Die Mai-Zahlen von Circana sind da – und sie lesen sich wie ein Krimi mit drei völlig unterschiedlichen Enden. PlayStation 5 und Xbox Series X/S stürzen auf dem US-Markt auf historische Tiefs, während die Nintendo Switch 2 nach einem Jahr auf dem Markt zur zweitschnellstverkauften Hardware der US-Geschichte aufsteigt. Der gemeinsame Nenner? Ein Preisschock, der die Konsolenbranche härter trifft als gedacht.
58 Prozent weniger PS5 – Sony kassiert die Quittung für die Preispolitik
Wer im April die PS5-Preise nach oben korrigiert, darf sich im Mai nicht wundern. Die PlayStation 5 kostete in den USA zuletzt 672 Dollar im Durchschnitt – ein Anstieg von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Folge: Die Ausgaben für PlayStation-Hardware brachen um 43 Prozent ein, die verkauften Stückzahlen sogar um 58 Prozent. Das ist der schlechteste Mai für Sony seit dem Jahr 2000, wie Kotaku unter Berufung auf Circana berichtet. Der PS5-Pro-Aufschlag und die generelle Teuerung scheinen eine Schmerzgrenze erreicht zu haben, die selbst treue Käufer abschreckt.
Xbox auf dem tiefsten Punkt der Geschichte – aber Microsoft verdient mehr Geld
So schlecht wie in diesem Mai war der Xbox Hardware-Verkauf in den USA noch nie – seit es die Sparte überhaupt gibt. Die Stückzahlen gingen um zwölf Prozent zurück, der durchschnittliche Preis für eine Xbox Series X/S stieg auf 524 Dollar (plus 22 Prozent). Und jetzt kommt der Haken: Die Dollar-Einnahmen stiegen trotzdem um sieben Prozent. Microsoft verkauft also weniger Konsolen, verdient aber mehr pro Gerät. Ob das wirklich eine Strategie ist oder einfach ein Nebenprodukt der Krise, lässt sich trefflich streiten.
Circana-Analyst Mat Piscatella formuliert es so: „Xbox liegt bei den Hardware-Verkäufen der großen Hersteller aktuell auf einem abgeschlagenen dritten Platz. Aber sie erzielen mehr Umsatz pro verkaufter Einheit – genug, um die Dollar-Verkäufe im Mai trotz rückläufiger Stückzahlen steigen zu lassen. Ob das der Definition von ‚funktionieren‘ entspricht oder nicht, weiß ich nicht.“ Dass Microsofts Hardware-Strategie vor einem fundamentalen Umbau steht, darüber wird schon länger diskutiert.
Switch 2: 5,9 Millionen in einem Jahr – und dann kommt die Preiserhöhung
Während Sony und Microsoft bluten, feiert Nintendo. Die Switch 2 hat in ihrem ersten Jahr auf dem US-Markt 5,9 Millionen Einheiten verkauft und ist damit die zweitschnellstverkaufte Spielkonsole in der US-Geschichte – nur der Game Boy Advance lag mit 6,5 Millionen Einheiten im ersten Jahr knapp vorn, wie IGN berichtet.
Die Kehrseite: Zum 1. September hebt Nintendo den Preis der Switch 2 um 50 Dollar auf 499,99 Dollar an. Piscatella deutet bereits an, dass das zweite Jahr „schwierig werden könnte“. Die Rechnung ist einfach: Wenn schon die PS5 bei 672 Dollar Durchschnittspreis massiv einbricht, wird eine 500 Dollar Switch 2 nicht verschont bleiben. Dass Nintendo dennoch auf 16,5 Millionen Einheiten im laufenden Geschäftsjahr hofft, zeigt Selbstvertrauen – aber auch eine gehörige Portion Risiko. Der Switch 2 Erfolg steht und fällt mit der Frage, ob Nintendo das Momentum halten kann.
Die große Frage: Wie teuer darf eine Konsole noch sein?
Der Mai 2026 offenbart ein strukturelles Problem, das über einzelne Preisrunden hinausgeht. Der Durchschnittspreis für Gaming-Hardware in den USA liegt bei 502 Dollar – 14 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das klingt nach wenig, aber in der Breite wirkt es wie ein Kälteschock. Sowohl Sonys PS6 als auch Microsofts Project Helix werden laut Brancheninsidern jenseits der 1.000-Dollar-Marke diskutiert. Wenn schon die aktuelle Generation an der Preisspirale zu knabbern hat, wie soll dann eine Next-Gen-Konsole für 800 Dollar oder mehr überhaupt noch massentauglich sein? Die Switch 2 zeigt, dass Erfolg auch ohne maximale Rechenleistung geht – aber Nintendo spielt in einer eigenen Liga. Die Gerüchte um die PS6 deuten bereits an, wohin die Reise geht.