Es gleicht einem leisen Ausklang, einer letzten Ehrenrunde auf einer Strecke, deren Asphalt langsam Risse bekommt. Nachdem in den vergangenen Monaten bereits düstere Wolken in Form von Entlassungen über den Turn 10 Studios aufgezogen waren, herrscht nun bittere Gewissheit über das Schicksal von Forza Motorsport. Die Hoffnung vieler virtueller Rennfahrer, dass der Simulator nach seinem holprigen Start noch die Kurve kriegt, wurde nun jäh zerstört. Das Studio hat offiziell bestätigt, dass der aktive Support für den Titel eingestellt wird. Das bedeutet nicht nur einen Stopp für neue Inhalte, sondern markiert eine beispiellose Stagnation im Lebenszyklus eines modernen Service-Games.
Ein Werkstatt-Stopp für die Ewigkeit
Was genau bedeutet dieser drastische Schnitt für dich? Die Antwort ist so kurz wie schmerzhaft: Nichts Neues mehr. Turn 10 wird keinerlei frische Fahrzeuge in den Fuhrpark integrieren, keine neuen Rennstrecken kartografieren und – was wohl am schwersten wiegt – auch keine regulären Fehlerbehebungen mehr veröffentlichen. Das Spiel verbleibt in seinem jetzigen Zustand, eingefroren in der Zeit. Die Entwickler haben den Schraubenschlüssel endgültig beiseitegelegt. Wer auf Patches für bestehende Bugs gewartet hat, schaut nun in die Röhre. Es ist eine Kapitulation vor den technischen Altlasten, die bei einem Flaggschiff-Titel von Microsoft selten so offen kommuniziert wurde.
Der wahre Grund: Alle Augen auf den Horizont
Doch warum diese plötzliche Resignation? Die Antwort liegt in einer strategischen Neuausrichtung, die intern wohl schon länger beschlossene Sache ist. Die Ressourcen werden schlichtweg woanders dringender benötigt. Turn 10 arbeitet eng mit Playground Games zusammen, um Forza Horizon 6 auf die Straße zu bringen, das bereits im nächsten Jahr für Xbox Series X/S und PC erscheinen soll. Brisantes Detail am Rande: Turn 10 ist spezifisch für den PS5-Port verantwortlich, der zeitversetzt nach den anderen Versionen erscheinen wird. In Anbetracht dieser Mammutaufgabe erscheint das Fallenlassen des ungeliebten Stiefkindes Motorsport fast schon als logische, wenn auch grausame Konsequenz der Unternehmensführung.
Gnadenbrot für den Asphalt
Ganz abgeschaltet wird der Motor jedoch nicht. Die Server bleiben vorerst am Netz, sodass du weiterhin deine Runden drehen kannst. Um den Anschein von Aktivität zu wahren, greift das Studio tief in die Recycling-Kiste. Vergangene „Featured Tours“ werden wiederbelebt und monatlich rotieren spezielle Events, bis sämtliche jemals veröffentlichten Inhalte permanent verfügbar sind. Es ist eine Art Dauerschleife, ein Museum für Rennsport-Fans, in dem sich nichts mehr verändert, aber alles betrachtet werden kann. Auch wenn Xbox-Chef Phil Spencer beteuert, die Serie sei keineswegs tot, fühlt sich dieser Zustand doch verdächtig nach lebenserhaltenden Maßnahmen an.