Nur wenige Tage, nachdem Bungie endlich die Katze aus dem Sack gelassen und ein konkretes Release-Fenster für den heiß erwarteten Extraction-Shooter Marathon enthüllt hat, verliert das Projekt einen seiner wichtigsten Köpfe. Joseph Cross, der als Art Director maßgeblich für die unverwechselbare, fast schon klinisch-psychedelische Ästhetik des Spiels verantwortlich zeichnet, hat seinen Abschied verkündet. Dieser Schritt kommt für viele Beobachter zur absoluten Unzeit, wirkt das Spiel doch visuell so eigenständig wie kaum ein anderer Titel im aktuellen Portfolio von Sony.
Ein Abschied ohne Groll, aber mit Wehmut
Auf der Plattform X (vormals Twitter) brach Cross sein Schweigen und bestätigte, was zunächst nur ein Flur-Geflüster war. Doch wer nun einen Skandal oder böses Blut erwartet, wird enttäuscht. Der Künstler betont, dass es seine eigene, freie Entscheidung war, das Studio nach sechs intensiven Jahren zu verlassen. „Ich bin unglaublich stolz auf die visuelle Welt, die wir für Marathon erschaffen haben“, resümiert er.
Es ist selten, dass ein so großes Studio grünes Licht für einen derart gewagten Grafikstil gibt, und Cross lobt sein Team in den höchsten Tönen. Er plant nun, das Spiel künftig nicht mehr als Schöpfer, sondern als Fan zu genießen. Seine Arbeit beschränkte sich dabei nicht nur auf Marathon; auch in Destiny 2 hat er tiefe Spuren hinterlassen. Auf Nachfrage eines Fans teilte er eines seiner Lieblingswerke: eine Kollektion von Jäger-Umhängen, die durch ihre Farbpaletten und Ikonografie tief in die Lore des Spiels eintauchten.
Der Countdown läuft: Release und harte Fakten
Der Abgang erfolgt vor dem Hintergrund massiver Ankündigungen. Bungie hat den Startschuss für März 2026 festgelegt und einen Preispunkt von 39,99 Dollar angesetzt – eine aggressive Ansage im Free-to-Play-Zeitalter. Zum Launch sollen vier Karten bereitstehen: „Perimeter“, „Dire Marsh“, „Outpost“ und das „UESC Marathon’s Cryo Archive“. Letzteres fungiert als End-Game-Herausforderung, die erst kurz nach Release freigeschaltet wird. Auch spielerisch gibt es Neuigkeiten: Mit „Rook“ wurde ein neuer Runner vorgestellt, dessen Fokus auf dem Plündern (Scavenging) liegt. Die Maschinerie läuft also auf Hochtouren, auch ohne ihren bisherigen visuellen Leiter.
Schatten der Vergangenheit: Der Fall „Antireal“
Doch nicht alles war in den letzten Monaten eitel Sonnenschein. Der Abgang von Cross fällt zeitlich mit der Beilegung einer unangenehmen Kontroverse zusammen. Der Künstler, der unter dem Pseudonym „Antireal“ bekannt ist, hatte Bungie im Mai beschuldigt, Assets aus seinen Poster-Designs von 2017 entwendet zu haben. Die Vorwürfe wogen schwer: Bungie habe seine Ideen „pilliert“ und sie ohne Vergütung oder Nennung ins Spiel integriert. Antireal sprach damals verbittert davon, dass große Firmen es oft vorziehen, Diebstahl zu begehen, statt eine einfache E-Mail zu schreiben.
Nun scheint jedoch Frieden eingekehrt zu sein. Antireal verkündete kürzlich, dass die Angelegenheit zwischen ihm, Bungie und Sony Interactive Entertainment „zu meiner Zufriedenheit“ gelöst wurde. Ob dies eine finanzielle Entschädigung oder das Entfernen der Assets bedeutet, bleibt nebulös, doch das Timing zur PR-Offensive des Spiels ist sicherlich kein Zufall.n.


