Gestern noch gecancelt, heute vielleicht doch nicht – die Geschichte von Avowed 2 schreibt sich in Echtzeit. Jason Schreier von Bloomberg berichtete, dass Obsidian Entertainment das Fantasy-Sequel auf Eis gelegt hat, um stattdessen ein neues Fallout unter Josh Sawyer zu entwickeln. Dann meldete sich Chris Avellone zu Wort. Der Ex-Mitgründer des Studios postete auf X, dass Avowed 2 noch lange nicht tot sei. Was stimmt denn jetzt?
„Re-evaluated“ statt „cancelled“ – was Avellone aus Obsidian hört
Avellone, der Obsidian 2015 verließ, aber noch Kontakte ins Studio hat, zeichnet ein differenzierteres Bild als der Bloomberg-Bericht. Ja, Microsoft hat alle Projekte bei Obsidian „re-evaluated“ – also neu bewertet. Ja, das Shadowrun-Projekt von John Gonzalez wurde pausiert, und von Pillars of Eternity war gar nicht die Rede. Aber Avowed 2? „Avowed 2 is STILL being worked on (for now) in the hopes of being ‚re-pitched'“, schreibt Avellone im Wccftech-Bericht – die Arbeit am Sequel läuft also weiter, in der Hoffnung auf einen neuen Pitch. „They’re still working on it as of today, according to folks at Obsidian“ – also sie arbeiten noch dran, versuchen einen neuen Anlauf, sobald sich der Staub gelegt hat.
Das ist ein gewaltiger Unterschied zur bloßen Cancel-Meldung. Avellone beschreibt eine Situation, in der ein kleiner Teil des Teams am Konzept weiterarbeitet, während der Rest des Studios auf die neue Priorität gesetzt wird. Ob der Re-Pitch erfolgreich sein wird, hängt davon ab, ob Microsoft das Sequel für rentabel hält – und die Verkaufszahlen von Avowed sprechen da keine eindeutige Sprache.
25 Prozent weniger Belegschaft – die Spur der Xbox-Entlassungen bei Obsidian
Der Kontext dieser News ist düster. Wie Kotaku und andere Quellen bestätigen, hat Obsidian im Zuge der massiven Xbox-Entlassungen rund ein Viertel seiner Belegschaft verloren. Etwa 60 bis 70 Mitarbeiter mussten gehen – darunter Producer, Artists, Designer und selbst den hauseigenen Recruiter. Die Layoff-Zahlen, die Kotaku bestätigt hat, dokumentieren Entlassungen, die vor allem Senior-Talente mit über einem Jahrzehnt Erfahrung trafen.
Avowed selbst war kein Flop, aber auch kein durchschlagender Erfolg. Am Launch-Tag zählte Steam 17.171 gleichzeitige Spieler – solide, aber unter den 20.349 von The Outer Worlds. Über sechs Jahre Entwicklung und ein ordentliches Budget stehen gegen diese Zahlen, und unter der neuen Xbox-Chefin Asha Sharma muss sich jeder ausgegebene Dollar rechtfertigen. Dass ausgerechnet jetzt Avowed 2 auf dem Prüfstand steht, überrascht also niemanden, der die Lage nüchtern betrachtet.
Fallout statt Fantasy – wer beim großen Xbox-Pivot gewinnt und verliert
Die Rechnung von Xbox-Chefin Sharma ist einfach: Fallout ist eine garantierte Marke. Josh Sawyer, der Director von Fallout: New Vegas, soll das neue Projekt leiten – das ist die sicherste Wette, die Microsoft in diesem Jahr eingehen kann. Sawyer hat nachgewiesen, dass er narrative Rollenspiele auf höchstem Niveau beherrscht.
Der Preis für diese Sicherheit: Avowed 2, Sawyers eigenes unangekündigtes RPG und das Shadowrun-Projekt. Und das ist kein neues Muster. Erst vor wenigen Monaten hatte Obsidian offiziell bestätigt, dass The Outer Worlds 3 gestrichen wird – das Studio setzt auf das Avowed-Universum. Jetzt wird Avowed 2 selbst in Frage gestellt. Wer bei Obsidian nicht an einer etablierten Marke arbeitet, lebt gefährlich.
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