Gut, Leute, setzen wir uns mal kurz hin und reden über die aktuelle „Fallout-Veröffentlichung“ für 2027. Es ist keine Ankündigung von Fallout 5. Es ist kein Remaster von New Vegas und kein Remake von Fallout 3. Es ist eine PVC-Figur. Genauer gesagt: Victor der Securitron aus der Amazon-Serie, 24,8 Zentimeter groß, 80 Dollar teuer, irgendwann zwischen Februar und April 2027 lieferbar. Dark Horse Direct hat die Vorbestellung zur Victor-Figur freigeschaltet, und das Ding sieht tatsächlich fantastisch aus – der Casino-Chip als Base, die rostige Metall-Optik, alles dran. Aber wenn wir ehrlich sind: Dass ein Sammlerstück als „Fallout-Release“ durch die Nachrichten geht, sagt mehr über den Zustand der Serie als über die Figur.
Victor ist da – das Spiel nicht
Fangen wir mit dem Positiven an: Die Figur ist ein echter Hingucker. Victor, der Securitron, den Spieler aus Fallout: New Vegas als ersten freundlichen Roboter kennenlernen, bekommt endlich Merchandise. Auf der Produktseite von Dark Horse Direct heißt es, Victor sei „ein privater Sicherheitsroboter, der für verschiedene Aufgaben ausgelegt ist – darunter Kundendienst und Notfalleinsätze“. In der Serie trifft der Ghul auf ihn in einer verlassenen NCR-Basis, und sein Gedächtnis ist „etwas konfus“, wie es so schön heißt. Die Figur fängt diesen Charme ein. Wer die Serie gesehen hat oder New Vegas kennt, freut sich. Punkt.
Gleichzeitig ist es bezeichnend, dass diese News durch die Decke geht. Dass Xbox seine Studios schließt und trotzdem Millionen in Fallout pumpt, haben wir ja erst vor zwei Wochen dokumentiert. Aber ein Spiel wird daraus nicht – zumindest nicht in diesem Jahrzehnt.
Wenn Merch zum Trostpreis wird
Man muss der Fallout-Community keinen Vorwurf machen, dass sie jede noch so kleine Neuigkeit feiert. Seit 2018 gab es keinen einzigen neuen Fallout-Titel. Seit 2015 keinen mainline-Ableger. Todd Howard hat zwar mehreren Fallout-Projekten grünes Licht gegeben, aber wer genau hinhört, weiß: Das meiste davon sind Remaster-Gerüchte, keine neuen Spiele. Todd selbst bekannte sich im Gespräch mit Kinda Funny Games als „Anti-Remake“ – ein Statement, das er kurz darauf relativierte, aber der Kern bleibt.
Eine Figur für 80 Dollar ist schön. Wirklich. Aber sie ersetzt kein Spiel. Dass die Community so ausgehungert ist, dass eine Merchandise-Ankündigung auf Gaming-Seiten als „brand-new release“ gefeiert wird, ist ein Armutszeugnis – für Bethesda, nicht für die Fans.
Bethesda, die Serie und das große Fragezeichen
Die Amazon-Serie hat Fallout zurück ins öffentliche Bewusstsein katapultiert. Staffel 3 ist bestätigt, die Dreharbeiten laufen. Aber während die TV-Adaption regelmäßig Nachschub liefert, bleibt das Spielestudio merkwürdig still. Die Gerüchte um ein Fallout 3 Remaster und New Vegas Remake halten sich hartnäckig, bestätigt ist nichts. Realistisch betrachtet wird Fallout 5 frühestens in den 2030ern erscheinen – wenn das Bethesda-Hauptstudio nach The Elder Scrolls 6 überhaupt noch Kapazitäten hat.
Bis dahin bleibt den Fans: die Serie, ein 76er-Server, der immer noch läuft – und jetzt eine PVC-Figur. Die ist detailverliebt, fair bepreist und eine schöne Erinnerung an bessere Zeiten. Aber ein Trost ist sie nicht.