Crystal Dynamics, Flying Wild Hog und Amazon Games haben während der kürzlichen State of Play den Vorbestellungsstart für das ambitionierte Remake des ersten Tomb Raider von 1996 eingeläutet. Ab dem 12. Februar 2027 soll Lara Croft auf PS5, Xbox Series X|S, Steam und überraschend auch am Launch-Tag auf der Nintendo Switch 2 durch Tempel robben und T-Rexen die Doppelpistolen ins Gesicht halten. Die Preise reichen von fairen 59,99 Euro bis zu saftigen 199,99 Euro – und die teuerste Edition wirft durchaus Fragen auf.
Das zweite Remake – warum eigentlich?
Wer bei „Neuinterpretation des ersten Tomb Raider“ stutzt, hat recht: 2007 erschien mit Tomb Raider: Anniversary bereits ein vollwertiges Remake des Originals. Damals auf der Legend-Engine, grafisch solide, spielerisch modernisiert. Warum also jetzt nochmal?
Die Antwort liegt in der Amazon-Strategie. Der Konzern hat die Publishing-Rechte für die Marke übernommen und will Tomb Raider als Unreal-Engine-5-Schwergewicht positionieren, bevor 2027 mit Tomb Raider: Catalyst ein brandneuer Serienableger von Crystal Dynamics selbst erscheint. Auf dem Papier liefern die Entwickler eine komplette Neuentwicklung – kein Remaster, kein HD-Patch, sondern ein von Grund auf mit der Unreal Engine 5 gebautes Spiel.
Die Rohdaten versprechen dabei eine erweiterte Story, die Laras erstes Abenteuer mit ihrer Zukunft verknüpft. Ob das narrativ aufgeht oder die klare Struktur des Originals verwässert, bleibt abzuwarten. Fest steht: Schauplätze wie die peruanischen Dschungel, griechische Ruinen und die namensgebende Atlantis-Insel sind gesetzt – inklusive des ikonischen T-Rex-Kampfes, den bereits der Trailer anreißt.
Drei Studios, eine Baustelle
Dass dieses Remake kein reines Crystal-Dynamics-Projekt ist, sondern Flying Wild Hog die Hauptentwicklung stemmt, ist die vielleicht unterschätzteste Info der Ankündigung. Das polnische Studio hat sich mit Action-Reißern wie Shadow Warrior und Evil West einen Namen gemacht – Titel, die von Geschwindigkeit und Kampf leben, nicht von atmosphärischer Erkundung oder komplexen Rätseln. Der Sprung zum Tomb-Raider-Remake ist ein massiver Genre-Wechsel.
Crystal Dynamics selbst liefert laut eigenen Angaben lediglich „guidance“, steckt aber parallel in einer Zwickmühle: Vier Entlassungswellen binnen eines Jahres, insgesamt über 70 betroffene Mitarbeiter, während gleichzeitig Catalyst entwickelt wird. Dass die Qualitätssicherung bei Legacy of Atlantis darunter leidet, ist kein abwegiger Gedanke.
Hinzu kommt eine unschöne Verschiebungs-Historie: Ursprünglich für 2026 geplant, machten im Herbst 2025 erstmals Gerüchte über eine Verschiebung auf 2027 die Runde – die das Studio zunächst offiziell dementierte. Der jetzt kommunizierte 12. Februar 2027 bestätigt die damaligen Leaks exakt. Der Grund für die Verschiebung: Der überfüllte Herbst 2026, dominiert von GTA 6, ließ schlicht keinen Raum für einen weiteren AAA-Release.
Editionen-Check: Was steckt drin, was lohnt sich?
Drei Versionen stehen zur Wahl – und die Preisstaffelung hat es in sich:
- Standard Edition (59,99 €): Das Basisspiel plus das „Survivor“-Outfit als Vorbestellerbonus. Der Preis ist marktüblich und fair angesetzt.
- Deluxe Edition (69,99 €): Für 10 Euro Aufpreis gibt es das Outfit „Parisian Fugitive“, ein Story-DLC-Paket nach dem Launch und – das ist der kritische Punkt – 48 Stunden früheren Zugang. Zahle mehr, spiele früher: ein Modell, das in der Community zunehmend als Anti-Verbraucher-Praxis kritisiert wird.
- Collector’s Edition (199,99 €): Der Preissprung ist massiv. Dafür wandern ein Steelbook, ein Mini-Artbook, eine Croft-Signet-Anstecknadel, ein Atlantean-Talisman-Schlüsselanhänger und eine „Lara Croft vs. T-Rex“-Statue in den Warenkorb. Zum Vergleich: Die Resident-Evil-4-Remake-Collector’s Edition startete 2023 bei 249,99 Euro, bot aber eine hochwertigere Statue und mehr physische Extras. Die Dead-Space-Remake-CE lag bei 274,99 Euro. Mit 199,99 Euro positioniert sich Legacy of Atlantis im Mittelfeld – ob die T-Rex-Statue die Summe rechtfertigt, entscheidet am Ende die Verarbeitungsqualität.
Switch 2 am Launch-Tag: mutig oder notwendig?
Die Bestätigung, dass Legacy of Atlantis am 12. Februar 2027 auch auf der Nintendo Switch 2 erscheint, ist eine Ansage. Die Switch 2 ist seit Juni 2025 auf dem Markt und hat sich technisch als solide Plattform etabliert, aber ein UE5-Titel bedeutet selbst auf Nintendos neuer Hardware einen erheblichen Kompromiss bei Auflösung und Bildrate. Die Entwickler sprechen von „vollständig optimiert“ – eine Formulierung, die bei technisch anspruchsvollen Third-Party-Ports traditionell mit Vorsicht zu genießen ist.
Positiv: Anders als bei vielen Dritthersteller-Titeln, die Monate später auf Nintendo-Hardware nachgereicht werden, ist Legacy of Atlantis ein echter Day-One-Launch. Für Switch-2-Besitzer, die nicht auf die große Konsolen-Version warten wollen, ist das ein starkes Signal.
