Marvel’s Midnight Suns | Test

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Publisher 2K Games und X-Com Entwickler Firaxis Games, mehr braucht es eigentlich auch nicht, um zu wissen, dass ihr euch den nächsten großen Marvel Titel definitiv etwas genauer anschauen solltet.

Der Publisher sowie das Entwicklerstudio sind bei weitem keine unbekannten und meine Erwartungen an Marvel’s Midnight Suns waren hoch! Bringt das Game frischen Wind in das Genre und kann es mit den vielen unterschiedlichen Spielmechaniken aufwarten oder ist es doch nur ein X-Com Klon im Marvel Gewand? Ich habe das RPG-Strategie-Kartenspiel im Marvel Universum genau unter die Lupe genommen. Ist Midnight Suns der nächste große Marvel Hit oder der nächste große Marvel Flop, das und mehr klären wir im Test!

Marvels Midnight Suns: Test
Die Schöpfer der von der Kritik gefeierten taktischen XCOM-Serie präsentieren ein spannendes, individuell anpassbares kartenbasiertes Kampfsystem, das cleveres Denken mit Superhelden-Flair belohnt.

DIE STORY

Um was kann es sich bei der Story in einem Marvel Game schon groß handeln? Natürlich geht es darum einen fast unbesiegbaren Feind, der die ganze Welt bedroht, zur Strecke zu bringen und das Marvel like spektakulär in Szene gesetzt. Aber einmal langsam betrachten wir die Story ein wenig mehr im Detail. In Marvel Midnight Suns übernehmen wir als Spieler die Rolle von Hunter. Zwar hat Hunter die Welt schon einmal vor ihrer Mutter Lilith gerettet, doch jetzt hat Hydra, genauer gesagt Doktor Faustus den rachsüchtigen Dämon Lilith wiedererweckt und die Welt steht erneut vor dem Abgrund. Als das Sanktum angegriffen wird, müssen sich drei der Avengers durch die große Macht des wiedererweckten Dämons zurückziehen und die traurigen Verluste, wie das verlorene Sanktum hinnehmen.

Hilfesuchend wenden sich Doctor Strange, Capt. Marvel und Iron Man an Caretaker. In der Abtei angekommen, lernen unsere Helden die Midnight Suns kennen, die sich schnell als Verbündete herausstellen. Nach einem Gespräch mit Caretaker wird auch schnell klar, dass es nur eine einzige Lösung zur Rettung der Welt gibt, Lilith’s Kind Hunter. Obwohl Hunter eigentlich schon seit Jahrhunderten Tod ist, wird sie durch den Meister der Magie „Doctor Strange“ und etwas Hilfe wiedererweckt. Kurz darauf erwartet euch eine aufregende Geschichte mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen, mit den Avengers, Blade, Ghostrider, X-Men, Spider Men und noch einige anderen bekannten Gesichtern!

MARVEL GEMISCHT MIT X-COM

Tatsächlich hatte Jack Solomon und DeAngelis bei einem Interview bekannt gegeben, dass Midnight Suns eigentlich als Marvel im X-Com Gewand geplant gewesen wäre. Die Entwickler haben aber schnell gemerkt, dass das klassische X-Com Gameplay einfach nicht so recht zu den Superhelden von Marvel passt. Da Marvel Entertainment dem Publisher 2K Games und Entwickler Firaxis Games bei der Entwicklung freie Hand gelassen haben, war das klassische X-Com Gameplay schnell vom Tisch. Stattdessen konzentrierten sich die Entwickler auf das Integrieren verschiedener RPG-Elemente, das Aufpolieren des klassischen X-Com Kampfsystems, das Ausbauen von Beziehungen, das Integrieren verschiedener Nebenaufgaben, sowie das Hinzufügen einer durchwachsenen Story im Marvel Universum. Das Ergebnis ist ein Mix aus einem Kartenspiel, X-Com gepaart mit Fire Emblem, welches sich durchaus sehen lassen kann.

