Das ist kein normales Sparprogramm mehr. Das ist das Eingeständnis, dass eine 20 Milliarden Dollar Wette nicht aufgegangen ist. XBOX-CEO Asha Sharma hat es in einem internen Memo selbst aufgeschrieben: Fünf Jahre, 20 Milliarden Dollar Investition in Inhalte, Plattform und Hardware — und der Umsatz sinkt in derselben Zeit um fast eine halbe Milliarde. „So kann es nicht weitergehen“, schreibt sie. Und die Konsequenz, berichtet Bloombergs Jason Schreier, folgt im Juli: massive Entlassungen, Budgetkürzungen, mögliche Studioschließungen.
Die Zahlen, die XBOX ins Verderben reiten
Drei Prozent Accountability Margin — so nennt Microsoft intern die Kennzahl, die widerspiegelt, wie profitabel ein Geschäftsbereich wirklich ist. Drei Prozent, das ist für einen Konzern wie Microsoft ein Warnschuss direkt vor die Füße. In dem internen Memo, das Bloomberg vorliegt, rechnen Sharma und Chief Content Officer Matt Booty schonungslos vor: „Ohne Activision Blizzard King haben wir in den vergangenen fünf Jahren über 20 Milliarden Dollar in laufende Investitionen für unsere Inhalte, Plattform und Hardware Subventionierung gesteckt — aber unser Jahresumsatz ist in dieser Zeit um fast eine halbe Milliarde gesunken.“
Das ist kein Marktzyklus. Das ist ein strukturelles Versagen. Ein Gaming-Gigant, der mehr Geld ausgibt als je zuvor und trotzdem weniger einnimmt — Sharmas „So kann es nicht weitergehen“ ist kein Durchhalte-Appell, es ist die Ankündigung eines Kahlschlags.
Das Eingeständnis im O-Ton:
- 20 Milliarden Dollar Investition in fünf Jahren (ohne Activision Blizzard)
- Fast 500 Millionen Dollar Umsatzrückgang im selben Zeitraum
- 3 Prozent Accountability Margin — faktisch ein Minusgeschäft
- „Going forward, this cannot continue“ — das Ende der Geduld
Erst beruhigen, dann entlassen — das Muster wiederholt sich
Sharma ist erst seit wenigen Monaten im Amt. Sie folgte auf Phil Spencer und Sarah Bond, deren Abgänge bereits ein Beben durch Microsoft Gaming schickten. Und sie trat mit einem klaren Versprechen an. In einem Blogbeitrag versicherte Matt Booty noch im Februar, es seien „keine organisatorischen Veränderungen für unsere Studios im Gange“. Sharma selbst schrieb von einem „stärkeren XBOX“ und davon, dass Spiele „Kunst bleiben müssen, geschaffen von Menschen“.
Vier Monate später ist die Realität eine andere. Bloombergs Quellen — Personen, die mit der Strategie vertraut sind und anonym bleiben wollen — sprechen von „massiven“ Entlassungen kurz nach dem Ende des Geschäftsjahres am 30. Juni. The Verge berichtet ergänzend, dass Studioschließungen oder „Veränderungen am Xbox Studio Lineup“ Teil der Maßnahmen sein könnten. Ein Sprecher von XBOX lehnte jede Stellungnahme ab.
Die Parallelen zur jüngeren Vergangenheit sind unübersehbar: Im Februar 2025 strich Microsoft 1.900 Stellen bei Activision Blizzard und Xbox, im April folgten Schließungen von Tango Gameworks und Arkane Austin. Die Gerüchte über einen Abbau von 15 Prozent der Belegschaft, die seit Wochen kursieren, wirken vor diesem Hintergrund nicht mehr wie Spekulation.
Die Exklusivstrategie als Panikreaktion
Was Sharma in ihrem Memo nicht offen ausspricht, aber Bloombergs Quellen detailliert schildern: Die Kehrtwende bei den Exklusivtiteln war kein geplanter Strategiewechsel, sondern eine Notbremse. Eine PlayStation-5-Version von Gears of War: E-Day war in aktiver Entwicklung, Händler bereiteten bereits die Vorbestellungen vor — dann zog Sharma den Stecker. Ein Halo-Trailer, der für ein PlayStation-Event vorgesehen war, wurde in letzter Minute zurückgezogen. Viele Xbox Mitarbeiter wurden von der Ankündigung überrascht.
Das Eingeständnis, dass das Geschäft „nicht besonders gesund“ sei, fiel nicht zufällig zeitgleich mit der überstürzten Exklusivstrategie. Chief Strategy Officer Matthew Ball machte auf The Game Business Live keinen Hehl daraus: „Asha war deutlich: Unser Geschäft ist derzeit nicht gesund.“ Man taste sich mit „ein bis zwei Vorzeige-Exklusivtiteln“ heran. Wenn das Geschäft gesünder werde, könne man über mehr nachdenken.
Die Richtung ist klar: Microsoft zieht sich aus der Multiplattform-Offensive zurück, die Spencer jahrelang vorangetrieben hat. Aber der Rückzug ist chaotisch — er verbrennt Beziehungen zu Sony, verwirrt Händler und lässt Studios im Unklaren über die Strategie, nach der sie planen sollen.
Wer jetzt gehen muss — und was das für Spieler bedeutet
Sharma will nicht nur Personal kürzen. Das Memo kündigt an, dass XBOX „die Budgets für Marketing und einige andere Geschäftsbereiche erheblich zusammenstreichen“ wird. Gleichzeitig räumt sie ein: Das Studiosystem sei „überdehnt“, man habe es „zu stark expandiert, während wir wechselnde Strategien in einer Landschaft mit leichter verfügbaren Inhalten umgesetzt haben“. Die Bilanz, die sie zieht, ist vernichtend: „Wir sind die glücklichen Verwalter branchendefinierender Marken mit enormem Potenzial und Spielernachfrage — aber wir haben sie nicht ausreichend finanziert, um zu konkurrieren und zu gewinnen.“
Übersetzt heißt das: Microsoft hat zu viele Studios gekauft, zu viele Strategien gleichzeitig verfolgt (Abo, Streaming, Hardware, Multiplattform) und dabei die Kernmarken vernachlässigt. Jetzt folgt die Bereinigung — weniger Studios, weniger Marketing, weniger Experimente.
Für Spieler bedeutet das kurzfristig: Das Lineup schrumpft. Projekte werden still und leise eingestellt, bevor sie jemals angekündigt wurden. Mittel- und langfristig könnte Sharmas Rosskur das Portfolio fokussieren — aber ob Xbox in dieser Zeit PlayStation und Nintendo noch einholt, ist die Frage, die niemand in Redmond beantworten will.
Auf den Pixel gefühlt…
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