PlayStation-Chef Hideaki Nishino hat in einem Q&A Klartext geredet – und zwar den, den kein PS5-Besitzer hören will. Die Preise für die PS5 sind erst im April gestiegen, die PS5 Pro kostet in den USA mittlerweile 900 Dollar, und wer jetzt auf eine günstigere PS6 hofft, den enttäuscht Nishino direkt mit: „Es ist nicht realistisch, dass wir alle Komponentenkostensteigerungen absorbieren.“ Sonys Botschaft ist simpel: Die Krise der Speicherpreise – in der Branche längst als RAMpocalypse bekannt – geht nicht spurlos an den Spielern vorbei. Der Konzern hat schlicht keine Lust mehr, die Verluste selbst zu tragen. Und die nächste Konsolengeneration? Die wird erst recht kein Schnäppchen.
Sony hat kein Interesse daran, günstige Konsolen zu bauen
Nishino ließ im Q&A (via IGN) keinen Zweifel an der neuen Linie. Auf die Frage, ob Sony auch in der nächsten Generation auf Hardware-Profitabilität setzen werde, antwortete er mit einem klaren Grundsatz: „Wir beabsichtigen nicht, Hardware mit signifikanten Verlusten zu verkaufen.“ Das klingt unspektakulär – ist aber ein Statement. Denn über Jahre haben Sony und Microsoft Konsolen unter dem Herstellungspreis verkauft und die Verluste über Spieleverkäufe wieder reingeholt.
Diese Zeiten sind endgültig vorbei – dass Sony bei der PS6 auf Frame Generation statt Rohleistung setzt, unterstreicht die neue Spar-Strategie. Stattdessen setzt Sony auf das Ökosystem. Die Konsole ist nur noch die Eintrittskarte – PlayStation Portal, künftige Handhelds und der Live-Service-Ausbau sollen das Geschäft machen.
Dass Nishino im selben Atemzug den Portal erwähnt, spricht Bände: Die Hardware selbst wird zum Verlustgeschäft, die Marge kommt woanders her.
Die RAMpocalypse ist real – und sie trifft die PS5 härter als gedacht
Hinter den Preiserhöhungen steckt kein Sony-internes Problem, sondern eine branchenweite Krise. Die AI-Industrie saugt sämtliche Speicherkapazitäten auf – DRAM und NAND gehen bevorzugt an die Rechenzentren dieser Welt, nicht an Konsolenhersteller. Microsoft gab vor Kurzem zu, dass die Speicherpreise um das 2,5-Fache gestiegen sind, und erwartet eine weitere Verdopplung bis Herbst 2027.
Sony trifft es doppelt. Die PS5 verkauft sich aktuell für 650 Dollar (Standard), die Digital Edition für 600 Dollar, die Pro für stolze 900 Dollar. Vor einem Jahr lag der Durchschnittspreis einer verkauften PS5 bei 505 Dollar – jetzt sind es 672 Dollar.
Ein Plus von 33 Prozent. Wer jetzt denkt, die PS5-Pro sei ein Luxusprodukt, hat noch nicht gesehen, wie die PS5-Verkäufe im Mai historisch eingebrochen sind.
Läuft wie geplant? Die Zahlen zeichnen ein anderes Bild
Nishino sagte wörtlich: „Die Verkäufe laufen wie geplant, und wir glauben nicht, dass dies zu einem Rückgang der Kundennachfrage geführt hat.“ Das ist eine bemerkenswerte Aussage, wenn man die Circana-Daten danebenlegt. Denn die zeigen: Mai 2026 war der schlechteste Mai für PlayStation in den USA seit 26 Jahren. Die PS5-Stückzahlen brachen um 58 Prozent ein, der Hardware-Umsatz um 43 Prozent.
Das ist kein leichter Dämpfer. Das ist ein historischer Einbruch. Sony spricht hier öffentlich von „keinem Nachfragerückgang“ – das ist entweder strategisches Framing für die Anleger, oder man liest im eigenen Haus die Marktforschung nicht.
PS6, Handheld und Live-Service – wohin steuert Sony?
Nishino nutzte das Q&A nicht nur für die Preisfrage, sondern auch für einen strategischen Ausblick. Sony setzt künftig auf Live-Service-Titel und nennt Marvel Tōkon: Fighting Souls als aktuelles Beispiel. In einem separaten Interview sprach er bereits über die Live-Service-Bilanz – und wie Sony Singleplayer und Multiplayer künftig trennen will.
Gleichzeitig deutete er an, dass die PS6 nicht in Stein gemeißelt ist – die Entwicklung stehe noch nicht final. Gerüchte um eine PS6-Verschiebung auf 2028 oder 2029 halten sich hartnäckig, und Analysten warnen vor einem Einstiegspreis jenseits der 1.000 Dollar.
Interessant ist der Hinweis auf den PlayStation Portal und das „Spielerlebnis jenseits des Wohnzimmers“. Das könnte ein erneuter Hinweis auf einen PS-Handheld sein – ein Gerücht, das seit Monaten durch die Branche geistert. Die PS6 ist laut Leak bereits weit fortgeschritten – eine Verschiebung wäre teurer als der Launch selbst.