id Software Veteran Chris Hays hat im Well-Played-Podcast erstmals öffentlich über die Massenentlassungen gesprochen, die das Doom-Studio im Juli 2026 trafen. Seine Bilanz ist vernichtend: 136 der 185 Mitarbeiter wurden entlassen – darunter fast das komplette KI-Team. Die Rechtfertigungen des Xbox-Managements nennt er „Bullshit“.
„Das Studio wurde von 185 auf 49 Leute reduziert“
Chris Hays, 16 Jahre Lead Services Programmer bei id Software, ließ im Podcast keine Zweifel an den Zahlen. „id Software wurde von 185 auf 49 Leute reduziert“, sagte er im Gespräch mit Andre Peschke. Die Entlassungen erfolgten als Teil jener großen Xbox-Restrukturierung unter CEO Asha Sharma, bei der konzernweit 3.200 Stellen gestrichen wurden.
Die Texas WARN Notice bestätigt die Dimension: Insgesamt 136 Entlassungen bei id Software – davon 96 am Standort Richardson und 40 remote, wie Game Developer meldete. Das sind knapp 74 Prozent der Belegschaft.
Besonders hart traf es das KI-Team. Mehr als 90 Prozent der KI-Designer verloren ihren Job, wie mehrere Berichte der Betroffenen dokumentieren. Hays nannte keine Namen, sprach aber von einem „institutionellen Wissensverlust, den man nicht in Jahren wieder aufbaut“.
„Die Rechtfertigungen sind Bullshit“
Hays ließ im Podcast kein gutes Haar an der internen Kommunikation des Xbox-Managements. Die Begründungen, die den verbliebenen Mitarbeitern nach der Entlassungswelle präsentiert wurden, bezeichnete er als „Bullshit-Rechtfertigungen“. Außerdem warf er Microsoft vor, Kunst und Spiele „fundamental nicht zu verstehen“.
Der 16-jährige Studio-Veteran sprach von einer „unmenschlichen“ Abwicklung: „Die Moral war noch nie so niedrig.“ Dass er sich öffentlich äußert, ist kein Zufall – Hays ist sichtlich nicht mehr bereit, die interne Sprachregelung mitzutragen. „Microsoft hat eine Menge Brücken in der Industrie verbrannt“, sagte er im kompletten Interview bei Auf ein Bier.
Diese Aussagen gewinnen an Brisanz, weil die Entlassungen ein Studio trafen, das mit Doom: The Dark Ages 2025 einen der stärksten Titel des Jahres abgeliefert hatte. Der Release lag erst ein Jahr zurück, die Wertungen waren stark – und trotzdem wurde das Team kahlgeschlagen. Ironischerweise fiel der Launch des Revelations-DLC exakt in die Woche, in der id Software blutete.
Hugo Martin beschwichtigt – Hays widerspricht
Nur Tage nach den Entlassungen trat Studio-Director Hugo Martin in den sozialen Medien an und gab Entwarnung: id Software sei „nicht zerlegt worden“, die Kernmannschaft arbeite weiter und man sei bereits in der „frühen Phase des nächsten Doom-Titels“.
Hugo Martins Dementi rief Widerspruch hervor – sowohl von Ex-Mitarbeitern als auch indirekt von Hays. Seine 49 verbliebene Mitarbeiter Zahl steht in hartem Kontrast zu Martins Darstellung eines weitgehend intakten Studios.
„Ein Studio mit 49 Leuten macht kein AAA-Doom“, sagte Hays im Podcast. Er stellte klar: „Es ist unmöglich, große Spiele wie Doom: The Dark Ages mit der halben Mannschaft zu produzieren.“
Was die Entlassungen für das nächste Doom bedeuten
Microsoft hat offiziell bestätigt, dass ein neuer Doom-Titel in Entwicklung ist – trotz der dezimierten Belegschaft. Aber die Frage ist nicht, ob das Spiel erscheint. Die Frage ist, mit wem und in welcher Qualität.
Entscheidend ist das KI-Team: Gegnerverhalten, Kampf-Flow, das berühmte „Doom Dance“-Gefühl – all das kommt aus der KI-Abteilung. Wer das Team um 90 Prozent kürzt, verliert nicht nur Köpfe, sondern das implizite Wissen, wie sich ein id-Software-Shooter anfühlen muss. Das lässt sich nicht outsourcen. Das merkt man dem Endprodukt an.
Zum Vergleich: Als EA 2023 bei Respawn das Apex Legends Team umstrukturierte, dauerte es nur zwei Seasons, bis Spieler und Presse einen Qualitätsabfall bemerkten. Id Software hat nicht umstrukturiert – es wurde amputiert.
Ein Veteran bricht sein Schweigen
Dass Hays sich jetzt öffentlich äußert, hat Gewicht. Er ist kein anonymer Leaker, sondern ein 16-jähriger id-Software-Veteran, der mit seinem Namen für die Kritik einsteht. Der Podcast ist Abrechnung und Zeitzeugnis zugleich.
Die eigentliche Geschichte ist aber nicht Hays‘ Wut. Es ist der Kontrast: Ein Studio, das 2025 mit Doom: The Dark Ages einen Hit abliefert, wird ein Jahr später als Entwickler-Team nahezu ausgelöscht – während parallel der Revelations-DLC erscheint. Das ist kein Einzelfall in Microsofts Portfolio – Arkane Austin, Tango Gameworks und Roundhouse Studios teilen dieses Schicksal. Aber bei id Software trifft es ein Studio, das bewiesen hatte, dass es funktioniert. Das macht die Sache zum Präzedenzfall.
