Frontier Developments hat einen neuen Trailer zu Planet Zoo 2 veröffentlicht – und diesmal geht es unter die Oberfläche. Der Trailer zeigt nicht nur, welche neuen Wasserbewohner im Oktober einziehen, sondern vor allem, wie tief das Aquarium-System tatsächlich geht. Das ist wichtig, denn die Erwartungen an den Nachfolger sind hoch – und die Zweifel nach Planet Coaster 2 sind immer noch da.
Mehr als nur schöne Fische: Wie tief geht das Aquarium-System?
Der neue „Feature Focus – Awesome Aquatics“-Trailer macht eines sofort klar: Frontier will Aquarien nicht als dekoratives Beiwerk verkaufen. Wer denkt, hier wählt man einfach ein Wasserbecken aus, setzt ein paar Fische rein und gut ist, wird schnell eines Besseren belehrt.
Das System beginnt mit einer fundamentalen Entscheidung: Meerwasser, Süßwasser oder Brackwasser. Diese drei Wassertypen sind nicht austauschbar. Ein Schwarzspitzen-Riffhai braucht Salzwasser, ein Afrikanischer Tigerfisch kommt aus Brackwasser-Regionen – und wer beide im selben Becken halten will, scheitert an den biologischen Grundlagen. Frontier zwingt die Spieler damit zu einer Planung, die über die reine Ästhetik hinausgeht.
Spannend wird es bei den technischen Details. Der Trailer zeigt, dass jedes Aquarium ein eigenes Filtersystem und eine Salinitätssteuerung braucht. Süßwasser- und Salzwasserbecken können nicht einfach nebeneinander existieren – sie brauchen getrennte Kreisläufe. Dazu kommen Wartungsklappen, über die das Personal Zugang zu den technischen Anlagen bekommt. Das klingt banal, ist aber ein gutes Zeichen: Frontier denkt die Aquarien als vollwertige Lebensräume mit Betriebskosten, nicht als animierte Bildschirmschoner.
Die Futterautomaten sind ebenfalls artspezifisch. Was ein Löwenfisch braucht, unterscheidet sich von den Anforderungen eines Riffhais. Auch hier zeigt sich: Das Aquarium-System ist kein modulares Deko-Paket, sondern ein eigenständiger Management-Zweig, der ähnlich komplex ist wie die terrestrischen Gehege aus dem Vorgänger.
Vom Aquarium ins Artenschutzgebiet: Aquatic Creatures im Wildlife Reserve
Was den Trailer von einer reinen Feature-Liste abhebt, ist der Brückenschlag zu den Wildlife Reserves. Frontier hat bereits im Juni gezeigt, dass man Tiere in weitläufige Naturschutzgebiete auswildern kann – jetzt wird klar, dass auch Aquatic Creatures Teil dieses Systems sind.
Der Trailer zeigt ein konkretes Beispiel: Afrikanische Tigerfische in einem Teich, der gleichzeitig als Wasserquelle für Zebras dient. Das ist mehr als ein hübsches Bild – es zeigt, dass Frontier die Ökosysteme spartenübergreifend denkt. Aquatic Creatures sind nicht auf die Aquarien beschränkt, sondern können in den Wildlife Reserves mit Landtieren interagieren. Das eröffnet Gestaltungsmöglichkeiten, die über den klassischen Zoobau hinausgehen.
Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie tief das Wildlife Reserve-System tatsächlich geht. In der Ankündigung war von „minimalem Personalaufwand“ die Rede – ein Hinweis darauf, dass die Naturschutzgebiete eher gestalterische Freiheit als Management-Komplexität bieten. Der Aquarien-Trailer bestätigt dieses Bild: Die Aquatic Creatures in den Reserves wirken wie eine sinnvolle Erweiterung, aber nicht wie ein zweites Spiel im Spiel.
Drei Monate vor Release: Frontiers letzte Bewährungsprobe?
Der Trailer erscheint zu einem strategisch gewählten Zeitpunkt. Knapp drei Monate vor dem Release am 13. Oktober geht Frontier in die letzte Marketing-Phase. Der Juni-Deep Dive hat gezeigt, dass das Spiel technisch steht – jetzt geht es darum, die letzten Zweifel auszuräumen.
Und die gibt es. Planet Coaster 2, Frontiers letzter großer Simulations-Release, startete im November 2024 mit technischen Problemen, die selbst nach mehreren Patches nachwirkten. Die COBRA Engine, die auch in Planet Zoo 2 zum Einsatz kommt, hat eine dokumentierte DX11-Schwäche: Sie verarbeitet Draw Calls nur auf einem CPU-Kern, was bei vollen Zoos zu Framerate-Einbrüchen führen kann. Der Juni-Deep Dive hat einen „gewaltigen Fortschritt“ bei der Grafik versprochen – ob das auch für die Performance gilt, zeigt der Trailer nicht.
Positiv fällt auf, dass Frontier diesmal keinen reinen Cinematic-Trailer liefert, sondern konkretes Gameplay-Material. Das deutet darauf hin, dass das Team Vertrauen in das hat, was es gebaut hat. Die Feature-Tiefe der Aquarien spricht ebenfalls für einen durchdachten Entwicklungsprozess – hier wird nichts einfach nur versprochen, sondern gezeigt.
Der Trailer endet mit einem Ausblick auf das nächste Video, das sich den Aerial Creatures widmen wird. Auch das ist strategisch klug: Frontier hält sich bis zum Release noch etwas für die letzte Marketing-Runde offen. Ob das Spiel am Ende hält, was die Trailer versprechen, entscheidet sich aber erst im Oktober – und daran hat sich seit dem holprigen Start von Planet Coaster 2 nichts geändert.
