Der Erfolg von Kingdom Come: Deliverance 2 war immens – ein Spiel, das von seiner authentischen Sprache, seinen sorgfältig übersetzten Dialogen und seiner erzählerischen Dichte lebt. Nun hat ein Übersetzer öffentlich gemacht, dass er nach Jahren der Mitarbeit entlassen wurde – und der Grund klingt nach einer Entscheidung, die weit über einen einzelnen Arbeitsplatz hinausgeht.
Ein Mitarbeiter, ein Reddit-Post, eine ernüchternde Wahrheit
Unter dem Pseudonym „Max H“ hat ein Übersetzer und Lektor, der seit Juli 2022 bei Warhorse Studios tätig war, auf dem KingdomCome-Subreddit seinen Fall geschildert – verifiziert von den Moderatoren des Forums. Seine Aufgabe war es, Dialoge, Questprotokolle, Gegenstandsbezeichnungen und weitere Texte aus dem Tschechischen ins Englische zu übertragen, gelegentlich auch Marketingmaterialien. Wer Kingdom Come: Deliverance 2 auf Englisch gespielt hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Arbeit erlebt – ohne es zu wissen.
Am 27. März wurde sein Vertrag gekündigt. Die offizielle Begründung: seine Position sei obsolet geworden, um das Unternehmen effizienter zu machen und Kosten zu senken. Hinter dieser Formulierung steckt, was Max H. selbst offen benennt: Warhorse Studios scheint für Übersetzungsaufgaben künftig auf künstliche Intelligenz zu setzen. „Ich war naiv genug zu glauben, dass meine Arbeit bei WHS genug wertgeschätzt wird, um nicht unmittelbar gefährdet zu sein“, schreibt er.
Kein Aufruf zur Entrüstung – nur zur Aufmerksamkeit
Was Max H.s Post besonders bemerkenswert macht, ist der Ton, in dem er geschrieben ist. Er bittet ausdrücklich darum, dass Fans weder Mitarbeiter des Studios belästigen noch Spiele des Unternehmens mit negativen Bewertungen überfluten sollen. Sein einziges Anliegen sei es, mehr Menschen darüber zu informieren, was hinter den Kulissen der Spielebranche passiert – und wie Unternehmen, die ihren Erfolg dem Einsatz vieler Mitarbeiter verdanken, mit deren Arbeit umgehen, wenn KI als Alternative verfügbar erscheint.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Warhorse-Mitgründer Daniel Vávra hatte erst kürzlich öffentlich erklärt, KI sei „nicht aufzuhalten“ – und dabei auch DLSS 5 verteidigt. Dass derselbe Mitgründer die Verwendung von KI auch für kreative und sprachliche Aufgaben befürwortet, scheint nun in einer konkreten Personalentscheidung zu münden.
Ein Branchentrend, der Gesichter bekommt
Die Debatte um KI in der Spieleentwicklung war bislang oft abstrakt – nun bekommt sie ein menschliches Gesicht. Während einige Studios wie Owlcat Games bei The Expanse: Osiris Reborn öffentlich versichern, KI ausschließlich intern für Platzhalter zu verwenden und alle finalen Inhalte von Menschen erstellen zu lassen, schlägt Warhorse Studios offenbar einen anderen Weg ein. Wie weit dieser Weg führt und welche weiteren Aufgabenbereiche betroffen sein könnten, ist nicht bekannt. Was bleibt: die Frage, welchen Preis eine Branche bereit ist zu zahlen, wenn Effizienz über Handwerk siegt.





