Behaviour Interactive verlässt den gewohnten Horror-Sumpf und zündet auf der Opening Night Live die Ankündigung von Exterminauts. Statt unnahbarer Elite-Soldaten schickt euch der Third-Person Koop-Shooter als gewöhnliche Malocher auf einen verseuchten Planeten, um unter Zeitdruck gigantische Alien-Nester auszuräuchern. Ob die Mischung aus chaotischem Teamplay und gnadenlosem Arbeitsalltag die nächste Koop-Suchtspirale entfacht, hängt an einer ganz heiklen Design-Entscheidung.
Schaumkanonen, Overclocking und der Kampf gegen die Stechuhr
Exterminauts dreht das klassische Waffenarsenal komplett auf links und drückt euch statt Sturmgewehren modifizierte Industriewerkzeuge in die Hände. Ihr zieht mit Eiskanonen, Elektropistolen und Antigravitations-Projektoren in die Schlacht, die eigentlich für Reparaturarbeiten und Schwerlasttransporte gedacht waren. Im Gefecht müsst ihr diese Gerätschaften improvisiert gegen anstürmende Bio-Massen einsetzen, während elementare Kettenreaktionen und kryogene Einfrier-Effekte die Oberhand sichern.
Tempo steht bei den Schusswechseln an oberster Stelle. Wer einfach nur starr hinter Kisten hockt, landet binnen Sekunden als Alien-Futter im Matsch. Ihr schlittert mit vollem Karacho durch enge Schächte, feuert während des Slides mit der Schaumkanone auf heranstürmende Schwärme oder klinkt euch in Seilbahnen ein, um Abgründe fliegend zu überqueren. Die Animation State Machines greifen nahtlos ineinander, wodurch Ausweichrollen und vertikale Manöver flüssig in verheerende Overclock-Angriffe übergehen.
Das Zusammenspiel der Werkzeuge erinnert frappierend an die taktische Tiefe von Deep Rock Galactic. Während ein Teammitglied mit dickem Schaum Barrikaden aufsprüht oder Feinde verlangsamt, zündet die Verstärkung die Ladung mit der Elektropistole. Wie das Team im offiziellen Trailer demonstriert, entstehen die besten Momente aus purer Panik, wenn ein vermeintlicher Routine-Job in Sekundenschnelle komplett eskaliert.
Einstempeln auf Planet Tian zwischen Giftpilzen und Ruinen
Der Missionsablauf von Exterminauts koppelt klassische PvE-Wellen an knallharte Reparaturaufträge in einer instabilen Industrieumgebung. Von eurem Orbit-Depot aus werdet ihr auf die Oberfläche der zerstörten Welt Tian geschossen, wo außerirdische Flora, überwucherte Ruinen und verfallene Maschinen aufeinanderprallen. Dort gilt es, Generatoren zu reparieren, Schrott zu bergen und Gewebeproben einzusacken, bevor die örtliche Fauna den Rückzugsweg abschneidet.
Jeder Einsatz gleicht einem Drahtseilakt gegen die Ressourcenknappheit. Schließt ihr Hauptziele und riskante Nebenaufträge erfolgreich ab, wandert der verdiente Lohn direkt in die Werkbank für permanente Ausrüstungs-Upgrades. Wer jedoch zu gierig wird und den rettenden Extraktions-Transporter verpasst, verliert wertvolles Bergungsgut an die Horden. Ähnlich wie bei Helldivers 2 treibt euch die ständige Abwägung zwischen schnellem Feierabend und maximaler Beute gnadenlos voran.
Technisch verlangt das chaotische Gewusel auf dem Bildschirm nach einer grundsoliden Infrastruktur. Dichte Pilzwälder und detaillierte Industriekomplexe nutzen moderne Nanite-Geometrie für plastische Kulissen, während der serverseitige Netcode selbst bei dutzenden zeitgleich anstürmenden Kreaturen eine verlässliche Hitbox-Interpolation garantieren muss. Wenn hier die Latenz schwankt, geht bei hektischen Werkzeug-Kombos sofort die lebenswichtige Präzision flöten.
Warum der PvE-Markt 2027 genau diesen Schmutz braucht
Exterminauts besetzt eine spürbare Lücke im aktuellen Shooter-Lineup, indem es abgehobene Heldenfantasien gegen bodenständigen Schweiß und Zynismus eintauscht. Nach Jahren voller glattgebügelter Supersoldaten sehnen sich Koop-Crews nach unverbrauchtem Gameplay mit Ecken und Kanten. Das Handwerker-Setting liefert genau den richtigen Schuss Selbstironie, ohne das spielerische Fundament zur reinen Slapstick-Nummer verkommen zu lassen.
Für Entwickler Behaviour Interactive steht bei dem Projekt enorm viel auf dem Spiel. Nach dem anhaltenden Triumphzug von Dead by Daylight taten sich die Kanadier schwer damit, neue Marken wie Meet Your Maker dauerhaft am Leben zu halten. In Kooperation mit Level Infinite muss das Studio beweisen, dass ihr Gamedesign auch im Third-Person-Segment mit wuchtigem Gunplay und langfristiger Content-Pflege überzeugen kann.
Gelingt es den Entwicklern, die Balance zwischen handfestem Loot-Fortschritt und unberechenbaren Alien-Mechaniken bis zum Release 2027 sauber auszutarieren, könnte hier ein echter Dauerbrenner heranwachsen. Bis zum Einstempeln auf Planet Tian bleibt zwar noch reichlich Zeit für den Feinschliff, doch das Fundament für launige Nachtschichten im Discord steht bereits felsenfest.
