Sony zieht am 1. Januar 2028 den Stecker – ab dann gibt es keine frischen PlayStation-Spiele mehr auf Disc. Die Ankündigung kam gestern Morgen, und Raketen waren das nicht: Seit Jahren zeichnet sich ab, dass die Zukunft digital wird. Was die Nachricht trotzdem zur Bombe macht, ist das, was zwischen den Zeilen steht. Wie Analyst Piers Harding-Rolls gegenüber IGN bestätigte, liest der Ampere-Experte aus dem Datum gleich zwei klare Ansagen für die PS6 heraus: Sie kommt später als erwartet – und sie kommt ohne Laufwerk.
Ein Datum, das mehr verrät, als Sony lieb sein kann
Die Wahl auf Januar 2028 ist kein Zufall. Harding-Rolls formuliert es in seiner Analyse knapp: Sony würde kaum sechs Wochen vor dem Launch einer neuen Konsole die Disc-Produktion einstellen. Seine Prognose: ein Fenster Ende 2028, also ein klassischer Konsolen-November. Intern rechnet Ampere mit genau diesem Zeitplan.
Dass Sony die PS6 überhaupt verschiebt, hat wenig mit Technik und viel mit dem weltweiten Speichermarkt zu tun. KI-Rechenzentren saugen die verfügbaren RAM-Kapazitäten auf, die Preise für GDDR7-Speicher explodieren. Schon vor Wochen haben wir darüber berichtet, dass Sony die PS6-Roadmap wegen eben dieser Krise überdenkt. Das Januar-Datum ist jetzt der härteste Beleg dafür, dass die Kalkulation nicht aufgegangen ist.
Wer gehofft hat, dass Sony die PS6 doch noch mit einem Disc-Laufwerk ausliefert, dürfte ebenfalls enttäuscht werden. Harding-Rolls macht klar: Zumindest die Standardversion der PS6 wird kein Laufwerk für physische Medien mehr enthalten. Der Satz ist vorsichtig formuliert – ein optionales Add-on oder eine teurere Edition mit Laufwerk sind nicht ausgeschlossen. Aber die Richtung ist eindeutig.
Kein Laufwerk, kein Problem – für Sony zumindest
Ein Disc-Laufwerk kostet Sony in der Herstellung vielleicht 20 bis 30 Dollar. Dazu kommen Lizenzgebühren für die Blu-ray-Technologie. Klingt nach Kleinvieh, aber bei zehn Millionen verkauften Konsolen summiert sich das. „Sony wird nach allen Möglichkeiten suchen, die Kosten der Next-Gen-Konsole zu senken – und das hier ist ein einfacher Gewinn“, sagt Harding-Rolls.
Dass Sony überhaupt so konsequent sparen muss, liegt an den explodierenden Materialkosten. Wie Eurogamer unter Berufung auf Branchenquellen berichtet, liegen die reinen Komponentenkosten der PS6 bei rund 960 Dollar – fast das Doppelte einer PS5 zum Launch. Unser Artikel zu Sonys Sparstrategie zeigt, dass das Unternehmen statt auf teure Rohpower zunehmend auf KI-gestützte Berechnungen und Frame Generation setzt. Jeder Dollar, der nicht ins Laufwerk fließt, kann in den Speicher oder die APU gesteckt werden.
Dazu kommt ein Effekt, den viele übersehen: Auch die Publisher profitieren vom Disc-Aus. Wer heute Spiele physisch ausliefert, zahlt an Sony Lizenzgebühren, Presskosten, Verpackung und Logistik – gebündelt in einer einzigen Gebühr. Dieses finanzielle Risiko entfällt mit der digitalen Umstellung komplett. Was für Spieler nach einem Verlust aussieht, ist für Sony und die Verlage eine willkommene Kostenentlastung.
Was von der Disc-Sammlung übrig bleibt
Die Frage, die Sony am meisten fürchten dürfte: Was passiert mit den physischen Bibliotheken der Spieler? Harding-Rolls hält ein externes Disc-Laufwerk für die PS6 für möglich – als optionales Zubehör, das alte PS4- und PS5-Discs abspielen kann. Eine elegante Lösung wäre das nicht. Spieler müssten womöglich eine zusätzliche Gebühr zahlen, um auf ihre eigenen Sammlungen zuzugreifen.
Die Alternative wäre eine Umschlüsselung: Physische Kopien werden gegen eine digitale Lizenz getauscht. Sony hat so etwas in kleinem Rahmen schon gemacht – aber nie im Massenmarkt. Der logistische Aufwand wäre enorm, der Imageschaden bei einer Bezahlschranke noch größer.
Dabei ist der Trend gegen die Disc längst in vollem Gange. Ein aktueller Artikel zeigt, dass Insomniac bei Marvel’s Wolverine noch an der Disc festhält – aber das ist inzwischen eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die Branche hat sich längst vom physischen Medium verabschiedet, Sony zieht jetzt nur noch in der Hardware nach.
Zwei Jahre Wartezeit – und was das mit den RAM-Preisen zu tun hat
Bis zur PS6 sind es also noch gut zwei Jahre. Eine lange Durststrecke, die Sony sich nicht freiwillig auferlegt hat. Ursprünglich ging die Branche von einem Launch 2027 aus – dem klassischen Sieben-Jahres-Zyklus nach der PS5. Doch die KI-Industrie hat mit ihrer Nachfrage nach HBM-Speicher und GDDR7 den gesamten Markt durcheinandergewirbelt.
Gerüchte um eine PS6-Verschiebung kursierten seit Monaten. Sonys heutige Ankündigung ist der erste offizielle Hinweis darauf, dass die Verzögerung Realität ist. Der neue Zeitplan gibt Sony Luft, um auf fallende Speicherpreise zu hoffen – oder Alternativen zu entwickeln. Was Harding-Rolls Analyse zusätzlich untermauert: Die nächste Xbox (Project Helix) dürfte in einem ähnlichen Fenster landen.