Kylian Mbappé ziert das Cover, The Grounds wird ein sozialer Treffpunkt, und der Transfermarkt bekommt endlich realistische Gebote. EA Sports FC 27 klingt nach einem soliden Jahr. Nur dass der Vorgänger auf Steam bei 48 Prozent positiver Bewertungen stand – und die Liste der technischen Baustellen länger war als die Feature-Liste irgendeines Ablegers seit Jahren. Der Gameplay-Trailer, der den Release am 25. September bestätigt, zeigt einen Haufen neuer Ideen. Die Frage ist, ob dieses Mal auch die Umsetzung stimmt.
The Grounds, Transfermarkt, FUT Gallery – die Neuheiten, die auffallen
Die auffälligste Neuerung heißt The Grounds – ein sozialer Hub, in dem Spieler aufeinandertreffen können, bevor es auf den Platz geht. EA beschreibt den Ort als zentrale Anlaufstelle für Aktivitäten wie Kickabouts, also informelle Kleinfeld-Spiele, die eher an den Hub von NBA 2K oder die Lobbys von Rocket League erinnern. Das klingt nach einem echten sozialen Raum, nicht nur nach einem weiteren Menüpunkt. Spannend: The Grounds ist exklusiv für PlayStation 5, Xbox Series X/S, PC und Nintendo Switch 2 – wer auf PS4 oder Xbox One unterwegs ist, sieht nichts davon. Dass EA dennoch an der alten Generation festhält, hatte der Leak von Billbil-kun bereits vor der offiziellen Bestätigung gezeigt.
Im Karrieremodus gibt es einen überarbeiteten Transfermarkt mit Rückkaufklauseln, realistischen Spielerwerten und aktiven Geboten mehrerer Clubs – ein Feature, das Spieler seit Jahren fordern, das aber in der FIFA-Ära nie priorisiert wurde. Ultimate Team bekommt mit der FUT Gallery eine Art virtuelle Ausstellungshalle für besondere Karten, Sammlerstücke und Meilensteine. Dazu kommen Gameplay-Anpassungen: dynamischere Eckbälle, verbessertes Angriffsbewusstsein der KI und eine überarbeitete Verteidigungsmechanik, die das Spiel dichter machen soll. Ob das reicht, um das Gefühl von FC 26 zu vergessen, nachdem Mbappés Rückkehr aufs Cover den Reveal-Zyklus eingeläutet hatte, ist eine andere Frage.
Warum The Grounds die Weichen für die Zukunft stellt
Die Entscheidung, The Grounds auf die aktuelle Generation zu beschränken, ist kein Zufall – sie ist ein klares Signal. EA testet, wie weit ein sozialer Hub in der Fußball-Simulation trägt, und zwar genau dort, wo die Spieler die nötige Hardware und Online-Infrastruktur mitbringen. Das erinnert an das, was andere Publisher mit persistenten Lobbys und Live-Service-Räumen vorgemacht haben: Ein Ort, der nicht nur zum Matchmaking dient, sondern zum Verweilen, zur Interaktion, zum Im-Game-Bleiben. Das ist die Richtung, in die sich die Serie entwickeln wird – und die Last-Gen-Versionen sind reine Mitläufer, keine Mitspieler.
Gleichzeitig bestätigt EA mit diesem Schritt, was viele schon befürchtet haben und was auch unser Test zu FC 26 deutlich gemacht hat: Die Zweiteilung in kompetitive und authentische Spielstile war der erste Schritt, The Grounds ist der zweite. EA baut eine Plattform, die über den jährlichen Kader-Update-Zyklus hinausweist. Die Frage ist nur, ob die Basis – das Gameplay, die Server, das Matchmaking – stabil genug ist, um diesen Überbau zu tragen.
Nach dem FC 26-Desaster: Kann EA diesmal liefern?
48 Prozent positive Reviews auf Steam. Ein Crossplay-Exploit, der die Ultimate-Team-Wirtschaft für Wochen aus dem Tritt gebracht hat. Input-Delays, Framerate-Einbrüche, ein Season Pass mit Echtgeld-Komponente in einem Vollpreisspiel – das Bewertungsdebakel von FC 26 war kein Ausrutscher, sondern das Ergebnis eines jahrelangen Vertrauensverlusts. Dass EA heute mit The Grounds und einem neuen Transfermarkt um die Ecke kommt und so tut, als hätte es FC 26 nie gegeben, ist genau das Muster, das die Community so satt hat.
Die neuen Features sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass kein Feature der Welt ein schlechtes Fundament kaschiert. Der Glitch im indonesischen Store, der Spielern für zwölf Cent Hunderte Euro an FC Points bescherte, war kein Bug – er war ein Symptom. EA muss nicht zeigen, was FC 27 kann. EA muss zeigen, dass FC 27 nicht wieder dasselbe wird. The Grounds ist ein erster Schritt in eine neue Richtung. Die Richtung stimmt. Aber ob das Haus hält, hängt nicht vom Hub ab. Sondern davon, ob EA aus den Ruinen von FC 26 gelernt hat.