DER SPIELABLAUF

Nach der Einleitung und den ersten paar Kämpfen, erstellen wir uns einmal einen Helden und finden uns als Hunter in der Abtei wieder, bereit um das Ende der Welt aufzuhalten und die Schreckensherrschaft von Hydra und natürlich die Dämonenmutter Lilith aufzuhalten. Leichter gesagt als getan, denn es sind vorher eine Menge Missionen zu erledigen und Beziehungen zu pflegen. Durch die Tutorials, die während des Games aufploppen, wird man schnell mit den ganzen Spielmechaniken vertraut gemacht. Ihr spielt in einem Tag und Nacht Zyklus. Untertags heißt es Beziehungen zu pflegen, Upgrades durchzuführen, den Loot einzutauschen und Karten aufzuwerten. Nebenbei könnt ihr die Decks der einzelnen Helden verändern, das Aussehen der Helden anpassen, mit den Helden trainieren und bevor ich es vergesse, natürlich auch euren dämonischen Begleiter und die Katze streicheln!

Habt ihr in der Abtei alles erledigt, könnt ihr bei der Spiegeltafel eine Mission starten. Hier stehen dann mehre Nebenmissionen und eine Mission welche, die Story vorantreibt zur Auswahl. Durch verschiedene Aktionen wie das Ausspielen von bestimmten Karten während des Kampfes oder bei Gesprächen, das Anklicken von speziellen Antworten, bestimmt ihr, welchen Zweig euer Charakter einschlägt. Durch deine Entscheidungen wird Hunter so zu einem sehr starken Support Held, einen Damage Dealer oder wenn ihr die Balance zwischen der dunklen und hellen Seite im Gleichgewicht hält ein wenig was von beiden.

Habt ihr die Mission erfolgreich beendet, findet ihr euch in der Abtei wieder und seid startklar für die nächtlichen Aktivitäten. Auf dem Abteigelände gibt es allerhand zu erkunden und entdecken, mit der Hilfe von Agatha habt ihr auch immer eine ungefähre Ahnung, was ihr Abends als Nächstes zu tun habt. Das Erkunden des Abteigeländes mit seinen Geheimnissen ist allerdings rein optional, was ihr euch aber nicht entgehen lassen solltet!

DAS KAMPFSYSTEM

Das Kampfsystem finde ich persönlich genauso simple wie genial. Am Anfang einer Mission müsst ihr erstmals eure Helden auswählen, mit denen ihr die Mission bestreiten wollt, sowie 2 Karten, die ihr während des Kampfes zur einmaligen Verwendung zur Verfügung habt. Im Kampfgeschehen angekommen, findet ihr euch in einem kleinen Areal wieder. Hier gilt es meistens alle Gegner auszuschalten oder bestimmte Aufgaben zu erledigen, um die Mission erfolgreich zu beenden. Die Kämpfe laufen Rundenbasiert ab. Pro Runde habt ihr drei Aktionen, ein Manöver und zweimal Nachziehen zur Verfügung. Es gibt Karten die Heldenmut kosten und welche die Heldenmut auffüllen. Das bedeutet vereinfacht, ihr könnt ohne zusätzliche Kartenfähigkeiten, drei Karten pro Runde spielen, einmal pro Runde einen Charakter auf einen beliebigen Platz auf dem kleinen Areal hinbewegen und zwei Karten pro Runde gegen andere austauschen. Habt ihr in eurer Runde alle Aktionen und Manöver verbraucht und habt noch Heldenmut übrig, könnt ihr die Umgebung nutzen, um den Gegnern zusätzlichen Schaden zuzufügen.

Natürlich gibt es auch die verschiedensten Gegnertypen, von den sehr leicht zu besiegenden Fußsoldaten, Elitesniper, Schildträgern bis hin zu den gefallenen Bossen wie Venom, Crossbones oder Sabretooth, die alle ihre eigenen Spezialfähigkeiten mitbringen.

Durch die ganzen Zusatzfähigkeiten, mit denen man die Heldenkarten aufwerten kann und die Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Karteneffekte in Verbindung mit Manöver und Umgebungsobjekten Schaden zuzufügen, verleiht dem Game trotz der Einfachheit des Kampfsystems eine großartige taktische Tiefe. Mir ist es anfangs zwar etwas komisch vorgekommen, dass es keine klassische Bewegungsrunde mit Begrenzungen und danach eine Kampfrunde gibt, aber genau das verleiht dem Kampfsystem von Midnight Suns ein einmaliges Feeling, welches sich vom X-Com Genre eindeutig abhebt!

