Matt Booty hat eine Nachricht an die Xbox-Belegschaft geschickt, die es in sich hat. Darin kündigt der Chief Content Officer an, dass 268 Stellen gestrichen werden – und dass man mit den Mitarbeitern von Ninja Theory Gespräche über eine „vorgeschlagene Schließung“ aufnimmt. Zwei separate Vereinbarungen für das Hellblade-Studio seien geplatzt. Ausgerechnet jetzt, wo Senua für 2027 angekündigt ist und die Zukunft des Studios eigentlich rosig aussehen sollte. Stattdessen beginnt ein Prozess, der das Ende von Ninja Theory bedeuten könnte.
Was Matt Booty in seinem Memo schreibt
Das Booty-Memo liest sich wie eine Abrechnung mit der eigenen Strategie. „Wir werden nun Gespräche mit den Mitarbeitern über eine vorgeschlagene Schließung beginnen, während wir weiter nach anderen Wegen nach vorne suchen“, schreibt der Xbox-Manager. Zwei separate Vereinbarungen für Ninja Theory seien gescheitert – ein Satz, der in seiner Nüchternheit fast brutal wirkt. Die 268 gestrichenen Stellen betreffen nicht nur Ninja Theory, sondern auch Halo Studios, andere First-Party-Studios und die XGS-Managementebene.
Die Umstrukturierung ist Teil eines größeren „Reset“, den Xbox-Chef Satya Nadella bereits früher im Jahr angekündigt hatte. Die Maßnahmen seit Juli – einschließlich der Studio-Veräußerungen – bringen das Unternehmen nach Bootys Worten „etwa drei Viertel des Weges“ durch die zuvor angekündigte Restrukturierung. Für die Betroffenen dürfte das wenig Trost sein. Denn während Compulsion Games und Double Fine Productions bereits ihre Unabhängigkeit erlangt haben und die Kontrolle über ihre IPs und Backkataloge zurückgewonnen haben, hängt Ninja Theory in der Schwebe.
Senua ist angekündigt, die Zukunft ist ungewiss
Es ist eine Ironie, die ihresgleichen sucht. Erst im Juni dieses Jahres hatte Ninja Theory im Rahmen des Xbox Games Showcase 2026 ein neues Senua-Spiel angekündigt. Ein Action-Adventure, das die Geschichte der Protagonistin nach den Ereignissen von Hellblade 2 fortsetzen soll. Release: 2027. Das Studio arbeitete an einer Erweiterung seiner Marke, an einer neuen Vision für die Reihe. Man hatte gerade erst die Senua-Entwicklung vorgestellt, die auf mehr Kampf, eine offenere Welt und beidhändigen Kampf setzt.
Doch während Senua für 2027 datiert ist, steht die Existenz des Studios für 2026 infrage. Das Projekt Mara war bereits eingestellt worden – offenbar, um alle Ressourcen auf die Hellblade-Reihe zu konzentrieren. Diese Strategie hat sich nicht ausgezahlt. Zumindest nicht aus Sicht der Xbox-Führung, die nun lieber das Studio schließt, als es weiterzuführen.
Ein Reset, der keine Gewinner kennt
Die Schließungspläne für Ninja Theory sind kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Bewegung. Der von Satya Nadella ausgerufene Reset hat bereits mehrere Studios getroffen. Compulsion und Double Fine sind unabhängig geworden. Undead Labs hat einen neuen Publisher gefunden und wird State of Decay 3 dennoch am ersten Tag im Game Pass veröffentlichen. Bei Arkane Studios läuft die Konsultation noch bis zum Ende des Jahres.
Die Frage, die sich stellt: Warum trifft es ausgerechnet Ninja Theory? Ein Studio, das mit Hellblade 2 technisch Maßstäbe gesetzt hat. Ein Studio, das gerade erst ein neues Spiel angekündigt hat. Die Antwort liegt vermutlich in der nüchternen Rechnung eines Konzerns, der seine Kreativabteilungen neu ordnet. Xbox bestraft eigene Studios offenbar nicht für Misserfolge, sondern für die Befolgung von Befehlen. Und Ninja Theory hat die Befehle befolgt.
Was vom einstigen Kreativstudio übrig bleibt
Matt Booty wird sich nächste Woche Zeit mit den Xbox-Studios nehmen. Am 6. Oktober findet ein Town Hall statt, bei dem man gemeinsam „auf unseren Fortschritt zurückblicken“ und „auf eine der stärksten Spielaufstellungen unserer Geschichte vorausschauen“ will. So steht es in dem Memo. Für die Mitarbeiter von Ninja Theory, die gerade erfahren haben, dass ihr Studio vor dem Aus steht, dürften diese Worte Hohn sein. Senua wird nicht Teil dieser Aufstellung sein. Zumindest nicht in der Form, wie sie geplant war.
Was bleibt, ist ein Studio, das über Jahre hinweg einige der eindringlichsten Spielerfahrungen der letzten Dekade geschaffen hat. Hellblade: Senua’s Sacrifice war ein Experiment, das aufging. Hellblade 2 war ein technisches Meisterwerk. Senua sollte der nächste Schritt sein. Stattdessen beginnt nun ein Konsultationsprozess, an dessen Ende möglicherweise die Schließung steht. Andere Wege nach vorne werden noch gesucht. Ob sie gefunden werden, ist offen.