Eine geleakte E-Mail von Blizzard-Präsidentin Johanna Faries zeichnet ein glänzendes Bild: Das Studio hinter Warcraft, Diablo und Overwatch hat im Fiskaljahr 2026 das drittbeste Umsatzergebnis seiner Geschichte eingefahren und ist damit das umsatzstärkste Studio innerhalb von Microsofts Xbox-Division. Doch hinter den Jubelzahlen steckt eine unbequeme Wahrheit – Microsofts Entlassungswelle rollt weiter, und Blizzards Erfolg steht auf einem Fundament, das jeden Moment weiter bröckeln kann.
FY26: Diablo und Overwatch liefern die Kohle
Die von Windows Central veröffentlichte interne Nachricht lässt keinen Zweifel an der Hierarchie: „In FY26 endete Blizzard als das Top-Performing-Studio in Xbox‘ Studios-Division“, schrieb Faries an ihre Belegschaft. „Das vergangene Jahr markiert unser dritthöchstes Fiskaljahr aller Zeiten beim Top-Line-Revenue“.
Als Treiber nennt sie zwei konkrete Produkte: Diablo 4: Lord of Hatred – die erste große Erweiterung des Action-RPGs – und Overwatch. Letzteres verzeichnete das stärkste Quartal seit 2022 und wächst zum ersten Mal seit Release über mehrere aufeinanderfolgende Jahre. Ein bemerkenswerter Turnaround für ein Spiel, das seit dem umstrittenen Wechsel auf Overwatch 2 immer wieder als „auf dem absteigenden Ast“ abgeschrieben wurde.
Blizzards Diablo 4 Team hatte zuletzt sogar das Leveldesign überdacht – eine Entscheidung, die sich offenbar ausgezahlt hat.
Die andere Rechnung: 3.200 Entlassungen und kein Ende
Während Faries‘ E-Mail von Erfolg spricht, läuft im Hintergrund ein ganz anderer Prozess. Microsofts Xbox-Sparte durchläuft eine „Reset“-Phase, die mindestens 3.200 Stellen kostet. Im Juli 2025 entließ Microsoft rund 9.000 Mitarbeiter konzernweit, davon etwa 3.200 im Gaming-Bereich. Wie wir berichteten, verbrannte Xbox in diesem Zeitraum 20 Milliarden Dollar und strich 2024 bereits 1.900 Stellen bei Activision Blizzard.
Zwar traf die jüngste Kürzungswelle Studios wie Double Fine und Zenimax härter als Blizzard – aber ein großer Teil der angekündigten Stelleneinsparungen steht noch aus. Blizzards Belegschaft feiert Rekorde, während Kollegen in Nachbarstudios ihre Sachen packen müssen. Dass diese Diskrepanz die interne Stimmung belastet, liegt auf der Hand. Wie Jason Schreier berichtete, hat Blizzard „tonnenweise“ neue Projekte in der Pipeline – und trotzdem zittern die Mitarbeiter um ihre Jobs.
Blizzcon 2026: Der große Befreiungsschlag?
Faries setzt in ihrem Memo einen klaren Fokus: Die Blizzcon 2026 – die erste seit 2023 – soll „als kraftvolles Sprungbrett in eine neue Ära der Dynamik“ dienen. Am 12. und 13. September wird Blizzard nach drei Jahren Funkstille wieder eine eigene Bühne bespielen.
Die Gerüchteküche brodelt entsprechend: Ein StarCraft-Shooter im Third-Person-Format soll als Headliner enthüllt werden – ein Projekt, das Blizzard nach dem Ghost-Debakel vor fast 20 Jahren einen zweiten Anlauf im Shooter-Genre außerhalb von Overwatch geben würde. Dazu kursieren Spekulationen über einen WoW Classic Nachfolger und ein World of Warcraft – Dungeons & Dragons Crossover.
Die Erwartungshaltung ist immens – und genau darin liegt die Gefahr. Ein StarCraft-Shooter, der auf der Blizzcon zündet, könnte den Rückenwind liefern, den Faries beschwört. Ein durchwachsener Auftritt würde dagegen die Frage aufwerfen, ob Blizzards Erfolg ein Live-Service-Polster ist – oder echte, nachhaltige kreative Stärke.
Rekord hin oder her: Die Rechnung ist nicht aufgegangen
Microsoft hat fast 69 Milliarden Dollar für Activision Blizzard bezahlt und will bis FY27 „return to growth“ liefern. Dass Blizzard jetzt das drittbeste Jahr der Firmengeschichte meldet, ist für diesen Plan ein Lichtblick – aber er steht auf dünnen Beinen. Der Erfolg von Diablo 4: Lord of Hatred und Overwatch basiert auf existierenden Franchises, nicht auf neuen Marken. Die Übernahme selbst hat 1.900 Jobs und mindestens eine große Spielabsage gekostet – und die strukturellen Probleme, die Microsoft mit den Entlassungen zu lösen versucht, sind nicht verschwunden, nur weil Blizzard gute Quartalszahlen schreibt.
Die Blizzcon 2026 wird zeigen, ob Blizzard mehr kann, als seine Gelddruckmaschinen am Laufen zu halten. Bis dahin ist Faries‘ Memo vor allem eines: eine Erfolgsmeldung, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet.