Asobo Studio lässt die Ratten im Mittelalter zurück. Der siebenminütige Gameplay Trailer zu Resonance: A Plague Tale Legacy zeigt eine Serie, die mit ihrer eigenen Formel bricht — und dabei erstaunlich souverän wirkt. Sophia ersetzt Amicia, ein Enterhaken ersetzt die Steinschleuder, und statt ängstlichem Weglaufen stehen jetzt präzise Paraden im Zentrum.
Was bei der ersten Enthüllung von Resonance: A Plague Tale Legacy noch vage klang, wird im neuen Material konkret: Das ist kein Stealth-Spiel mehr. Und das ist die beste Entscheidung, die Asobo für diesen Ableger treffen konnte.
Das neue Kampfsystem: Parieren, Enterhaken und das Ende der Schleicherei
Sophia führt Dolch und Schwert — und sie weiß beides einzusetzen. Der Trailer zeigt, wie sie sich gegen größere Gegnergruppen behauptet, indem sie Angriffe pariert und zu schnellen Kombinationsangriffen ansetzt. Die ausführliche Hands-on-Vorschau von Eurogamer vergleicht das Rhythmusgefühl der Kämpfe mit Ghost of Tsushima und den Batman-Arkham-Spielen — kein Zufall, sondern eine klare Design-Entscheidung.
Der Enterhaken ist das vielseitigste Werkzeug in Sophias Arsenal. Sie zieht Gegner damit zu sich heran, schleudert sie in Abgründe oder unterbricht deren Angriffe auf Distanz. Das erinnert an die Seilmechanik aus Sekiro, fügt sich aber organisch in den flow der Gefechte ein. Hinzu kommt ein kleiner Fähigkeitenbaum, über den sich neue Moves freischalten lassen — und verschiedene Schwerter, die jeweils eigene Kombo-Abschlüsse mitbringen.
Was der PR-Text noch als „spannende Stealth Mechaniken“ verkauft, relativiert die Hands-on-Erfahrung deutlich: Stealth spielt praktisch keine Rolle. Producer Eric Chort deutete im Interview lediglich „Geheimnisse“ an, ohne konkret zu werden. Für Fans der ersten beiden Teile mag das ein Schock sein. Aber Sophia als neue Protagonistin der Reihe kommt aus einer völlig anderen Welt als Amicia — sie ist Piratin, Kämpferin, kein verängstigtes Mädchen auf der Flucht.
Zwei Zeiten, ein Fluch: Theseus und die minoischen Rückblenden
Das zweite große Versprechen des Trailers ist die doppelte Zeitlinie. Während Sophia im Mittelalter die Insel des Minotaurus erkundet, wird sie immer wieder in Rückblenden in die minoische Zeit katapultiert — in den Körper des legendären Helden Theseus. Knapp 2.000 Jahre liegen zwischen den beiden, verbunden durch die Macula, jene uralte, unheimliche Macht, die Serienfans aus Innocence und Requiem kennen.
In den Theseus-Sequenzen ändert sich das Spielgefühl grundlegend: Gladiatorenkämpfe in donnernden Arenen, ein eigenes Moveset mit Flächenangriffen und eine völlig andere physische Wucht. Die Eurogamer-Vorschau beschreibt eine Arena-Szene, in der Theseus Gegner mit spartanischen Tritten von einer Plattform befördert — ein Spektakel, das mit Sophias eher methodischer Erkundung der Tempelruinen kontrastiert.
Die Lichträtsel der Spielwelt verbinden beide Zeitebenen. Sophia manipuliert Lichtstrahlen mit einer gestohlenen minoischen Sphäre, um uralte Mechanismen zu aktivieren — Rätsel, die ohne Hilfestellung auskommen wollen und den Spieler zwingen, tatsächlich nachzudenken. Sophias Notizbuch mit Skizzen und Hinweisen erinnert dabei stark an Nathan Drakes Journal aus Uncharted.
Release, Game Pass und eine mutige Wette auf den Sommer
Resonance: A Plague Tale Legacy erscheint am 27. August 2026 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S — und steigt ab dem ersten Tag in den Xbox Game Pass ein. Focus Entertainment nimmt Vorbestellungen auf Steam und im Epic Games Store bereits entgegen. Xbox Play Anywhere wird ebenfalls unterstützt.
Der August-Termin ist eine Kampfansage. In einem Sommer, der mit Gears of War: E-Day im Oktober den nächsten Blockbuster bringt, positioniert Asobo sein Action-Adventure bewusst in einem weniger überfüllten Fenster. Die Termin-Ankündigung zu Resonance hatte bereits klargemacht: Das Studio will mit diesem Prequel nicht nur die Fanbase bedienen, sondern ein neues Publikum erschließen — Spieler, die mit Schleichen nie warm wurden, aber ein gutes Kampfsystem zu schätzen wissen.
Ob die Rechnung aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie tief das Kampfsystem wirklich ist. Der Trailer deutet Variation an, die Vorschau lobt die Treffermeldungen und Animationen. Aber Gegnermassen auf engem Raum mit robusten Mini-Bossen können schnell frustrieren, wenn das Balancing nicht sitzt. Asobo hat mit dem Microsoft Flight Simulator 2024 zwar technische Großprojekte gestemmt — ein Action-Kampfsystem dieser Komplexität ist für das Studio aber Neuland.
