aussterbende Titanen nun als Kontinente und Zuflucht für die Menschen und den Knuddel-Wesen Nopons dienen. Auch Rex lebt auf einem kleineren Exemplar und verdient sich seinen Unterhalt mit dem Wolkentauchen, wo er verschiedenste Schätze hervorholt. Bei einem Auftrag stößt er aber auf eine sogenannte Klinge (Blade), namens Pyra, die ihn als Meister (Driver) auserwählt [dazu später mehr] und so startet das Abenteuer voller Wendungen, Freundschaft und natürlich zahlreichen Gefahren.

Auf der Flucht mit dem Titanen und der Meisterin Nia geht so einiges schief. Sowohl Pyra als auch Rex wollen ab sofort das verschollene Elysium, das auf schwindelnder Höhe im Gipfel des Weltenbaums liegen soll, erreichen. Kein leichtes Unterfangen, wie sich bald herausstellen soll. Präsentiert wird alles recht Anime-Artig und man muss schon ein Faible für JRPGs haben, da man doch oftmals recht kitschige Momente erlebt, aber das hatte auch schon Final Fantasy immer wieder mit skurrilen Charakteren und Einlagen gemacht. Wirklich ausartend wird das aber zum Glück nicht. Interessant dabei ist, dass Erschaffer Tetsuya Takahashi sich Themen von Friedrich Nietzsche und weitere philosophische Ansätze in der Xenoblade Serie verarbeitet, auch wenn die Serie nicht zusammenhängend ist und jeder Teil seine eigene Welt und Geschichte erschafft.

Es gibt viel zu tun

Aber nicht nur Elysium will gefunden werden, nein auch auf den verschiedenen Titanen bzw. in den Städten darauf kann allerlei erledigt werden. Neben Shopping-Touren, Erkundung der riesigen, offenen Welten und Monsterjagd, haben die Bewohner allerlei zu tun für Rex und seine Klingen und Freunde. So wird in guter alter World of Warcraft Manier auf der Karte ein bedürftiger NPC angezeigt, der einem auch in leider recht angestaubter Mechanik nach Items schickt, Monster töten lässt oder andere Laufaufgaben parat hat. Dafür gibt es aber Belohnungen in Form von Items, Erfahrung und Gold. Noch dazu verbessert sich dann dein Ruf, sodass Händler neue oder günstigere Artikel verkaufen, was durchaus praktisch ist. Abenteurer mit dem nötigen Kleingeld und einem gewissen Geschäftssinn, können verschiedene Shops sogar komplett erwerben, was weitere Vergünstigungen bringt. Herrscht Armut, kann man Monster grinden, Quests erledigen oder ins Wolkenmeer tauchen, wofür aber Zylinder nötig sind. Per Quicktime-Event und meist einem kleinen Kampf, gibt´s dann wieder neue Items und Materialien. So kann man zig Stunden in Xenoblade verbringen, ohne sich großartig der Story zu widmen.

 

Klingen, Combos und viele Fragezeichen

Das Kampfsystem ist gewaltig komplex, aber doch sehr einsteigerfreundlich. Im Grunde hat jeder eurer Gefährten früher oder später eine oder mehr Klingen – das kann eine hübsche Dame wie Pyra sein, aber auch ein Tier, Krieger oder sonstige Wesen. Manche sind Story-Relevant, andere kann man durch Kernkristalle zufällig erschaffen. Die Klinge unterstützt seinen Meister, der sich in den Kampf stürzt durch die Klassen „Offensiv“, „Defensiv“ oder „Heiler“. Es empfiehlt sich daher primär jede Klasse mit im Kampf zu haben, da man in der Party meist drei Kämpfer hat. Der Offensive teilt schaden aus, der Defensive tankt, während dieser vom Heiler mit Lebenspunkten versorgt wird.

Startet man in einen Kampf, haut Rex automatisch zu, wie man es von MMOs kennt, während Pyra unterstützend arbeitet. Einfache kämpfe kann man also auch ohne Controller bestreiten und einfach mal ohne Gefahr pinkeln oder zum Kühlschrank gehen, oder auch mal das Haustier ranlassen, zumal deine beiden Partymitglieder auch alleine agieren. Dauert etwas länger, ist aber möglich. Das klingt eigenwillig und langweilig, doch um effektiv zu arbeiten gibt es dann doch zahlreiche Möglichkeiten, Combos und andere Hilfsmittel, die aber gar nicht so einfach zu erklären sind und bei schwereren Gegnern auch unausweichlich sind. Zum einen kann man im späteren Verlauf bis zu drei Klingen mitnehmen, wobei immer nur eine aktiv ist. Ist man mal in Bedrängnis, kann man also auch sofort auf eine Heiler-Klasse wechseln um wieder Energie zu tanken.

