Mit CONQ: Crown Of No Quarter wagt Entwickler Athena Game den wuchtigen Vorstoß in ein unverbrauchtes Hybrid-Genre. Der Titel soll im Jahr 2027 für PC und PlayStation 5 auf den Markt kommen, während Besitzer einer Xbox Series X/S vorerst in die Röhre schauen. Im Zentrum steht ein nahtloser Wechsel zwischen erbarmungsloser Nahkampf-Action und der strategischen Koordination kompletter Heerscharen zu Lande wie zu Wasser.
Wenn das Breitschwert auf die Taktikkarte prallt
Wer schon einmal in Mount & Blade mühsam seine Truppenformationen geordnet hat, während feindliche Reiter in die Flanke krachten, kennt den Reiz dieses Spagats. Athena Game zieht genau hier die Daumenschrauben an und verzahnt ungefiltertes Hack-and-Slash mit der Übersicht eines Feldherrn. Ihr steht nicht bloß als unbeteiligter Befehlshaber auf einem Hügel, sondern stürzt euch mitten in die feindliche Infanterie, schlagt Breschen in Schilde und wechselt im nächsten Wimpernschlag auf die übergeordnete Frontlinie.
Dabei setzt der Titel auf verschiedene spielbare Figuren, die jeweils mit eigenen Waffengattungen und Kampfstilen ins Gefecht ziehen. Ob ihr mit schweren Zweihändern durch die gegnerischen Reihen pflügt oder mit flinkeren Klingen gegnerische Vorstöße abfangt, bestimmt den Rhythmus auf dem Schirm. Das eigentliche Ziel bleibt jedoch stets der gegnerische Truppenführer, zu dem ihr euch erst einmal durch dichte Formationen und zähe Abwehrriegel vorkämpfen müsst.
Dieser Spießrutenlauf verlangt ein feines Gespür für Timing, denn wer seine eigene Streitmacht an der falschen Flanke verheizt, steht plötzlich völlig isoliert vor den Klingen der feindlichen Elitetruppen. Umso entscheidender wird das Terrain, auf dem diese blutigen Konfrontationen überhaupt ausgetragen werden.
Epochenkriege im Jenseits und brennende Galeeren
Die Spielwelt schickt euch dafür in ein ziemlich finsteres Szenario namens Eternal Shift. Hier landen die Seelen gefallener Krieger in einer Art korrumpiertem Jenseits, in dem alte Allianzen längst in Asche liegen und Armeen aus völlig unterschiedlichen Epochen in endlosen Schlachten aufeinanderprallen. Statt steriler Arenen werfen die Entwickler riesige Ländereien und umkämpfte Festungen in den Ring, bei denen jeder Meter Boden mit virtuellem Schweiß bezahlt werden muss.
Besonders spannend wird es, sobald sich das Kampfgeschehen auf die offene See verlagert. Neben schlammigen Belagerungen zu Lande müsst ihr gegnerische Flottillen abfangen, Entermanöver koordinieren und feindliche Schiffe mit dröhnenden Kanonenstürmen auf den Grund des Ozeans schicken. All dieses Chaos dient letztlich nur einem einzigen Zweck, nämlich der sogenannten Krönung, bei der ihr die rivalisierenden Generäle systematisch ausschaltet und deren Hoheitsgebiete einfordert.
Der Mix aus Galeeren-Duellen, berittenen Angriffen und direktem Nahkampf klingt auf dem Papier nach einem wahren Traum für Taktik-Fans mit schnellem Zeigefinger. Ob dieses gewaltige Räderwerk aus verschiedenen Mechaniken am Ende aber auch technisch sauber ineinandergreift, wird sich erst noch beweisen müssen.
Der weite Weg bis 2027 und ein harter Schlag für Microsoft
Genau hier beginnt die lange Geduldsprobe für die Spielerschaft, denn vor dem Jahr 2027 wird der Titel nicht auf unseren Festplatten aufschlagen. Athena Game nimmt sich spürbar viel Zeit, um das ambitionierte Konstrukt zu schleifen, was angesichts des doppelten Entwicklungsaufwands für Action-Steuerung und Truppen-KI auch bitter nötig ist. Wer auf halber Strecke zwischen Rollenspiel und Strategie ins Stolpern gerät, liefert im schlimmsten Fall zwei halbgare Hälften statt eines runden Meisterwerks ab.
Für Microsofts Konsolen-Lager hält die Ankündigung derweil einen herben Dämpfer bereit. Das Projekt wurde prominent im Rahmen von Sonys State of Play präsentiert und erscheint ausschließlich für PlayStation 5 sowie den PC. Während sich PC-Strategen und PS5-Zocker bereits auf epische Feldzüge einstellen dürfen, bleibt die Xbox Series X/S komplett außen vor. Athena Game lässt sich damit eine beachtliche Zielgruppe entgehen, verschafft sich durch die Fokussierung auf zwei Plattformen aber immerhin dringend benötigte Luft bei der technischen Optimierung.
Sollten die Entwickler das Versprechen des nahtlosen Wechsels zwischen persönlichem Kampfrausch und strategischer Flottenführung einlösen, erwartet uns 2027 ein echtes Brett. Bis dahin heißt es abwarten, ob die Vision des ewigen Krieges dem eigenen Anspruch standhält oder am Ende an der eigenen Maßlosigkeit scheitert.
