Sony will weitermachen. Nach dem peinlichsten Flop der jüngeren PlayStation-Geschichte, nach Studio-Schließungen, nachdem man Bungie um Milliarden gekauft und dann beim Personalfiletieren zugesehen hat – bekräftigt SIE-Präsident Hideaki Nishino im Gespräch mit Famitsu die Live-Service-Pläne des Konzerns, wie GamingBolt berichtet. Es klingt weniger nach einem Strategiewechsel und mehr nach einem rhetorischen Scheibenwischer: Probleme wegwischen, Kurs halten. Die eigentliche Nachricht liegt woanders. Nishino liefert zum ersten Mal ein klares Regelwerk, wann ein PlayStation-Spiel exklusiv bleibt – und wann nicht. Und er teast ein Gerät, das die gesamte Hardware-Strategie verschieben könnte.
Die PR-Offensive
Nishino redet nicht um den heißen Brei herum, aber er redet auch nicht reinen Tisch. „Wir glauben, dass Live-Service-Spiele Nutzer auf globaler Ebene anziehen“, sagt er. Man wolle den Markt „weiter beleben“ – über First- und Third-Party-Inhalte. Dass Sony diesen Markt mit dem katastrophalen Concord-Start selbst beinahe abgetötet hat, spart er sich. Die Concord-Lehren aus dem Desaster liegen allerdings noch auf dem Tisch.
25.000 verkaufte Einheiten, zwei Wochen Lebensdauer, ein dichtgemachtes Studio – das ist keine Fußnote, das ist das Eingeständnis, dass Sonys Live-Service-Ambitionen bisher in den roten Zahlen geschwommen sind. Stattdessen verweist Nishino auf Marvel Tōkon: Fighting Souls, das am 6. August 2026 erscheint, und auf ältere Titel wie Helldivers 2, die man „mittel- bis langfristig“ weiterbetreiben will.
Die Beweislast
Trotz dieser Serie an Fehlschlägen – The Last of Us Online gecancelt, Concord eingestampft, Studios dichtgemacht – hält Sony am Live-Service-Kurs fest. Das ist kein blindes Durchwursteln mehr, das ist strategische Sturheit. Die Fairgame$ Pre-Alpha Playtest-Krise passt ins Bild: Tester beschrieben das Spiel als „unfertig oder langweilig“. Nishino sagt, das Genre sei „relativ neu, viele probieren verschiedene Dinge aus“, also wolle man „weiter Herausforderungen annehmen“. Das klingt nach einem CEO, der keine Alternative sieht, weil das Geld bereits verbrannt ist.
Die neue Plattform-Formel
Der wichtigste Teil des Interviews ist die Klärung der Plattform-Strategie. Nishino legt eine klare Trennlinie: Single-Player Spiele aus dem First-Party-Bereich bleiben PS5-exklusiv. Live-Service-Spiele dagegen kommen auf PS5 und PC. Die Logik dahinter ist simpel – und sie macht Sinn. Die 2,37 Milliarden Dollar aus der Multi-Plattform-Strategie zeigen, dass Sonys vorsichtige Öffnung funktioniert.
„Die Plattformwahl wird anhand der Eigenschaften jedes Titels getroffen“, erklärt Nishino. Wenn ein Spiel eine große Spielerbasis braucht, um zu funktionieren – also bei Multiplayer –, geht es auf den PC. Single-Player dagegen liefert das „refined value“-Erlebnis auf der PlayStation. Das ist konsistent und ehrlicher als alles, was Sony vorher kommuniziert hat. Bisher war die PC-Strategie ein Flickenteppich aus zeitverzögerten Ports, die mal kamen, mal nicht. Jetzt gibt es eine Faustregel.
Jenseits des Wohnzimmers
Der interessanteste Moment im Interview ist ein Satz, der wie eine beiläufige Randnotiz wirkt, aber alles verändert. „PlayStation wird stark mit dem Wohnzimmer-Fernseher assoziiert“, sagt Nishino, „aber wir planen, Monitore und Lautsprecher zu veröffentlichen, damit man auch an anderen Orten bequem spielen kann.“ Er erwähnt das PlayStation Portal als Teil dieser Bemühungen. Die PS6-Handheld-Gerüchte bekommen damit eine strategische Einordnung.
Das klingt nach Governance-Sprech für: Ja, der Handheld kommt. Nach allem, was in den letzten Monaten durchgesickert ist – ein Gerät mit 16 RDNA-5-Recheneinheiten, Zen-6c-Kernen und einer Leistung, die angeblich die Xbox Series S übertrifft –, ist die Richtung klar. Sony will PlayStation vom TV-Klotz lösen. Marvel Tōkon: Fighting Souls und Helldivers 2 sind dann nicht nur Live-Service-Spiele, sondern auch die Content-Lieferanten für ein tragbares Ökosystem. Ein Handheld, der PS5-Spiele im Low-Power-Modus spielt, braucht Spiele, die man in kurzen Sessions zocken kann. Live-Service passt da perfekt.