Am 15. September 2026 hat Remedy Entertainment beim Europäischen Amt für geistiges Eigentum eine neue Markenanmeldung für „Alan Wake’s Return“ eingereicht – Anmeldenummer 019422415. Das Besondere daran: Es ist keine Verlängerung, sondern eine völlig neue Anmeldung mit veränderten Warenklassen. Die alte Marke aus dem Jahr 2016 ist Anfang September abgelaufen. Remedy hätte einfach verlängern können. Hat es aber nicht.
Ein Name, zwei Anläufe, eine neue Richtung
Die erste Anmeldung von Alan Wake’s Return erfolgte 2016 – und löste damals eine ähnliche Welle der Spekulation aus wie heute. Sam Lake, Creative Director bei Remedy, musste persönlich klarstellen, dass es sich nicht um ein neues Spiel handelte, sondern um ein fiktives Ingame-Video innerhalb von Quantum Break. Die Marke sicherte nur den Namen für diese Produktion.
Aufgefallen ist die neue Anmeldung zuerst Insider Gaming, das in dieser Woche über die Eintragung berichtete. Und wer einen Blick in die offizielle EUIPO-Eintragung wirft, sieht sofort: Hier wurde nicht einfach verlängert. Klasse 028 für Spielzeug ist gestrichen. Stattdessen stehen jetzt Klasse 016 für Druckerzeugnisse und Klasse 025 für Bekleidung im Register. Klasse 041 für Multimedia-Dienste wurde um Online-Gaming und interaktive Multiplayer-Spiele erweitert, Klasse 009 für Software detaillierter ausgeschrieben. Das ist keine Routine – das ist eine strategische Neuausrichtung.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am 24. September erscheint Control Resonant. Der neue CEO Jean-Charles Gaudechon hat im Mai 2026 im Gespräch mit The Game Business ohnehin schon Klartext geredet: „Es ist schade, ich denke, Alan Wake hätte sich besser verkaufen sollen. Control hätte sich besser verkaufen sollen.“ Gaudechon will aus Remedy-IPs echte Franchises machen – mit Filmen, Serien und offenbar auch mit dem Merchandise, das dazugehört.
Was die Klassen wirklich verraten
Die Streichung von Spielzeug und die Hinzufügung von Bekleidung und Print sind das eigentliche Signal. Wer eine Marke für Spielzeug schützt, denkt an Plastikfiguren. Wer sie für Hoodies, T-Shirts und Bücher schützt, denkt an eine Marke, die Menschen tragen und lesen wollen. Das ist der Unterschied zwischen einem Spiel und einer Kulturmarke.
Remedy hat 2024 eine Partnerschaft mit Annapurna Pictures geschlossen. Annapurna finanziert 50 Prozent des Entwicklungsbudgets von Control 2 und erhielt im Gegenzug die Rechte, Alan Wake und Control in Film- und TV-Adaptionen zu verwandeln. Die neuen Markenklassen passen exakt in dieses Bild – und sie passen zu dem, was der Lake-House-DLC mit seinen ersten Einblicken in Control 2 bereits angedeutet hat.
Ein Name allein ist kein Spiel
Bleibt die entscheidende Frage: Ist das ein neues Spiel? Nein – zumindest nicht bewiesen. Eine Markenanmeldung ist keine Ankündigung. Sie schützt einen Namen, sie verrät eine Richtung, aber sie bestätigt kein Produkt. Remedy hat weder Alan Wake 3 noch ein Remaster noch ein Spin-off offiziell angekündigt.
Doch die Richtung ist klar. Wer eine Marke neu anmeldet, statt sie verfallen zu lassen, hat Pläne. Remedy jedenfalls hat nach dem Annapurna-Deal längst eine neue Ära für Control eingeläutet – und Alan Wake gehört in diesem Universum längst nicht mehr nur den Spielern. Ob daraus mehr wird als ein Hoodie und ein Artbook, wird Sam Lake irgendwann erzählen. Bis dahin bleibt es eine Marke, die alles bedeuten kann.