Xbox hat bestätigt, dass die angekündigten Stellenstreichungen anders kommen als geplant: Nur 268 Rollen fallen tatsächlich weg, der Rest wird intern verschoben. Ninja Theory, das Studio hinter Hellblade und Senua, steht vor der Schließung, nachdem zwei Verkaufsdeals platzten. Halo wandert zu Activision, Obsidian zu Bethesda, Turn 10 und Playground fusionieren zu einem einzigen Studio. Was bleibt, ist ein Konzern, der seine Kultur verkauft, um Margen zu retten — und der dabei seine eigene Geschichte verrät. Wer geglaubt hat, der Reset sei vorbei, irrt gewaltig.
268 statt 1.600: Der stille Ausstieg aus dem eigenen Ziel
Die Zahlen sind das eine. Was sie verschweigen, das andere. Im Juli 2026 hatte Xbox-Chefin Asha Sharma angekündigt, im laufenden Fiskaljahr 1.600 weitere Stellen zu streichen. Jetzt, zwei Monate später, bestätigt Matt Booty in einem Memo, dass es bei 268 Rollen bleibt. Der Rest soll durch Verschiebungen aufgefangen werden.
Ein Report von Windows Central zeigt, wie Microsoft seine Zahlen schönt: Statt eines weiteren Kahlschlags werden Mitarbeiter in andere Abteilungen geschoben. Die vollständige Liste der Verschiebungen dokumentiert, was passiert, wenn ein Konzern seine Belegschaft nicht entlässt, sondern umleitet. Das eigentliche Ziel — die Einsparung von 1.600 Stellen — bleibt bestehen. Nur der Weg dorthin sieht anders aus.
Was in der Mitteilung wie eine moderate Korrektur klingt, ist in Wahrheit eine Verschiebung der Verantwortung. Wer nicht gekündigt wird, aber in ein anderes Team wechseln muss, verliert nicht nur den Arbeitsplatz, sondern auch die Kollegen, die Marke und die Kultur, für die er einmal angetreten ist. Die Zahlen stimmen. Die Menschen nicht. Ein Studio bekommt das gerade besonders hart zu spüren.
Ninja Theory: Zwei Deals platzen, ein Studio vor dem Aus
Die Nachricht trifft härter als die meisten Zahlen: Ninja Theory, das Studio hinter Hellblade und Senua, steht vor der Schließung. Deals für eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen sind geplatzt, wie Matt Booty im selben Memo bestätigt. Microsoft hat Konsultationen mit den Mitarbeitern über eine mögliche Schließung aufgenommen.
Das drohende Ende des Hellblade-Studios ist das Ende eines monatelangen Tauziehens. Ursprünglich sollte Ninja Theory verkauft werden, nicht geschlossen. Im Juli hieß es, das Studio habe Vereinbarungen getroffen, um unter neues Eigentum zu treten. Was davon bleibt, ist unklar. Microsoft will nach eigenen Angaben weiter nach Alternativen suchen — auch ein Verkauf ist nicht ausgeschlossen.
Für die Mitarbeiter bedeutet das: Ungewissheit bis zur letzten Minute. Ninja Theory wurde 2018 von Microsoft übernommen und galt lange als Beispiel dafür, dass ein Konzern auch unbequeme, erzählerische Spiele fördern kann. Jetzt steht das Studio als Sinnbild für eine Politik, die Kultur nur so lange duldet, wie sie sich rechnet.
Halo zu Activision: Die stille Neuverteilung der Marken
Ninja Theory ist nicht das einzige Studio, das den Besitzer wechselt. Halo — einst das Kronjuwel der Xbox — geht an Activision. Ein neues, zweckgebautes Team unter dem Call of Duty Publisher soll den nächsten Halo-Teil entwickeln. Halo Studios selbst bleibt als kleiner Support-Trupp für bestehende Spiele und die Community.
Auch Obsidian Entertainment, das Studio hinter The Outer Worlds und Grounded, wird unter Bethesda gestellt. Rare und World’s Edge wandern zu Activision. Turn 10 Studios, verantwortlich für Forza Motorsport, wird mit Playground Games fusioniert. Die Marken bleiben, die Eigenständigkeit geht. Für Spieler bedeutet das vor allem eines: weniger Vielfalt. Wenn Halo, Forza und Fable unter demselben Dach verwaltet werden, verschwimmen die Unterschiede.
64 Cent pro Dollar: Die Rechnung, die alles erklärt
Diese Verschiebungen folgen einer Logik, die Sharma im Juli offengelegt hat: „In einem typischen Jahr haben wir 64 Cent für jeden Dollar verloren, den wir investiert haben“, schrieb sie. Es sei „weder möglich noch wünschenswert, jedes großartige unabhängige Studio zu besitzen“, heißt es in dem Memo. Man habe gelernt, „dass wir nicht das beste Zuhause für jede Art von Studio sind“.
Der Kurswechsel an der Xbox-Spitze ist damit vollzogen. Die aggressive Expansion seit 2018 gilt intern als gescheitert. Jetzt werden die Studios verschoben, fusioniert oder verkauft — je nachdem, was die Bilanz am wenigsten belastet. Wer glaubt, dass es dabei um Spiele geht, hat die Logik nicht verstanden. Es geht um Margen.
Sharma hat recht, wenn sie sagt, dass Xbox nicht jedes Studio besitzen kann. Aber sie zieht daraus den falschen Schluss: Statt sich von einzelnen Studios zu trennen, zerschlägt sie die Struktur, die Xbox überhaupt erst interessant gemacht hat. Der Umbau ist keine Rettung. Er ist eine Abwicklung in Raten.
Der 6. Oktober: Ein Fest, das niemand feiern will
Und trotzdem gibt es einen Termin, an dem alles besser werden soll. Am 6. Oktober 2026 lädt Xbox zum großen Town Hall. „Wir werden als ALL-XBOX-Team zusammenkommen, um auf unseren Fortschritt zurückzublicken und auf eine der stärksten Spiele-Line-ups unserer Geschichte vorauszuschauen“, schreibt Booty. Die Frist von ganz oben setzt den Rahmen.
Ganz anders klingt da die Abrechnung eines id-Veteranen. Während die Führungsetage von „ALL-XBOX“ spricht, haben in den vergangenen Monaten viele ihren Arbeitsplatz verloren. Der Reset ist fast abgeschlossen. Die Seele ist es auch.