be quiet! fährt auf der Computex 2026 in Taipeh die ganz große Flotte auf: sieben neue Produktlinien, vom digitalen 1600-Watt-Netzteil über AiO-Wasserkühlungen mit IPS-Display bis zum Einstieg ins Mauspad-Geschäft. Die Schau ist beeindruckend – doch zwei entscheidende Fragen lässt der deutsche Premium-Hersteller komplett offen: Was sollen die ganzen neuen Komponenten kosten, und wann landen sie tatsächlich im Handel?
Dark Power Pro 14 IO – ein digitales 1600-Watt-Monster ohne Preisschild
Das neue Flaggschiff der Netzteil-Sparte kommt als Dark Power Pro 14 IO in zwei Varianten: 1300 Watt und 1600 Watt. Auf dem Papier liefert be quiet! hier das technologisch ambitionierteste Netzteil der Firmengeschichte. Die Architektur ist vollständig digital (Active Rectifier + Full Bridge + LLC), der Wirkungsgrad erreicht bis zu 94 Prozent und bringt sowohl 80 PLUS Titanium als auch Cybenetics Titanium. Dazu kommen nativer ATX-3.1-Support und PCIe-5.1-Kompatibilität.
Neu ist vor allem die Einbindung in die hauseigene IO Center Software. Über die lassen sich künftig Kühlmodi (aktiv oder semipassiv) und der Betriebsmodus (Multi-Rail oder Single-Rail) per Software umschalten – außerdem verspricht be quiet! eine Echtzeitüberwachung von Wirkungsgrad, Leistung, Strom und Spannung. Der 135-mm-Silent-Wings-Lüfter wird von einem Aluminiumkühlkörper flankiert, modulare Kabel mit Einzelummantelung und eine Meshabdeckung runden die Ausstattung ab.
Was das kosten soll, verrät be quiet! nicht. Zur Einordnung: Das Dark Power Pro 13 mit 1600 Watt kostete zum Launch rund 390 Euro, das Dark Power 14 (ohne Pro-Zusatz) mit 1200 Watt liegt bei 309,90 Euro. Für die Pro-14-IO-Serie mit digitaler Steuerung und Software-Anbindung darf man getrost deutlich über 400 Euro für die 1600er-Variante erwarten. Zum Vergleich: Seasonics Prime TX-1600 liegt bei rund 550 Euro, Corsairs AX1600i ist mittlerweile eingestellt. be quiet! würde sich mit 450 bis 500 Euro im wettbewerbsfähigen Rahmen bewegen – aber das ist Spekulation, solange der Hersteller schweigt.
Displays auf CPU-Kühlern – Light Loop IO LCD und Dark Rock Pro 6 IO LCD
be quiet! steigt mit gleich zwei Display-Kühlern in das Segment ein, das Hersteller wie NZXT (Kraken-Serie) und Corsair (iCUE-Link-Ökosystem) längst besetzt haben.
Die Light Loop IO LCD ist eine AiO-Wasserkühlung in 240 mm und 360 mm, jeweils in Schwarz und Weiß. Das 2,1-Zoll-IPS-Display löst mit 480 × 480 Pixeln auf und leuchtet mit 500 Nits. Es kann Systeminfos, Bilder oder Videos anzeigen und wird über die IO Center Software vollständig konfiguriert. Die Pumpe setzt auf einen progressiven IC, die mitgelieferten Light Wings LX PWM-Lüfter haben einen trichterförmigen Luftauslass. Ein magnetisch befestigbarer IO-Controller minimiert den Kabelaufwand, ein Nachfüllanschluss soll die Lebensdauer verlängern.
Der Dark Rock Pro 6 IO LCD geht noch einen Schritt weiter: Auf einen Dual-Tower-Luftkühler packt be quiet! ein 4,5-Zoll-IPS-Display mit 600 Nits. Die Basis bilden sieben Heatpipes und zwei Silent-Wings-PWM-Lüfter, dazu kommt ein Software-Schalter für den Performance- oder Quiet-Modus – inklusive semipassivem Betrieb, bei dem die Lüfter unter 40 Prozent PWM-Signal stillstehen.
Der Haken bei beiden: Das Display ist ein teures Extra. Der Dark Rock Pro 6 ohne LCD kostet 109,90 Euro. Mit 4,5-Zoll-Bildschirm, Software-Steuerung und optimiertem Kühlkörper dürfte der IO-LCD-Ableger eher Richtung 160 bis 180 Euro wandern – eine Ansage in einem Segment, wo Noctuas NH-D15 G2 für 150 Euro bereits Schmerzgrenze ist. PC Games Hardware notiert dazu trocken: „Unabhängige Messwerte zur Lautstärke, Effizienz oder Spannungsstabilität liegen auf Grundlage der Mitteilung noch nicht vor.“
Light Mount TKL, Pure Base 803 und der Rest der Computex-Flotte
Neben Netzteilen und Kühlern baut be quiet! vor allem die Peripherie-Sparte aus – ein Bereich, in dem die Marke erst seit Kurzem mitspielt. Die erste Light Mount kam im April 2026 für 169,90 Euro auf den Markt, die Dark Perk Gaming-Mäuse folgten im Februar 2026.
