Project Ascension hat über eine Million Spieler, mehrere aktive Realms und – laut der neuen Klageschrift – Einnahmen in Millionenhöhe eingefahren. Blizzard hat genug gesehen. Vergangenen Freitag reichte das Unternehmen Klage ein, und wer Blizzards gewonnene Klage gegen Turtle WoW verfolgt hat, kennt das Drehbuch bereits. Nur ist der Fall diesmal deutlich weniger sympathisch für die Beschuldigten.
Was Blizzard Project Ascension konkret vorwirft
Der Kern der Klageschrift ist eindeutig: Blizzard beschreibt Project Ascension als eine „umfangreiche, schwerwiegende und anhaltende Verletzung des geistigen Eigentums von Blizzard“ und bezeichnet das Projekt als einen der meistgespielten privaten WoW Server weltweit mit über einer Million Spielern. Für Unbekannte: Project Ascension ist eine kostenlose, klassenlose Variante von World of Warcraft, in der Spieler Fähigkeiten verschiedener Klassen frei kombinieren können – „Erschaffe den Charakter deiner Träume“, wirbt die eigene Website.
Was diese Klage von vielen Fan-Server-Fällen unterscheidet, ist das Thema Geld. Spieler konnten In Game Items gegen sogenannte Donation Points kaufen. Laut Blizzard hat das dem Team hinter Project Ascension Einnahmen in Millionenhöhe beschert. Das entzieht der üblichen Argumentation – „wir tun das aus Leidenschaft, nicht aus Profit“ – die Grundlage.
Der Aeza-Faktor: Mehr als ein technisches Detail
Blizzard legt in der Klageschrift noch nach: Die Server von Project Ascension sollen bei der russischen Aeza Group liegen – einem Unternehmen, das das US-Finanzministerium wegen Beihilfe zu Cyberkriminalität und Technologiediebstahl ins Visier genommen hat. Das ist keine Randnotiz. Wer seinen Betrieb bewusst bei einer sanktionierten Gruppe hostet, signalisiert nach Ansicht der Kläger vorsätzliches Handeln – und genau dieses Argument wird vor Gericht Gewicht haben.
Project Ascension selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. In der Spielergemeinschaft macht das die Runde: „Tja, wir sind am Arsch“, schreibt ein Nutzer auf Reddit. Turtle WoW hatte sich dagegen immerhin noch mit einem öffentlichen Appell zu Wort gemeldet – und Blizzard gebeten, einen offiziellen Rahmen für Lizenzvergabe an Fan Server zu schaffen. Ohne Erfolg, wie man weiß.
Das Ironie-Problem: Blizzard und Classic Plus
Was die Sache kompliziert macht: Blizzard arbeitet nach allem, was bekannt ist, selbst an einem eigenen Classic+-Projekt – einer modernen Weiterentwicklung des klassischen WoW. Was Project Ascension jahrelang als Modprojekt betrieben hat, scheint Blizzard nun selbst auf die offizielle Agenda zu setzen, wie auch die World of Warcraft Roadmap 2026 andeutet. Das ändert nichts an der rechtlichen Lage – aber es erklärt, warum Blizzard gerade jetzt keine Konkurrenz in diesem Segment toleriert.



