Viele Schmieden versuchen sich an der SciFi-Szene. Viel Potenzial und Material sowohl für Action als auch Geschichte stecken in dem Genre. Ob Horror, Action, Abenteuer oder Stealth … jedwede Kombination kennen wir und können wir. Es gab dabei Sterne am Genrehimmel, wie auch sternschnuppen-hafte Abstürze. Steel Seed holt sich zwei der genannten Zutaten zusammen auf die Disc und versucht uns mit einer packenden Geschichte die Konsolenabende schmackhaft zu machen. Ob das Rezept aufgeht, der Stern am Firmament verbleiben darf oder doch in der Atmosphäre verglüht lest ihr im nachfolgenden Review.
Zoe und Cobey – dynamisches Duo
Der Startschuss von Steel Seed könnte pragmatischer nicht sein. Wir wachen als Androidin Zoe in einer Art Fabrik auf. Ein schwebender Roboter namens Cobey begrüßt uns sogleich und stellt sich auch gleichermaßen als helfende Hand zur Verfügung. Dabei werden recht wenige Fragen gestellt. Wie zum Beispiel: „Wieso sehe ich aus, wie ich aussehe?“, „Wo sind wird?“ oder „Was ist passiert?“. Ohne groß Fragen zu stellen, machen wir uns auf die Suche nach der Antwort … auf welche Frage nochmals? Ach, egal … Hauptsache Action!

Diese geht auch bereits nach wenigen Schritten sofort los. Wir klettern, hangeln, springen und zerschneiden uns den Weg hinaus aus dieser Fabrik. Wieso gibt es nicht einfach eine Vordertüre? Wiederum egal. Hier wird wenig Wert auf sachhaltige Hintergründe gegeben. Hauptsache raus und erstmal herausfinden, was passiert ist. Selbst als uns ein riesiger Roboter und dessen kleinere Schergen uns aus dem Nichts angreift, stellen wir keine Fragen … Immerhin sind wir Zoe und Cobey … da wird nicht gefragt.
Zugegebenermaßen habe ich mir die ersten Minuten des Spiels schon einige Fragen gestellt, die unbeantwortet blieben. Lediglich ein Geschichtsfetzen wird uns hingeworfen: Wir sind die Tochter des berühmten Wissenschaftlers Dr. Archers. Was auch immer das heißen oder bedeuten mag. Ich war als genießerischer Story-Spieler zunächst unbefriedigt von Steel Seed und hatte so meine Zweifel, dass mich die Geschichte fesseln würde.
Nachdem aber ein wenig mehr Einblick gegeben wurde, hat mich das Geschichtsthema von Steel Seed doch neugierig gemacht. Eine KI, die wir nach einem kurzen Umweg kennen lernen, macht uns klar, dass die Menschheit ihrer eigenen Gier erlegen ist und Dr. Archer wenige Individuen nominiert hat die Apokalypse im Tiefschlaf zu überleben. Leider haben die Maschinen in der Zwischenzeit rebelliert und versuchen die Wiederauferstehung mit allen Mitteln zu verhindern. Deswegen auch das gezielte Jagen von Zoe. Wir werden von der KI gebeten mithilfe diverser Einrichtung die Wiedererweckung der verbliebenen Menschheit einzuleiten. Spannend und vermeintlich twisty. Mehr sei aber nicht verraten.
Lichtschwert oder doch leise Magnetstiefel
Zoe beherrscht prinzipiell zwei mögliche Vorgehen um ihr Ziel zu erreichen: Action oder Stealth. Soll bedeuten, dass wir uns durch die Gegner einfach durchmetzeln könnten oder gekonnt an ihnen vorbeischleichen bzw. klammheimlich ausschalten. Grundlegend ermöglicht uns das Spiel beide Wege einzuschlagen. Realistisch betrachtet ist aber vom Hersteller letzterer Weg vorgesehen. Die Kämpfe sind nämlich etwas unausgereift, oftmals unübersichtlich und aufgrund der erhöhten Gegneranzahl und der Tatsache, dass nur wenige Hits den virtuellen Tod bedeuten fast ein Ding der frustrastiösen Unmöglichkeit. Bleibt also nur noch das Vorbeischleichen.
Dazu werden uns mehrere Hilfen zugereicht. Wir können die Maschinen ablenken, in die Irre führen oder heimlich hinter Hindernissen lautlos ausschalten. Wir verstecken uns hinter Barrieren, schleichen durch Tunnel oder verstecken uns im digitalen hohen Gras. Nichts Neues, aber dennoch gewohnt gute Mechanik um ein klasse Stealth-Feeling aufkommen zu lassen.
Weiters unterstützt uns Cobey ebenfalls im Geheimen. Durch seine Augen können wir Mechanismen betätigen, Gegner ablenken oder sogar ausschalten. Aber Vorsicht: Auch er kann erkannt werden und Alarm auslösen. Je nach Fortschritt am Skilltree können wir uns Gegnerrouten anzeigen lassen oder neue Gadgets freispielen, die uns in den doch anspruchsvollen Auseinandersetzungen helfen sollen. Die Skills sind dabei nicht direkt freigeschaltet. Man muss neben einer Punktewährung auch bestimmte Herausforderungen absolvieren ehe diese Anwählbar sind. So müssen wir den vom Skill unterstützten Genre (Stealth, Werkzeug oder Kampf) auch aktiv nutzen, sodass wir die Herausforderung schaffen. Der Skilltree erweitert sich somit nur mit jenen Fähigkeiten, welche unseren Spielstil auch tatsächlich entspricht. Eine abwechselnde Idee zum üblichen Grind-Gemenge.
Voluminös pompös
Sehr positiv ist mir die Inszenierung gleich von der ersten Spielminute ins Auge gestochen. Die Welt erscheint riesig und ist mit sehr viel Detailreichtum und Liebe gestaltet worden. Obwohl der Spielverlauf straight forward mit Schlauchleveln aufgebaut ist, kommt zumindest von der Umgebung eine offene SciFi-Welt am Bildschirm an. Hat mir sehr gut gefallen. Die spielbaren Zwischensequenzen sind sehr pompös in Szene gesetzt und erzeugen Kribbeln und Nervenkitzel. Hier und da flackert zwar eine grafische Ungenauigkeit auf, diese geht jedoch im Feuer und Funken-lastigen Setup schnell verloren.

Hervorzuheben ist auch die ausgezeichnete Sprachausgabe. Die Dialoge wirken realistisch und sind oftmals witzig und schnippisch. Das passt zwar wenig zum postapokalyptischen Grundton des Spiels, macht aber durchaus Laune. Gerade die witzigen Halbdialoge mit Cobey haben mich oft zum Schmunzeln gebracht, da wir als Spieler dessen Gepiepse und Geräusche nicht lesen / verstehen können. So spricht Zoe, welche ihn versteht, halb mit sich selbst. Wir können oftmals nur erahnen, welchen Witz Cobey von sich gab.
Außer der genannten Währung und ein paar Logs, gibt es sonst leider nicht viel zu entdecken. Wir stealthen uns durch die Gegend, wobei uns Cobey oftmals zwingendermaßen aushelfen muss oder parkouren uns durch die SciFi-Welt. Abwechslung wird zwar geboten, hätte jedoch noch ein bisschen Würze vertragen können.
Nach knappen 15-20 Spielstunden ist die Geschichte dann auch schon durch. Wiederspielwert aufgrund des fehlenden Mehrspieler-Modus oder alternativen Enden gibt es wenig. Auch die erhältlichen Outfits von Zoe und CObey geben da wenig Input zu einem New Game +. Schade …