Pearl Abyss hat jahrelang an Crimson Desert gefeilt, die Erwartungen waren enorm – und nun ist das Open-World-Actionabenteuer endlich auf dem PC angekommen. Der Launch brachte beachtliche Spielerzahlen mit sich, doch die Stimmung in der Community ist gespalten. Zwischen soliden Metawertungen und einem ernüchternden „Gemischt“-Rating auf Steam klafft eine Lücke, die so manchem Fan zu denken geben dürfte.
Starke Spielerzahlen, aber kein Rekord
Kurz nach dem Release erreichte Crimson Desert auf Steam einen Spitzenwert von 239.045 gleichzeitigen Spielern – eine Zahl, die für sich genommen durchaus respektabel ist. Gemessen am langjährigen Hype und dem enormen Marketingaufwand, den Pearl Abyss in das Spiel gesteckt hat, wirkt sie jedoch eher bescheiden. Zum Vergleich: Titles mit vergleichbarem Vorschusslorbeeren knacken nicht selten die Viertelmillionenmarke spielend und halten diese über mehrere Tage hinweg. Ob das Wochenende noch eine Trendwende bringt, bleibt abzuwarten – doch die ersten Eindrücke lassen erahnen, dass kritische Rezensionen potenzielle Käufer zögerlich gestimmt haben könnten.
Auf Metacritic steht Crimson Desert derzeit bei einem Wert von 78 – kein schlechtes Ergebnis, aber gemessen an den hochgesteckten Erwartungen auch kein triumphaler Einstand. Viele hatten schlicht mehr erhofft.
Gemischtes Steam-Feedback: Was Spieler stört
Das „Gemischt“-Rating auf Steam, das sich aus rund 5.300 Bewertungen mit einer Zustimmungsrate von etwa 67 Prozent zusammensetzt, spricht eine deutliche Sprache. Die Kritikpunkte der Spieler sind dabei recht konkret. Ganz oben auf der Liste steht die Komplexität der Steuerung – und das Fehlen einer Möglichkeit, Tastaturbelegungen nach eigenen Vorstellungen anzupassen. Wer auf individuelle Konfiguration setzt, schaut hier vorerst in die Röhre. Auch die Benutzeroberfläche erhält keine Lobeshymnen: Sie gilt als unübersichtlich und wenig intuitiv, was den Spielfluss empfindlich stören kann.
Hinzu kommt das Inventarmanagement, das ebenfalls als sperrig und umständlich beschrieben wird. Pearl Abyss hat diesbezüglich bereits reagiert und angekündigt, das Lagern bestimmter Gegenstände über die Hausfunktion künftig zu ermöglichen. Wer sich hingegen von einer mitreißenden Erzählung in die Welt von Crimson Desert gezogen fühlen wollte, dürfte ebenfalls enttäuscht worden sein – die Geschichte hinterlässt bei vielen Spielern keinen bleibenden Eindruck.
Stärken und Ausblick: Was das Spiel trotzdem kann
Trotz all dieser Kritikpunkte wäre es ungerecht, Crimson Desert pauschal abzuschreiben. Die visuelle Gestaltung gehört zweifellos zu den herausragenden Qualitäten des Titels – die Welt ist atemberaubend detailliert und technisch auf einem hohen Niveau. Auch das Kampfsystem wird von vielen Spielern und Kritikerinnen als das eigentliche Herzstück des Spiels gelobt: dynamisch, wuchtig und mit einer Tiefe, die zum Experimentieren einlädt.
Pearl Abyss hat signalisiert, das Spiel durch weitere Patches kontinuierlich weiterzuentwickeln. In welchem Umfang das geschieht und ob die Kernprobleme tatsächlich behoben werden, ist noch offen. Der Launch ist jedenfalls kein Desaster – aber auch kein Befreiungsschlag. Für ein Spiel, das so lange auf sich warten ließ, hätte der Einstand durchaus kraftvoller ausfallen können.