Weiters laden sich drei ausgewählte Moves währenddessen auf. Diese haben verschiedene Wirkungen, wie: Heiltränke aus dem Gegner prügeln, Stuns, mehr Schaden oder diverse Zustandsveränderungen. Diese sind abhängig von der ausgewählten Klinge, denn damit wechselt sowohl die angelegte Waffe als auch das Move-Set automatisch. Als vierten Move gibt es die Fusion-Combo, die man mit seiner Klinge auf vier verschiedenen, möglichen Stufen anwenden kann. Je länger man wartet, umso wirkungsvoller die Combo. Das Ganze lässt sich aber noch toppen, denn wenn ein Partymitglied diesen bereit hat, kann man ihm befehlen diesen auszuführen und bekommt dann eine Art Route angezeigt, welches Element (jede Klinge besitzt eines wie Feuer, Wasser, Wind usw.) auf Stufe II und dann auf Stufe III einzusetzen ist. Timed man das perfekt, gibt es einen sehr starken Angriff mit schicker Cut-Scene. Jedoch wird der Gegner gegen dieses Element resistenter, weshalb man auf andere Klingen/Elemente zurückgreifen sollte, wenn man dies nochmal ausführen möchte. Aber keine Bange, das Spiel führt einen sachte daran ran und so ist es auch kein Problem, wenn man das erst nach 10-15 Stunden vollends kapiert. Wem das am Anfang zu steil ist, der wird aufgrund der fesselnden Welt dennoch dran bleiben, da bin ich mir sicher.

Leveln, looten, Leveln

Auch hier wird es zunächst relativ komplex, da es zahlreiche Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Rex und seine Freunde leveln primär ganz klassisch und bekommen mit jeder Stufe bessere Attribute. Dazu können aber mit weiteren Punkten, die man sich mühsam bei jedem Mob dazuverdient, die Moves verbessert werden. Jede Klinge kann dann noch weiter ausgebaut werden. Die Waffe zur Klinge kann zum einen mit bestimmten Steinen umgebaut werden, dazu gibt es einen sogenannten Harmoniering als Skill-Tree, der sich durch Interaktionen mit der Welt weiter verbessert. Zum Beispiel: Sammelt man 20 Stück der Kategorie „Technik“, bekommt Nia´s Klinge Dromarch 25% mehr Schaden auf kritische Treffer. Da gibt es zahllose Möglichkeiten. Bestimmte Monstertypen töten, diverse Interaktionen mit NPCs und der Umwelt oder eben Sammel-Items. Dazu kommen noch 1-2 Ausrüstungs-Slots pro Charakter und Modifikationen für Klingen. Poppi ist da aber als künstlich intelligente Klinge nochmal eine weitere Baustelle, die den Rahmen nun sprengen würde. Aber auch das wird nach und nach erklärt. Lustig nur, dass man mit einem Minigame, das optisch und soundtechnisch etwas an Zelda am NES erinnert, Modifikationen freispielen kann. Nochmal eine andere Punkte-Kategorie kann man in einem kleinen Skilltree verteilen um gewisse Vorteile wie mehr Stärke, Agilität usw. oder Fähigkeiten freizuschalten. Nach 2-3 Stunden Spielzeit kann man schon mal 20 min in der Charakter- und Klingenentwicklung verplempern.

Neben dem klassischen Loot, den man von Gegner bekommt, kann man wie bereits erwähnt Wolkentauchen gehen oder in der Welt sehr großzügig verteilte Kisten finden bzw. Loot-Plätze, die meist Nahrung, pflanzliche Items oder sogar Schrauben hergeben, ausräumen. Diese spawnen auch immer wieder. Grinden kann man in Xenoblade also ohne Ende, egal ob Loot oder Erfahrung. Die klingen haben dann auch noch Fähigkeiten die sich automatisch durch euer Verhalten verbessern. Primär spielt die Bindung zwischen Driver und Blade ein große Rolle, aber auch Fähigkeiten wie Schlösser knacken, hoch springen oder Hindernisse mit Feuer aus dem Weg räumen, sind im Spiel hilfreich und lassen euch an besondere Schätze rankommen.

