Obsidian Entertainment arbeitet an einem neuen Fallout-Spiel unter der Regie von Josh Sawyer. Das berichtet Bloombergs Jason Schreier unter Berufung auf mehrere eingeweihte Personen. Der Haken: Die gute Nachricht kommt im Paket mit der Streichung von Avowed 2, weiteren Entlassungen und der Absage eines zweiten unangekündigten RPG-Projekts von Sawyer selbst. Es ist der Moment, in dem Asha Sharmas „Reset“ sichtbar wird – und zwar nicht als abstrakte Strategie, sondern als ganz konkrete Entscheidung, die die Studio-Landschaft bei Xbox neu ordnet.
Der „Reset“ trifft Obsidian – was Avowed 2 zum Verhängnis wurde
Avowed war kein Flop, aber es war auch kein Erfolg. Obsidian-CEO Feargus Urquhart räumte selbst ein, dass das Fantasy-RPG nach über sechs Jahren Entwicklung die Erwartungen verfehlt hat. Genug, um einem Sequel grünes Licht zu rechtfertigen – zumal die Entwicklung laut Schreiers Quellen „gut lief“ und eine Ankündigung für 2027 geplant war.
Dann kam Asha Sharma. Die neue Xbox-Chefin hat im Februar mit einem internen Memo klargemacht: Das Geschäft ist nicht gesund, jede Ausgabe muss sich rechtfertigen. Und Avowed 2 passte – trotz solider Fortschritte – nicht in Sharmas Gesamtstrategie. Das Studio hat im Zuge der Juli-Layoffs rund ein Viertel seiner Belegschaft verloren.
Josh Sawyer und das Fallout-Erbe – warum dieser Schritt Sinn ergibt
Josh Sawyers Vita liest sich wie die Wunschliste eines RPG-Fans. Fallout: New Vegas, Pillars of Eternity, Pentiment – der Mann hat nachgewiesen, dass er narrative Rollenspiele auf höchstem Niveau beherrscht. Dass er jetzt ein neues Fallout führen soll, klingt nach der logischsten Entscheidung, die Xbox in diesem Jahr getroffen hat – zumal Bethesda selbst mit Fallout 5 noch Jahre braucht.
Interessant ist der Nebensatz: Sawyer arbeitete zuvor an einem eigenen RPG, das „strukturell und thematisch“ Fallout ähnelte, aber kein offizieller Teil der Reihe war. Dieses Projekt wird ebenfalls eingestellt. Stattdessen bekommt Sawyer die Markenlizenz, das Publisher-Budget und die volle Rückendeckung.
Sharmas Strategie wird sichtbar – und sie hinterlässt Spuren
Der Bericht bestätigt ein Muster, das sich seit Monaten abzeichnet: Sharma setzt auf Markenstärke statt auf kreative Breite. Obsidian bekommt Fallout, weil Fallout ein garantierter Player-Engagement-Magnet ist – erst recht mit Sawyer an der Spitze. Dass dafür Avowed 2 und Sawyers eigenes Projekt sterben müssen, ist für die neue Xbox-Führung offenbar ein akzeptabler Trade.
Die Kehrseite: Ein weiterer Studio interner Projekt-Cancel schwächt das Vertrauen in langfristige Planung. Wenn selbst ein Sequel, das „gut läuft“, jederzeit gekippt werden kann, wird die Frage „Woran arbeitet ihr gerade?“ für Entwicklerteams zunehmend schwer zu beantworten.
Was von Obsidian bleibt – und welche Projekte noch stehen
Nicht alles wird gecancelt. Grounded 2 befindet sich im Early Access und läuft solide. Für The Outer Worlds 2 ist ein Story-DLC in Arbeit, auch wenn konkrete Details noch fehlen.
Sobald das neue Fallout in die Vorproduktion geht, soll Avowed 2 endgültig eingestellt werden. Bis dahin arbeitet eine kleine Gruppe weiter – eine Art digitale Reservebank, falls die Strategie nochmal kippt.
Auf den Pixel gefühlt…
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