GENÜGEND INHALT

Insgesamt haben die Entwickler versucht wirklich eine Menge verschiedener Features in das Game zu integrieren und haben sich auch viel Gedanken über die Implementierung gemacht. Alles scheint wirklich gut aufeinander abgestimmt zu sein, keines der integrierten Mechaniken wirkt aufgesetzt, fehl am Platz oder als ein „muss“ Feature hinzugefügt. Laut den Entwicklern soll sich die Spielzeit auf bis zu 80 Stunden belaufen. Ich habe das Game zwar selber noch nicht ganz durch, aber mit allen Nebenquests, kann ich mir gut vorstellen, dass man auf die 60–80 Stunden kommt. Rein die Hauptstory schafft man in 40–50 Stunden, allerdings würdet ihr euch bei dem Aufbau des Games eine Menge an Content entgehen lassen!

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DERZEIT NOCH EINIGE BUGS

Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die mich während meines Abenteuers in Midnight Suns schon ziemlich genervt haben. Als erstens, wäre da einmal ein sehr nerviger Bug in der Abtei. Solltet Ihr einmal das Abteigelände durchforsten und euch fällt auf, dass ihr auf einmal nichts mehr einsammeln oder mit nichts mehr interagieren könnt, tippt einmal kurz die Leertaste an, dann funktioniert die E Taste auch wieder. Durch diesen sehr kleine aber lästigen Bug, bin ich nicht einmal an meinem gesuchten Ziel vorbeigelaufen, weil ich dachte hier ist nichts. Zweitens, ist mir in vielen Zwischensequenzen aufgefallen, dass die Stimmen auch im freien sehr nachhallen, als wäre man in einer Kathedrale. Das ist jetzt kein Weltuntergang, aber es irritiert doch ein wenig. Ansonsten hatte ich bei bestimmten Stellen immer wieder ein paar Performanceprobleme und insgesamt 4 Abstürze, wenn ich manuell gespeichert habe. Insgesamt muss ich aber zugeben, sind dies eher kleinere Fehler, welche wahrscheinlich nach Release noch mit Bugfixes behoben werden.

Was ich jetzt nicht wirklich als Bug bezeichnen würde, mich allerdings trotzdem ein wenig gestört hat, sind oftmals die Mimik der Charaktere und des Hauptcharakters. Hin und wieder wirkt es einfach so als ob Hunter zwar anwesend ist und halb passende Antworten parat hat, aber nicht wirklich teilnimmt am Geschehen. Dasselbe bei manchen Gesprächen mit den Helden, wo die Gesichtsausdrücke einfach nicht zu der jeweiligen Situation passen. Dieses Problem kenne ich von sehr vielen Games mit RPG Elementen, wo es aber noch viel schlimmer ausgeprägt ist. Bei Midnight Suns, ist es halb so schlimm und tritt eher selten auf.

GRAFIK & SOUND

Bei der Musik und dem Sound gibt es wenig zu Meckern. Die Soundeffekte bei den Kämpfen sind wirklich gut gewählt und die Hintergrundmusik passt ins Gesamtbild. An keiner Stelle des Games ist mir die Musik oder manche Soundeffekte irgendwie nervig erschienen, das ist schon ein sehr guter Ausgangspunkt! An der Grafik gibt es ebenfalls wenig auszusetzen und in 4K sieht das Game wirklich gut aus. Natürlich kommt es an ein reines RPG wie Elden Ring nicht heran, aber ich glaube, das würde man sich von so einem Game auch nicht erwarten. Ein paar der Kampfeffekte und Animationen sind wirklich verdammt cool gemacht und haben mir immer wieder aufs Neue gefallen, ohne langweilig zu werden. Ich habe das Spiel mit einer 3080 und 1080 getestet und mit beiden Grafikkarten ist es anstandslos auf den höchsten Einstellungen in 4K gelaufen.

MEINE GEDANKEN

Wie oben bereits geschrieben wurde wirklich versucht eine Menge an Features in das Game zu integrieren. Bei Tony Stark und Doctor Strange, kann man seinen gesammelten Loot nach jeder Mission eintauschen, ein tägliches Training abschließen, Karten Aufwerten und auch Verwerten, die Decks der Helden verändern, den Hof verbessern, Geschenke kaufen, den Charakteren einen anderen Haarschnitt oder Klamotten verpassen, auch die Beziehungen zu den anderen Helden erhöhen und nicht zu vergessen, jeden Abend auf Rätsel jagt gehen und da sind wir noch nicht am Ende der Liste. Das hört sich erstmal viel an und ja, es gibt in Marvel’s Midnight Suns, ohne Frage eine Menge zu tun.

