Sony hat diese Woche das Ende der Spiele-Disc eingeläutet. Ab Januar 2028 gibt es keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Blu-ray – nur noch Downloads, nur noch Lizenzen. Was folgte, war ein kollektives Durchatmen der Branche, gemischt mit der fast schon reflexhaften Frage: Und was macht Nintendo? Die Antwort kam schneller, als man sie googeln konnte – und sie ist so herrlich vorhersehbar, dass sie fast schon wieder überrascht. Nintendo? Denkt nicht dran.
Ein Bauchgefühl, das mehr Gewicht hat, als Sony lieb sein kann
Circana-Analyst Mat Piscatella hat es gegenüber VideoGamesChronicles auf den Punkt gebracht: „Mein Bauchgefühl sagt: Nintendo macht, was Nintendo will.“ Der Satz klingt lapidar, aber er kommt von einem der präzisesten Marktbeobachter der Branche.
Piscatella sieht Nintendo als letzten Konsolenhersteller, der bis mindestens zum Ende des Switch 2 Zyklus an physischen Medien festhält. PS6 und Project Helix hingegen werden „mit Sicherheit rein digitale Geräte sein“, so seine Einschätzung.
Dahinter steckt keine Nostalgie, sondern eine nüchterne Analyse: Die Verkäufe physischer Spiele sinken seit Ende der 2000er kontinuierlich. Nur die Switch 2 hat dem US-Markt zuletzt ein minimales Plus beschert – aber das sei nicht von Dauer, sagt Piscatella.
Nintendo hat Fakten, nicht nur Sturheit
Dass Nintendo nicht in Panik verfällt, liegt nicht nur an der berühmten japanischen Sturheit. Der Konzern hat schlicht die besseren Karten – und die besseren Zahlen. Knapp 20 Millionen verkaufte Switch 2 Einheiten sprechen eine deutliche Sprache.
Noch wichtiger: Der Einzelhandel stützt sich seit Jahren zunehmend auf Nintendo. Kein anderer Hersteller hält im stationären Handel einen so hohen Anteil an physischen Software- und Hardware-Verkäufen wie das Kyotoer Unternehmen.
Das ist ein realer Wettbewerbsvorteil, den Nintendo nicht leichtfertig aufgibt. Während Sony und Microsoft den Retail längst als lästiges Übel betrachten, sind Nintendos Regalmeter in Media Markt, GameStop und Co. eine strategische Waffe. Eltern kaufen Switch-Spiele nun mal eher im Laden als im E-Store.
Die Disc verschwindet – nur anders, als alle denken
Trotzdem täuscht der Eindruck, hier stehe ein heldenhaftes Nintendo gegen den digitalen Moloch. Die Wahrheit ist unbequemer: Nintendo hat längst seine eigenen Wege gefunden, den physischen Markt Stück für Stück umzubauen.
Schon jetzt kosten Switch 2 Spiele im Laden mehr als im eShop – Yoshi and the Mysterious Book schlägt physisch mit rund 64 Euro zu Buche, digital mit 55. Die Game Key Card, Nintendos eigenes Format für Spiele ohne vollständige Daten auf dem Modul, verwischt die Grenze zwischen physisch und digital zusätzlich.
Die Logik dahinter: Nintendo behält die Retail-Präsenz, aber verlagert Wertschöpfung und Kontrolle Schritt für Schritt ins Digitale. Der Händler wird zur Abholstation für Download-Codes – die Box im Regal zur leeren Hülle.
Die Frage, die keiner stellt: Wie lange hält Nintendo diesen Spagat durch, wenn Sony und Microsoft den Druck erhöhen? Piscatella selbst räumt ein: „Wir sind da gerade eher im Dartpfeil-Territorium, was Prognosen angeht.“
Sony hat gewonnen – vorerst
Was die ganze Debatte überlagert: Sony hat mit seiner Ankündigung nicht nur die Zukunft der Disc besiegelt, sondern auch ein klares Signal an die Investoren gesendet. Die Aktie stieg um 3,2 Prozent an der Tokioter Börse.
Microsoft werkelt parallel an einer Lösung, mit der bestehende Xbox-Sammlungen in digitale Lizenzen umgewandelt werden sollen. Die Branche rennt in eine Richtung – und Nintendo steht am Rand, die Arme verschränkt, und tut, was es immer tut: abwarten.
Dass Ex-PlayStation-Chef Shawn Layden genau jetzt warnt, eine rein digitale PS6 würde Millionen Spieler ohne stabiles Internet ausschließen, macht die Sache nicht einfacher. Und Hideo Kojima fürchtet offen, dass digitale Daten irgendwann niemandem mehr wirklich gehören. Aber der Zug ist losgefahren.