Chet Faliszek hat Portal geschrieben. Half-Life 2: Episode One. Left 4 Dead. Der Mann versteht Spieler. Und jetzt sagt er denen, die um die PlayStation-Disc trauern, dass sie in den Spiegel schauen sollen. Nicht Sony habe die Disc getötet, sagt der ehemalige Valve-Autor in einem neuen YouTube-Video – der Spieler habe es getan. Und dann holt er die Zahlen raus.
Vier Zahlen, die wehtun
Faliszek argumentiert nicht mit Bauchgefühl, sondern mit harten Metriken. GameStop, ein Unternehmen, das ursprünglich nichts anderes verkauft hat als Spiele, macht nur noch 18 Prozent seines Umsatzes mit Games – neue und gebrauchte zusammengerechnet. 18 Prozent. Der Rest? Hardware, Merch, Trading Cards. Der Laden, der das Synonym für physische Spiele war, hat sie faktisch aufgegeben.
Gleichzeitig zeigt Sonys eigener Finanzreport: 85 Prozent aller Spiele-Verkäufe auf PlayStation waren im letzten Quartal digital. Das ist kein Ausreißer – der Trend zieht sich durch. Faliszek wird deutlich: „There’s no benefit to them tricking you.“ Warum sollte Sony die Zahlen fälschen? Die Daten aus dem eigenen Haus zeigen einen klaren Weg.
Und dann kommt die aktuellste Bestätigung. Mat Piscatella von Circana hat erst vor wenigen Tagen auf Bluesky getwittert: In der Woche bis zum 11. Juli haben in den USA genau zwei Spiele mehr als 10.000 physische Kopien verkauft. Zwei. Über das gesamte Jahr 2026 hinweg haben nur sieben Titel die 100.000er-Marke bei physischen Verkäufen geknackt. „Kommentare zu schreiben ist cool, nutzt eure Stimme und all das“, schrieb Piscatella dazu – aber Kommentare seien billig. Die Realität sieht anders aus.
Faliszeks Punkt ist unangenehm, aber schwer zu widerlegen: Wir haben über Jahre entschieden, bequemer zu kaufen. Digitale Vorbestellung um Mitternacht. Kein Umtausch, kein Wechseln der Disc. „Ihr als Konsumenten sucht euch den einfachsten Weg, eure Spiele zu kaufen“, sagt er. „Ich mach das genauso, weil es super einfach und bequem ist.“
Wahl ohne Alternative
Nur: Die Rechnung ist nicht ganz vollständig. Faliszek hat recht – aber nur mit dem Teil der Wahrheit, den die Zahlen zeigen. Was er nicht sagt: Dass Sony den Markt so gebaut hat, dass die digitale Wahl oft die einzig rationale war.
Die PS5 kam von Anfang an in zwei Varianten – eine davon digital. Disc-Editionen kosten häufig Aufpreis, während digitale Keys in Sales regelmäßig günstiger sind als die Disc-Version. Day-1-Patches machen viele Discs ohnehin zu bloßen Lizenzschlüsseln – das Spiel liegt nicht vollständig auf der Platte, wie etwa das Gothic 1 Remake eindrucksvoll zeigt. Und dann sind da die neuen AGB, die Sony berechtigen, PSN-Accounts nach 36 Monaten Inaktivität zu löschen – mitsamt aller gekauften Inhalte. Wer sein letztes Spiel auf Disc kauft, hat zumindest etwas in der Hand.
Das Problem ist nicht, dass die Spieler digital kaufen. Das Problem ist, dass die Industrie die physische Alternative systematisch hat verkommen lassen – und jetzt sagt: „Seht her, ihr wollt es doch gar nicht.“
Der Preis des Protests
Trotzdem: Die Petitionen laufen, die #BoycottSony-Hashtags kursieren, die Empörung ist echt. Piscatella hat in seinem Bluesky-Post einen Satz geschrieben, der nachhallt: „Commenting is cheap.“ Boykottieren, Petitionen unterschreiben, auf Twitter schimpfen – das kostet nichts. Aber der entscheidende Hebel, der in Faliszeks Argument steckt, ist genau dieser: Solange die Kaufentscheidung digital fällt, wird Sony sein Verhalten nicht ändern.
Es gibt Gegenbelege. Die physische Collector’s Edition von Mortal Shell 2 war innerhalb von Tagen ausverkauft – ein klares Signal, dass die Nachfrage nicht tot ist. Aber es ist eine Nische. Ein Tropfen auf den heißen Stein aus 85 Prozent digitalen Verkäufen. Und Sony hat bislang auf keine der Petitionen reagiert – intern gab es laut ehemaligen Mitarbeitern keinerlei Diskussion über ein Zurückrudern.
Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Faliszek hat unrecht, wenn er die Schuld einseitig bei den Spielern ablädt – der Markt wurde aktiv in diese Richtung gedrängt. Aber er hat unrecht in eine Richtung, die unbequem ist, weil sie den Spiegel vorhält. Wer die Disc behalten will, muss sie auch kaufen. Nicht nur darüber reden.