Allerdings bestehen die Decks nur aus 8 Karten, das vereinfacht das Umbauen der Decks enorm und man ist nie wirklich lange damit beschäftigt. Natürlich gibt es ein paar verschiedene Effekte, die mit anderen Fähigkeiten kombinierbar sind, aber selbst diese sind einfach viel zu schnell verinnerlicht, als wirklich lange mit dem Deckbau beschäftigt zu sein. Man bekommt nach jeden Kampf neue Karten, schaut, ob eine besser als eine andere ist oder ob man genug Ressourcen hat eine Karte im Deck aufzuwerten und das war es auch schon. Das Hinzufügen von zusätzlichen Fähigkeiten durch das Aufwerten der Karten, ist wirklich ein cooles Feature, welches aber mit einem Mausklick erledigt ist.

Anfangs kommt noch das Gefühl hoch, dass der Inhalt des Games einfach kein Ende findet und mit immer neuen Features aufwarten kann. Nach ein paar Stunden wird aber schnell klar, dass viele Aspekte des Spiels einfach ein wenig „minimalistisch“ gehalten sind.

Die nächtlichen Ausflüge auf dem Abteigelände sind teils wirklich interessant. Alleine wegen der Sidestory, aber die Rätseleinlagen laufen eigentlich immer auf „Suchen und Finden“ hinaus. Das Abteilgelände selber mag zwar halbwegs groß sein, aber das schlauchartige Wegdesign stößt mir auch ein wenig bitter auf. Es läuft einfach alles auf ein schnelles, sich ständig wiederholendes Gameplay hinaus. Die meiste Zeit des Games nimmt eindeutig das Pflegen der Beziehungen in Anspruch. Das mag jetzt nicht zwingend ein Kritikpunkt sein, überhaupt, da es sich um ein Marvel Spiel handelt und man Beziehungen zu den beliebten Superhelden aufbaut. Wer allerdings mit sehr storylastigen Spielen alá Fire Emblem eher wenig anzufangen weiß, wird mit Midnight Suns keine Freude haben.

Ich habe diesen Punkt absichtlich „Meine Gedanken“ genannt. Denn es ist nicht wirklich keine Kritik gegen das Spiel selbst, aber Punkte welche den ein oder anderen an Midnight Suns stören könnten. Ich denke, die Entwickler haben den Ablauf absichtlich so gewählt, damit man sich eben mit keinem der Features wirklich lange auseinandersetzen muss, einen schnellen sowie leichten Einstieg hat und sich hauptsächlich auf die motivierenden taktischen Kämpfe sowie die fesselnde Haupt/Nebenstory konzentrieren kann.

FAZIT

PRO

  • Frischer Wind bei rundenbasierten Games
  • Gute Story
  • Lange Spielzeit
  • Motivierendes Gameplay
  • Kaum Frustmomente
  • Gute Grafik
  • Einsteigerfreundlich
  • Upgrade Möglichkeiten
  • Viele unterschiedliche Schwierigkeitsgrade
  • Viele Möglichkeiten zur Charakterveränderung
  • Nicht nur für Marvel Fans

KONTRA

  • Rätsel nicht fordernd
  • Leveldesign des Abteigeländes sehr Schlauchartig
  • Mimik der Charaktere nicht immer passend
  • Oft hallender Ton bei Gesprächen im freien
  • Viele Spielmechaniken minimalistisch gehalten
  • Zu wenig Abwechslung der Nebenmissionen
  • An bestimmten Stellen leichte Performanceprobleme
  • Ein paar kleine Bugs vorhanden
9

Must Have

Gameplay - 9
Grafik - 9
Sound - 8.5
Inhalt - 9.1
Atmosphäre - 9.2
Seit Dino Wars oder North&South am Amiga hat sich in der Spieleindustrie so einiges verändert, aber meine Leidenschaft für Videospiele nicht! Mit dem Alter von 5 Jahren hatte ich zum ersten Mal einen Joystick in der Hand und seit diesem Moment war die virtuelle Welt wie ein zweites Zuhause für mich. Ich finde so ziemlich jedes Genre interessant, selbst wenn es sich um einen kleinen Indie-Titel handelt. Die aktuellste Nintendo Konsole und ein leistungsstarker PC gehören bei mir zu der Grundausstattung. Bei meiner Begeisterung für den Journalismus in Verbindung mit Videospielen gab es da nur eine logische Konsequenz. Redakteur bei PixelCritics werden, um mein Interesse beider Welten auszuleben.

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