PikPok katapultiert die Zombie-Reihe Into the Dead nach 100 Millionen mobilen Downloads und einem soliden PC-Ableger jetzt auf die Meta Quest – und der Clou hat es in sich. Auf der IGN Live zeigte das neuseeländische Studio erstmals Into the Dead: Crimson Heights, einen Survival-Horror-Titel, der euren realen Raum scannt und jedes Sofa, jeden Tisch und jede Tür in spielbare Deckung verwandelt. Die Entwickler nennen das Konzept „Hyper Reality“. Klingt nach dem nächsten großen Ding für Mixed Reality – oder nach einem clever verpackten Tech-Risiko.
Was steckt hinter dem Hyper Reality Konzept?
Der Trailer macht sofort klar, worum es geht: Die Kamera des Headsets erfasst den Raum, und das Spiel übermalt die echte Wohnzimmereinrichtung mit düsteren Texturen. Aus der Couch wird eine notdürftige Barrikade, der Couchtisch mutiert zur Deckung, und der Flur wird zum schmalen Korridor, durch den Zombies auf euch zustolpern. PikPok verspricht eine Verschmelzung aus „angespannten Schleichpassagen, taktischem Erkunden und packenden Kämpfen“, alles gesteuert durch eure echten Körperbewegungen.
Das erinnert an die Mixed-Reality-Features, die bereits mit der Meta Quest 3 Einzug gehalten haben – nur mit dem Unterschied, dass Crimson Heights das Konzept zum zentralen Gameplay-Pfeiler machen will, statt es als nette Beilage zu behandeln. Jackie Thomas, Hardware-Redakteurin bei IGN, brachte bei der IGN Live Enthüllung einen wichtigen Punkt: Wie präzise sind die Meta-Sensoren wirklich? Ein loser Teppich oder ein schlecht erkanntes Möbelstück könnten mitten im Zombie-Ansturm schnell zur Stolperfalle werden – im schlimmsten Fall landet ihr nicht im Game Over, sondern in der Notaufnahme.
Vom mobilen Hit zum riskanten VR Gewächs
PikPok hat sich über Jahre als Mobile-Studio mit Gespür für Massentauglichkeit etabliert. Die ersten beiden Into the Dead Teile zockten über 100 Millionen Spieler auf dem Handy, finanziert durch ein aggressives Mikrotransaktionsmodell. Mit Into the Dead: Our Darkest Days wagte das Studio 2025 den Sprung auf den PC – ein 2.5D-Side-Scroller im Early Access, der mit „sehr positiven“ Steam-Bewertungen überraschte, aber nie die große Reichweite entfaltete.
Jetzt also VR. Und nicht irgendein VR, sondern ein technisch ambitioniertes Mixed-Reality-Projekt, das die Sensorik aktueller Headsets bis an die Grenzen fordert. Das Studio hat schlicht keine nachweisbare Erfahrung in diesem Bereich. Die Meta Store Seite des Spiels listet immerhin auch eine klassische VR-Variante für Steam – ein Hinweis, dass PikPok sich nicht komplett von einer einzigen Plattform abhängig machen will.
Im Vergleich zu anderen VR-Horror-Titeln wie Affected: The Asylum oder Alien: Rogue Incursion setzt Crimson Heights auf einen völlig anderen Schwerpunkt: Nicht lineare Schockmomente oder cineastische Inszenierung stehen im Fokus, sondern das prozedurale Spielgefühl, das jeder Raum anders macht. Wenn das funktioniert, wäre das ein echter Gamechanger.
Die offenen Fragen vor dem großen gamescom Auftritt
Bis zur offiziellen Ankündigung im August auf der gamescom bleibt eine Menge im Unklaren. Das größte Fragezeichen schwebt über echtem Gameplay. Zeitlich dockt Crimson Heights an die ersten Stunden des Zombie-Ausbruchs in Walton City an, den Fans bereits aus Our Darkest Days kennen. Wie stark die narrative Verzahnung ausfällt und ob Entscheidungen aus dem PC-Spiel übernommen werden, ließ PikPok-CEO Mario Wynands offen. Seine Aussage zum „körperbasierten Erlebnis“ wirkt noch wie eine leere Hülle, die erst auf der gamescom mit Substanz gefüllt werden muss.
Für die Meta Quest Plattform wäre ein Hit in dieser Größenordnung extrem wichtig. Meta braucht nach den jüngsten Update-Desastern und einer durchwachsenen Software-Bilanz dringend systemverkaufende Exklusivtitel. Ob ausgerechnet ein Mobile-Studio ohne VR-Track-Record diesen Job erledigen kann? Die gamescom-Demo wird die erste echte Feuertaufe.