 

Eine wunderschöne Welt

Die Welt von Xenoblade ist mit seinen riesigen Titanen, die sich bewegen, sprechen und die Umgebung dadurch auch oftmals verändern, nicht nur kreativ, sondern auch wunderschön mit seinen abwechslungsreichen und weitläufigen Gebieten. Dass die Switch da natürlich gegen die PS4 Version von Final Fantasy XV grafisch den Kürzeren zieht, ist jetzt keine Überraschung, doch die Welt von Xenoblade wirkt dafür noch viel lebendiger und abwechslungsreicher. Aufpoppende Gegner und NPCs, kleinere Slow-Downs, sowie zu spät nachladende Texturen nimmt man bei den quasi nicht vorhandenen Ladezeiten dann auch gerne in Kauf. Auch für die Ohren gibt es einen wunderschönen Mix aus Musik und Sounds aus Zelda, Herr der Ringe und FF. Der Sound beim Quest-Abschluss klingt hingegen verdächtig nach Back To The Future. Einzig die Kakophonie an Sprüchen während des Kampfes geht bald auf den Senkel, da jeder Charakter sämtliche Moves IMMER ansagt und menschliche Gegner auch ständig den gleichen Senf dazu geben. Das lässt sich aber auch nicht deaktivieren. Eigenwillig, aber definitiv schlecht ist die dazugehörige, englische Synchro, die großteils britisch bzw. schottisch tönt, was in Kombination mit dem asiatischen Look doch merkwürdig anmutet, während die deutschen Untertitel mal wieder oft arg danebengreifen.

Auch die Fauna ist vielfältig. Von kleinen Häschen, über verschiedensten Raubtieren bis hin zu Soldaten und anderen Meistern, samt eindrucksvollen Klingen, die einem sich in den Weg stellen, gibt es eine üppige und abwechslungsreiche Palette an Widersachern, die oftmals verschiedenste Taktiken bedürfen, um diese effektiv zu besiegen. Auch optisch machen diese oft großen Eindruck. Es kann somit auch passieren, dass man in einem Low-Level Gebiet mit seinem süßen LVL 10 Charakteren plötzlich von einem LVL 80 Untier von den Beinen geholt wird, denn es gibt auch zahlreiche Unique-Gegner, wenn man schnell mal falsch abbiegen sollte. Ein Ableben ist aber nicht weiter schlimm, da man an den letzten Checkpoint gesetzt wird und alles Gefundene und Erfahrung komplett behalten darf. Also nur ein Soft-Tot.

Auch im Handheld-Modus mit niedrigerer Auflösung ist Xenoblade gut spielbar, wenn auch in den Kämpfen eventuell noch unübersichtlicher, doch gerade für Grindsessions, ist die Methode für unterwegs absolut in Ordnung. Um die schicken Cut-Scenes genießen zu können, bringt der große TV sicher seine Vorteile.

Xenoblade Chronicles II ist ein Überraschungshit auf der Switch, den ich so nicht erwartet habe, zumal ich die Vorgänger so gar nicht auf dem Schirm hatte. Das Teil ist nicht perfekt, macht aber Laune, hat eine sympathische Charaktere, eine packende Story und ein abwechslungsreiches Gameplay, das süchtig macht und für viele Stunden Spielspaß garantiert. Für Fans von alten Final Fantasy oder Tales of… ein Muss.

PRO

  • Riesige, teils frei erkundbare Welt
  • Abwechslungsreiche Gegnertypen
  • Starker Soundtrack
  • Komplexes Kampfsystem
  • Einsteigerfreundlich
  • Packende Story

KONTRA

  • Teils nachladende Texturen
  • In Kämpfen manchmal etwas unübersichtlich
  • Schwach übersetzte Untertitel
  • Kleine Slow-Downs
  • Kakophonie an nervigen Sprüchen in Kämpfen
9

Must Have

Gameplay - 9.5
Grafik - 9.1
Sound - 8.9
Inhalt - 9
Atmosphäre - 8.6
Heavy Music, schnelle Bikes und Sport sowieso – da ich auch im Jahre des Herren 1986 geboren wurde und da auch der NES in Europa das Licht erblickte, war die Konsequenz des Zockens logisch. Da ich auch an verbaler Inkontinenz leide, sind PixelCritics sowie earshot.at perfekte Orte um mein Interesse am Journalismus auszuleben.

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