Nintendo bricht das Schweigen und kündigt mit Metroid Ravenous ein neues 2D-Abenteuer rund um Kopfgeldjägerin Samus Aran an. Nach einem tödlichen Hinterhalt strandet die Kriegerin auf einem finsteren Mond und kämpft gegen eine erdrückende Übermacht um ihr Überleben. Statt auf bewährte Sicherheitsabstände setzt das Sequel auf eine unbarmherzige Raubtier-Mechanik, die feindliche Angreifer direkt in frische Lebensenergie verwandelt und vertraute Dogmen zerschlägt.
Blutiger Hitstop und die Jagd nach Biomasse
Über Jahrzehnte hinweg definierte sich die Reihe über kühle Distanz: Aus sicherer Entfernung scannten wir fremde Gänge ab, luden Beams auf und hielten feindliche Kreaturen mit methodischen Salven auf Abstand. Metroid Ravenous zerschlägt diese schützende Komfortzone in der ersten Sekunde und reißt uns frontal in die Zähne des Gegners. Die im Vorfeld spekulierte Nahkampf-Wende entpuppt sich als messerscharfe Realität: Samus führt nun eine energetische Klinge an ihrer Armkanone, mit der sie Chitinpanzer spaltet und organische Bedrohungen im Nahkampf seziert.
Das Kampfsystem übernimmt das reaktive Kontern aus dem Vorgänger, schraubt den Treffer-Impact durch harten Hitstop und drastische Kamerafahrten aber auf ein völlig neues Niveau. Pariert ihr den Ansturm einer Bestie im exakten Zeitfenster, folgt kein simpler Rückstoß mehr. Samus fixiert ihr Opfer, wechselt für den Bruchteil einer Sekunde in eine dichte Schulteransicht und saugt dem geschwächten Feind direkt die Lebenskraft aus.
„Fressen oder gefressen werden“ ist nicht bloß eine griffige Tagline, sondern die spielerische Lebensader. Getötete Monster hinterlassen keine schwebenden Energiebälle mehr, die man im Vorbeigehen einsammelt. Wer überleben will, muss sich die Biomasse aktiv und unter ständigem Risiko einverleiben. Hinzu kommt ein spektakulärer Sturztritt aus vollem Lauf, der gegnerische Deckungen durchbricht und nahtlos in schnelle Klingen-Kombinationen übergeht. Das Spieltempo zieht spürbar an, die Trägheit alter Tage weicht purer Aggression.
Fünf Weltraum-Ninjas und ein biomechanischer Albtraum
Diese unbändige Wut entspringt keinem Zufall, sondern einer existenziellen Zwangslage. Wie frühe Gerüchte um Ravenous bereits andeuteten, setzt die Story nahtlos am Finale von Dread an. Samus’ Rüstung hat ihre klassische Eleganz verloren: Der Kampfanzug wirkt fremdartig, fast insektenartig verwachsen, durchzogen von pulsierenden Sehnen und metallischem Schimmer. Die Metroid-DNA hat ihren Körper dauerhaft verändert, und dieser biologische Fluch wird zur einzigen Waffe gegen das drohende Ende.
Gleichzeitig verabschiedet sich das Abenteuer von den kalten E.M.M.I.-Forschungsrobotern. An ihre Stelle tritt ein Quintett vermummter Assassinen – laut den Entwicklern fünf berüchtigte Weltraum-Ninjas, die Samus das Schiff unter dem Hintern weggeschossen und sie auf dem giftigen Mond zum Sterben zurückgelassen haben. Diese Widersacher lauern in den weitverzweigten Höhlensystemen und fordern uns zu erbitterten Einzelduellen heraus, bei denen jeder verpatzte Konter den sofortigen Tod bedeutet.
Bemerkenswert ist auch der Tonfall: Samus Aran bricht ihre traditionelle Stille und übernimmt im gezeigten Material selbst die Rolle der Erzählerin. Mit rauer, fester Stimme rekapituliert sie ihren Überlebenskampf. Das verleiht der Einsamkeit in den tiefen Schächten eine düstere persönliche Schwere, die man bei Nintendo-Produktionen in dieser Härte selten erlebt.
MercurySteams Meisterstück zementiert Nintendos Hardware-Zukunft
Verantwortlich für diesen stilistischen Kraftakt zeichnen einmal mehr die spanischen Entwickler MercurySteam. Nach dem überragenden Erfolg von Metroid Dread beweist das Studio endgültig, dass sie das Metroidvania-Genre blind beherrschen. Anstatt sich auf Lorbeeren auszuruhen, dreht das Team die Schrauben bei Wucht, Beweglichkeit und Feinddesign noch weiter an.
Der Titel markiert gleichzeitig ein klares Bekenntnis zur aktuellen Plattform-Generation. Metroid Ravenous erscheint am 28. Januar 2027 exklusiv auf der bereits etablierten Switch 2. Eine Version für die alte Vorgänger-Konsole existiert nicht. Dass dieser Schnitt notwendig war, untermauern die technischen Eckdaten im eShop: Satte 20,2 Gigabyte bringt der Titel auf die Waage – fast das Fünffache von Dread.
Neben knackigen HDR-Farben sticht vor allem der Support für 120 Hertz heraus. Für ein Spiel, dessen Kampffluss von Frame-genauen Parierfenstern und blitzschnellen Richtungswechseln lebt, ist diese Bildrate ein gewaltiger Schritt nach vorn. Parallel zum Release bringt Nintendo neben einer SteelBook-Edition auch zwei frische Amiibo-Figuren auf den Markt, die Samus in ihrer mutierten Rüstung sowie eine Chozo-Statue abbilden. Nach jahrelangem Warten bekommt die 2D-Saga endlich den technischen Glanz, den sie verdient.
