007 First Light, IO Interactives James-Bond-Origin-Story, ist am 27. Mai gestartet und hat in den ersten 24 Stunden 1,5 Millionen Exemplare verkauft. Auf Metacritic steht der PS5-Ableger bei 88 Punkten – das bestbewertete Spiel der dänischen Hitman-Schmiede und das beste Bond-Spiel seit GoldenEye 007 aus dem Jahr 1997. Doch hinter den Jubelmeldungen verstecken sich Zahlen, die genaueres Hinsehen lohnen: 68.477 gleichzeitige Spieler auf Steam sind für eine Marke wie Bond eher bescheiden – aber für IO Interactive ist es trotzdem ein Studio-Rekord.
1,5 Millionen in 24 Stunden: Der Bond-Bonus schlägt Hitman
1,5 Millionen verkaufte Einheiten am ersten Tag – IO Interactive hat die Zahl über den offiziellen Twitter-Account des Spiels bestätigt. Das ist mehr, als jeder einzelne Hitman-Teil in seiner ersten Woche geschafft hat, und ein starkes Signal an Lizenzgeber Amazon MGM.
Zur Einordnung: Star Wars Jedi: Survivor verkaufte 2023 rund 2 Millionen Einheiten in den ersten 24 Stunden, Spider-Man 2 lag bei über 2,5 Millionen. God of War Ragnarök setzte in der ersten Woche 5,1 Millionen ab. First Light spielt in einer Liga darunter – aber für ein Studio mit rund 200 Mitarbeitern, das aus eigener Tasche finanziert und eine komplett neue Spielformel aufbaut, ist das ein Beleg dafür, dass die Hitman-DNA unter der Bond-Haut funktioniert.
Dass die Verkäufe so stark ausfallen, obwohl es sich um eine eigenständige Origin-Story und nicht um eine Filmadaption handelt, spricht für das Vertrauen, das sich IO Interactive mit der Hitman-Trilogie erarbeitet hat. Die Spieler kaufen nicht „irgendein Bond-Spiel“, sie kaufen das neue Spiel der Hitman-Macher.
68.477 Steam-Spieler – und warum der Hitman-Vergleich hinkt
Die Rohdaten werfen einen merkwürdigen Vergleich in den Raum: Hitman 2 habe 2018 einen Steam-Peak von 361.001 Spielern erreicht, First Light nur 68.477 – ein massiver Schritt nach unten. Die Wahrheit ist simpler: Die 361.001 kamen zustande, weil IO Interactive versehentlich eine Demo für alle Steam-Nutzer freischaltete. Der echte Launch-Peak von Hitman 2 lag bei etwa 32.042 Spielern. Hitman 1 erreichte 2016 rund 51.650.
Mit anderen Worten: 68.477 gleichzeitige Steam-Spieler sind der stärkste echte Launch-CCU in der Geschichte von IO Interactive. Das ist kein Absturz, sondern ein Studio-Rekord.
Trotzdem bleibt die Zahl hinter dem zurück, was eine Marke vom Kaliber James Bond auf dem PC theoretisch erreichen könnte. Zum Vergleich: Ghost of Tsushima, ein vier Jahre alter PlayStation-Port, zog 2024 zum Steam-Launch 59.244 Spieler an. First Light liegt nur knapp darüber. Das deutet darauf hin, dass der Löwenanteil der 1,5 Millionen Verkäufe auf PS5 und Xbox Series X|S entfällt – vermutlich über 70 Prozent. Bond ist und bleibt eine Wohnzimmer-Marke.
Die saftigen PC-Anforderungen dürften ebenfalls eine Rolle spielen: Für Ultra-Einstellungen in 4K empfiehlt IO Interactive eine RTX 5080 mit 32 GB RAM. Da überlegt sich so mancher Mittelklasse-PC-Besitzer zweimal, ob er 80 Euro für ein Spiel ausgibt, das seine Hardware an die Grenzen bringt.
88 Punkte, 14 Stunden, 80 Euro: Die härtesten Wahrheiten
Die Kritiken sind fast durchgehend euphorisch. VGC nennt First Light ein „Meisterwerk voller Spektakel, Humor, Action und Romantik“, der Guardian vergibt fünf Sterne, und die 88 Punkte auf Metacritic (PS5) machen es zum bestbewerteten IOI-Spiel aller Zeiten – Hitman 3 hielt zuvor 87 Punkte. Dass ausgerechnet ein lineares Lizenzspiel die Sandbox-Hitman-Trilogie überflügelt, hat eine gewisse Ironie.
Aber die drei kritischen Punkte, die in den meisten Tests anklingen:
- 14 Stunden Kampagne für 80 Euro. In einer Branche, in der selbst lineare Action-Titel gerne 25 Stunden auf die Uhr bringen, ist das ambitioniert kurz. IOI kontert mit Dichte statt Länge: keine Füller-Missionen, kein Open-World-Gepäck. Ob dir das reicht, hängt davon ab, wie sehr du Qualität über Quantität stellst.
- Kein Path Tracing zum Launch. DLSS Ray Reconstruction und vollständiges Path Tracing sollen mit einem kostenlosen Update im Sommer nachgereicht werden. Bei einem Spiel, das eine RTX 5080 für Ultra empfiehlt, fühlt sich das wie ein Release an, der nicht ganz fertig war.
- Keine alternativen Enden. First Light erzählt eine festgelegte Geschichte. Ein Bond, ein Weg, ein Ende. Eurogamer merkte kritisch an: „Nicht das Bond-Spiel, das ich von IO Interactive erwartet hatte.“ Wer auf Hitman-ähnliche Sandbox-Freiheit gehofft hatte, bekommt eine cineastische, aber lineare Erfahrung.
Sequel, TacSim, Switch 2: Was als Nächstes kommt
IO-Interactive-CEO Hakan Abrak machte vor dem Launch klar: Eine Fortsetzung hängt vom kommerziellen Erfolg ab. Mit 1,5 Millionen Verkäufen in 24 Stunden dürfte diese Hürde genommen sein. Amazon MGM, das nach der Übernahme des Bond-Franchise die Lizenzhoheit innehat, war laut Abrak „sehr beeindruckt von der Qualität des Spiels“. Die Zeichen für ein Sequel stehen gut.
Der TacSim-Modus, eine Art taktische Simulationsumgebung mit Hitman-ähnlichen Herausforderungen, soll in den kommenden Monaten weitere Inhalte bekommen. Steam-Nutzer bemängeln allerdings, dass der Modus zum Launch recht schlank ausgefallen ist – hier muss IOI liefern, um die Langzeitmotivation zu sichern.
Die Nintendo Switch 2 Version wurde auf den Sommer 2026 verschoben. Angesichts der hohen Hardware-Anforderungen auf PC und Konsole wird spannend zu sehen sein, wie die Glacier Engine auf Nintendos Hardware skaliert.
