16 Jahre nach Fallout: New Vegas bekommt Obsidian eine zweite Chance. Bethesda hat offiziell bestätigt, dass die Rollenspiel-Legenden gemeinsam an einem neuen Fallout arbeiten – flankiert von einer ganzen Lawine weiterer Ankündigungen: Fallout 5 in Pre-Production, Remaster von Fallout 3 und New Vegas, eine neue Fallout 76 Expansion und ein Live-Event in Washington zum 30. Jubiläum. Es ist die größte Fallout-Roadmap der Geschichte. Dass sie ausgerechnet in der Woche kommt, in der Xbox 3.200 Menschen entlässt und Obsidian gerade Avowed 2 geopfert hat, ist kein Zufall.
Fallout von Obsidian – das Comeback nach 16 Jahren
Es gibt Momente, in denen die Spielebranche innehalten muss. Der 17. Juli 2026 war so ein Moment. Bethesda hat offiziell bestätigt, was sich in den letzten Tagen bereits abzeichnete: Obsidian Entertainment arbeitet an einem neuen Fallout. Sechzehn Jahre nach Fallout: New Vegas, das bis heute als eines der besten RPGs aller Zeiten gilt, bekommen Josh Sawyer und sein Team die Chance, in die postapokalyptische Welt zurückzukehren. Und diesmal mit dem offiziellen Segen von Bethesda.
Das Statement von Todd Howard gegenüber IGN ist knapp, aber eindeutig. Man freue sich, bestätigen zu können, dass Obsidian mit Bethesda an einem neuen Fallout-Projekt arbeite – mehr Details in der Zukunft. Das ist bewusst vage gehalten, aber die Botschaft ist klar: Dies ist kein abgespecktes Spin-off, kein Mobile-Ableger, kein Creations-Paket. Es ist ein echtes Fallout-Rollenspiel aus dem Haus, das uns New Vegas geschenkt hat.
Bemerkenswert ist das Timing. Die Ankündigung kommt nur wenige Tage, nachdem Bloomberg enthüllt hatte, dass Obsidian Avowed 2 gestoppt und Sawyers eigenes unangekündigtes RPG-Projekt geopfert hat. Ein Studio, das gerade ein Viertel seiner Belegschaft verloren hat, tauscht seine Eigenentwicklungen gegen eine gesicherte Marke. Für Obsidian ist dieser Deal existentiell – und für die Fallout-Community ein historischer Moment.
Drei Remaster, ein DLC und Fallout 5 – wie viel Fallout verträgt die Roadmap?
Das Obsidian-Comeback ist das emotionale Highlight, aber es ist nicht die einzige Ankündigung. Bethesda hat gleich eine ganze Fallout-Offensive aus dem Hut gezaubert. Fallout 5 befindet sich offiziell in der Pre-Production und wird auf Creation Engine 3 entwickelt – der gleichen Technologie, die auch The Elder Scrolls 6 antreibt. Fallout 3 und Fallout: New Vegas bekommen endlich Remaster, ein Wunsch, den Fans seit Jahren auf die Liste gesetzt haben. Fallout 76 erhält 2027 mit „Raven Rock“ eine Prequel-Expansion, die zeitlich vor Fallout 3 spielt. Und der 30. Geburtstag der Reihe wird 2027 mit einem „Fallout Day“ live in Washington D.C. gefeiert.
Das ist eine Menge. Fast schon zu viel für ein Studio, das gerade eine der brutalsten Umstrukturierungen der Xbox-Geschichte hinter sich hat. Die Frage ist nicht, ob Bethesda diese Projekte ankündigen kann – die Frage ist, wer sie baut.
Die Remaster sind vermutlich an externe Studios ausgelagert. Fallout 5 ist als Pre-Production deklariert – also das früheste Planungsstadium, weit entfernt von einer greifbaren Veröffentlichung. Der Hauptfokus liegt klar auf The Elder Scrolls 6, wie Howard mehrfach betont. Was bleibt, ist eine Roadmap, die nach viel aussieht, aber deren konkrete Meilensteine sich in unterschiedlichen Graden der Abstraktheit befinden. Einzig Raven Rock für Fallout 76 und die Remaster haben einen halbwegs greifbaren Horizont.
Der Preis der Roadmap: Entlassungen, Avowed 2 und ZeniMax als Support-Studio
Die größte Fallout-Ankündigung aller Zeiten kommt in der Woche, in der Xbox 3.200 Menschen auf der Kündigungsliste hat. Das ist, wie Kotaku in seinem Bericht einordnet, kein Timing, das man ignorieren kann. Bethesdas Roadmap liest sich vor diesem Hintergrund wie eine PR-Operation: „Seht her, wir leben noch, wir planen groß, wir geben nicht auf.“ Und das ist in Teilen auch redlich. Aber der Preis dieser Offensive ist sichtbar.
Bei Obsidian wurde Avowed 2 gestoppt, um die Ressourcen für Fallout freizumachen. Josh Sawyers eigenes, unangekündigtes RPG-Projekt – ein Spiel, das „strukturell und thematisch“ Fallout ähnelte – wurde ebenfalls eingestellt. Das Studio, das gerade erst ein Viertel seiner Belegschaft verloren hat, setzt alles auf eine Karte. Und das ist eine Markenkarte, die nicht Obsidian gehört.
Noch deutlicher wird der Preis bei ZeniMax Online Studios. Das Team hinter The Elder Scrolls Online hat 213 von 300 Stellen verloren – und jetzt soll es „eng mit Bethesda Game Studios an der Elder-Scrolls-Reihe zusammenarbeiten“. Die höfliche Formulierung aus Howards Statement bedeutet in der Realität: ZeniMax Online wird vom eigenständigen MMO-Studio zum TES6-Support-Studio degradiert. Ein Team, das gerade erst sein Content-Tempo drastisch reduzieren musste, soll jetzt die nächste Generation des Franchise mitentwickeln. Ob das aufgeht, wir werden es hoffentlich sehen.
Die Roadmap ist beeindruckend. Aber sie ist auch das Dokument einer Industrie, in der nicht mehr das kreative Potenzial eines Studios zählt, sondern der Markenwert eines Projekts.
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