Es ist keine Woche her, dass Sony das Ende der PlayStation-Disc verkündet hat – und schon jetzt wird klar, dass hinter den Konzernfloskeln längst kalte Industrie-Realität steckt. Das Werk in Thalgau, Österreich, die letzte große Disc-Fabrik des Konzerns, läuft zwar noch, aber die Uhren ticken. 300 Mitarbeiter haben gerade erfahren, dass ihre Maschinen bald Mikrolinsen statt Blu-rays ausspucken werden. Es geht hier nicht mehr um eine Ankündigung, sondern um laufende Umbauten, um 30 Millionen Euro, die bereits investiert sind, und um eine Fabrik, die ab 2028 nur noch ein Zehntel ihres aktuellen Outputs produzieren wird. Wer jetzt noch an ein Zurück glaubt, den holt spätestens der Umbau in Thalgau ein.
Die Maschinen laufen noch – aber nicht mehr lange
600.000 Discs am Tag – das ist der aktuelle Takt, in dem die Anlage in Thalgau rotiert. Die Hälfte davon sind PlayStation-Spiele, der Rest Filme, Musik und andere Daten.
Sony DADC Chef Dietmar Tanzer hat dem ORF Salzburg bestätigt, dass ab 2028 nur noch zehn Prozent dieser Kapazität übrig bleiben. Gleichzeitig läuft die Umrüstung bereits auf Hochtouren.
30 Millionen Euro hat Sony in die Hand genommen, um aus der Disc-Fabrik eine Produktionsstätte für optische Mikrolinsen zu machen. Jene winzigen Bauteile, die Licht brechen und in Kameras, AR-Headsets oder – wie Sony selbst vorschlägt – in Blinker-Projektionen auf Asphalt zum Einsatz kommen.
Ein Zufall ist das nicht. Schon im Dezember 2024 arbeitete das Werk an ersten Mikrolinsen-Prototypen, wie ein internes Video zeigt. Sony hat diesen Schritt über Jahre vorbereitet – die Ankündigung war nur der letzte Akt.
300 Jobs bleiben, 23 Milliarden Discs sind Geschichte
Es gibt in dieser Geschichte auch eine gute Nachricht: Die 300 Mitarbeiter in Thalgau behalten ihre Jobs. Statt Discs zu pressen, werden sie auf die Mikrolinsen-Produktion umgeschult.
Kein Personalabbau, kein Werk dicht – das ist in einer Branche, in der Studios reihenweise schließen, fast schon ungewöhnlich fair. Trotzdem markiert der Umbau das Ende einer Zahlen-Dimension, die sich kaum greifen lässt.
Sony hat insgesamt 26,4 Milliarden Discs produziert, seit die erste Scheibe 1983 vom Band lief. Der Löwenanteil – 23 Milliarden Stück – entstand im US-Werk Terre Haute, Indiana, das 2022 geschlossen wurde.
Was mit der ersten PS1-CD begann, endet im Januar 2028 endgültig. Wer danach ein neues PlayStation-Spiel in die Hand nehmen will, hält keine Disc mehr – sondern nur noch einen Controller.
Die PS6 kommt ohne Laufwerk – und das sagt mehr als jedes Statement
Die eigentlich spannende Frage ist nicht, was in Thalgau passiert – sondern was das für die nächste Konsolengeneration bedeutet. Ampere-Analyst Piers Harding-Rolls bringt es auf den Punkt: Die Standardversion der PS6 wird kein physisches Laufwerk mehr enthalten.
Damit spart Sony pro Konsole rund 20 bis 30 Dollar Herstellungskosten – plus Blu-ray Lizenzgebühren. Klingt nach Kleinvieh, summiert sich aber bei Millionen verkaufter Geräte auf einen satten Betrag.
In einer Zeit, in der explodierende Speicherpreise die Komponentenkosten der PS6 auf geschätzte 960 Dollar treiben, ist jeder gesparte Cent einer, der in die APU oder den RAM fließen kann. Der Verzicht auf das Laufwerk ist keine Glaubensfrage – er ist schlicht eine Kostenkalkulation.
Ob es ein externes Laufwerk für alte Discs geben wird? Möglich, aber Sony wird es sich bezahlen lassen. Die Tage, an denen man eine Scheibe einlegt und einfach losspielt, sind gezählt.