Die Light Mount TKL ist der kompakte Ableger ohne Ziffernblock. Die Specs lesen sich solide: Orange Linear- oder Black Tactile-Schalter, werkseitig vorgeschmiert, Hot-Swap für 5-Pin-MX-Schalter, drei Schichten Dämpfungsschaum, PBT-Double-Shot-Tastenkappen mit transluzenten Beschriftungen, ARGB pro Taste inklusive Diffusor sowie ARGB-Leisten an den Seiten. Dazu drei programmierbare Makrotasten, ein 3D-Medienrad aus Aluminium und eine magnetische Handballenauflage.
Allerdings: 169,90 Euro für die ursprüngliche Light Mount sind bereits ambitioniert. Die TKL-Version wird preislich darunter liegen müssen, um im heiß umkämpften Markt gegen Keychrons Q1 (ca. 180 €), Wootings 80HE (ca. 200 €) oder Razers BlackWidow V4 75 % (ca. 190 €) zu bestehen. Und während Wooting mit Hall-Effect-Switches und Rapid Trigger längst die Competitive-Gaming-Szene erobert hat, setzt be quiet! weiterhin auf klassische mechanische Switches – das ist kein Nachteil, aber eine klare Positionierung im „Silent Enthusiast“-Segment statt im E-Sport.
Die Pure Base 803 Serie umfasst drei Varianten: das Basis-Modell, das Pure Base 803 LX mit seitlichen Lüfterslots und Showcase-Glasdesign sowie das Pure Base 803 Workstation für EEB- und CEB-Boards mit bis zu sieben Festplattenplätzen. Alle Versionen unterstützen Mainboards mit rückseitigen Anschlüssen und nehmen bis zu drei 420-mm-Radiatoren auf. PC Games Hardware schätzt den Preis auf Basis der Pure-Base-Historie auf rund 100 Euro für die Basisversion.
Die Light Wings Pro IO Lüfter sind das erste softwaregesteuerte Lüfter-Portfolio von be quiet!. Bis zu 124 LEDs pro Lüfter verteilen sich auf Impeller und Rahmen, vier Zonen sind unabhängig steuerbar, und die Lüfterkurven lassen sich in der IO Center Software frei definieren. Die 28 mm dicken Rahmen mit Fluid-Dynamic-Lager setzen auf einen Gummirahmen gegen Vibrationen.
Doch hier kommt der Pferdefuß: Die 120-mm- und 140-mm-Einzellüfter werden ausschließlich als Expansion Kits verkauft und sind ohne den separat mitgelieferten IO-Controller nicht nutzbar. Wer nur einen einzelnen Lüfter ersetzen oder nachrüsten will, muss zwingend ein Triple-Pack kaufen. Das ist eine Design-Entscheidung, die den IO-Controller als zwingende Infrastruktur voraussetzt – und die Flexibilität für Builder massiv einschränkt.
Das Mousepad XL (900 × 500 mm, 3 mm Naturkautschuk, vernähte Kanten) und die bloße Erwähnung neuer Pulse Elevate Wireless-Lautsprecher und eines 27-Zoll-Gaming-Monitors runden das Lineup ab – wobei zu Letzteren keinerlei Details genannt werden.
IO Center – das unsichtbare Ökosystem, das alles zusammenhält
Auffällig an praktisch jedem Produkt der Computex-Show: Der „IO“-Zusatz im Namen. Er signalisiert die Einbindung in be quiet!s hauseigene Software-Plattform. Die IO Center Software läuft nativ unter Windows sowie als Web-App plattformunabhängig und steuert künftig Netzteile, AiOs, Luftkühler, Gehäuselüfter und Tastaturen aus einer Hand.
Das erinnert an Corsairs iCUE-Ökosystem oder NZXTs CAM – mit allen Vor- und Nachteilen. Einerseits bietet eine zentrale Software echten Komfort, andererseits bedeutet sie Abhängigkeit: Wer die Software nicht installieren will oder kann (Linux-Nutzer, Offline-Betrieb), büßt Kernfunktionen ein. Bei einem Netzteil, das seinen Kühlmodus per Software schaltet, ist das eine relevantere Einschränkung als bei RGB-Lüftern.
be quiet! hat die IO-Produkte bereits auf der CES 2026 als Prototypen gezeigt – der Sprung zur Computex mit nun konkret ausformulierten Specs deutet auf einen Marktstart noch in diesem Jahr hin. Ohne Preise und Termine bleibt die Präsentation jedoch das, was sie ist: eine Absichtserklärung mit Show-Charakter.