Microsoft Gaming steckt tiefer in der Krise, als die frische CEO-Ernennung vermuten ließ. Kaum sitzt Asha Sharma im Chefsessel, kursieren auf der Profi-Plattform Blind bereits brisante Insider-Posts über bevorstehende Stellenkürzungen im großen Stil. Was dahintersteckt – und warum der Zeitpunkt kein Zufall ist, erfährst du hier.
Ein anonymer Post setzt die gesamte Xbox-Division unter Schock
Der Ausgangspunkt ist ein Beitrag auf Blind, dem anonymen Berufsnetzwerk, in dem sich Mitarbeiter großer Tech-Konzerne regelmäßig die Karten legen. Ein angeblicher Activision-Blizzard-Mitarbeiter behauptet dort, Microsoft bereite Entlassungen vor, die 15 Prozent der gesamten Gaming-Belegschaft treffen. Als mögliches Ankündigungsdatum steht „5/6″ im Raum – je nach verwendetem Datumsformat also entweder der 6. Mai oder der 5. Juni. Offiziell bestätigt hat Microsoft nichts. Aber wer den Kontext kennt, liest den Post mit anderen Augen.
Der Einstellungsstopp war die Warnstufe, die kaum jemand ernst nahm
Vor rund einem Monat verkündete Microsoft einen Einstellungsstopp in seinen Cloud- und Vertriebsbereichen. Was damals nach einem üblichen Sparmaßnahmen-Signal aussah, interpretiert die Community auf Blind inzwischen als klassischen Vorboten. Ein Amazon-Mitarbeiter, der den Post kommentiert, verweist auf ein identisches Muster aus dem eigenen Konzern: Einstellungsstopp zuerst, dann die Ankündigung der großen Entlassungswelle. „The writing is on the wall“ – deutlicher kann man es kaum formulieren. Microsoft hat diese Dynamik nicht erfunden, aber Xbox kennt sie seit Jahren: 2023 traf es über 10.000 Stellen konzernweit, 2024 folgten weitere Cuts bei Activision Blizzard und den eigenen Studios.
Sharma übernimmt ein Xbox, das gerade seine Führungsspitze verloren hat
Asha Sharma trat im Februar die Nachfolge von Phil Spencer an, der nach 38 Jahren Microsoft verließ und seinen Abgang selbst als bewussten nächsten Lebensschritt rahmte. Xbox-Präsidentin Sarah Bond folgte kurz darauf. Ihr Abgang kam laut einem weiteren Bericht nicht ganz freiwillig – die „This is an Xbox“-Marketingkampagne, die Bond verantwortete, scheiterte auf ganzer Linie. Die Botschaft, dass nahezu jedes Gerät über Game Pass und Cloud Gaming zur Xbox werden kann, zündete weder bei Käufern noch intern: Der Bericht spricht von Mitarbeitern, die sich von der Kampagne regelrecht vor den Kopf gestoßen fühlten.
Sharma setzt auf eine neue Game-Pass-Struktur – und möglicherweise auf Netflix
Mitten in diesem Personalchaos kursieren erste strategische Signale aus Sharmas Amtszeit. Berichten zufolge plant die neue CEO einen eigenständigen Abonnement-Tier für Game Pass, der ausschließlich First-Party-Titel aus dem Xbox Game Studios-Portfolio bündelt – eine direkte Reaktion auf die Kritik, dass das aktuelle Angebot zu unstrukturiert und zu teuer für den Mehrwert ist. Dazu kommt ein mögliches Bundle-Modell zusammen mit Netflix, das Microsoft Gaming in ganz neue Wohnzimmer bringen könnte. Ob Sharma mit weniger Personal und zwei großen Umstrukturierungen gleichzeitig diese Kurswende schafft, schreibt sich leichter als es sich umsetzt.